Irrwitzige Wortkaskaden

- Frauen wissen es: Wenn etwas funktionieren soll, muss man sich selber darum kümmern. Also setzt Sissi Perlinger im Münchner Prinzregententheater erst einmal ein paar Zuschauer um, weil es noch einige wenige leere Sitzplätze gibt, und lässt schnell adäquaten Jubel üben. Dann kann es losgehen mit ihrem "Traumprogramm", in dem sie ihre vorgebliche Lebensgeschichte erzählt - in Form von Träumen. Wenigstens ist das der Ansatz, an den sie sich freilich nicht sklavisch hält, was nichts macht, denn es ist immer unterhaltsam.

Von 1963 bis zur Gegenwart führt die rasante Show, und Perlinger seziert dabei unterstützt von Bühnenpartner "Herrn Scheibe" die Verirrungen der Lebensalter. Von den Mühen der Geburt über die Leiden der Teenagerzeit bis zu den Katastrophen des Erwachsenen-Daseins wirbelt sie mit fast schon einschüchternder Energie und schlüpft mühelos in alle Rollen. Egal, ob Kleinkind oder überdrehte Mode-Zicke - sie überzeugt. Das vogelwilde Pendeln zwischen Gesang, Tanz, Klamauk und irrwitzigen Wortkaskaden wirkt mitunter chaotisch, aber Perlinger weiß immer genau, was sie tut - und sie tut es sehr gut.<BR><BR>Auch wenn das alles federleicht daherkommt: Perlinger vollbringt mit ihrer Stimme ganz erstaunliche Dinge und ist ein bemerkenswertes, hochdiszipliniertes Bewegungstalent. Ihr extrovertiertes Naturell mag darüber hinwegtäuschen, aber diese Frau leistet Schwerstarbeit. Außerdem hat sie einen genauen Blick für die Abgründe des Alltags und ein Gabe, das messerscharf zu formulieren und darzustellen. So etwa, wenn sie feststellt, dass Frauen mitunter sexuelle Höhepunkte vortäuschen, Männer aber ganze Beziehungen. Damit sich nach solchen Sätzen kein Mann in die nahe Isar wirft, weist Perlinger am Ende noch darauf hin, dass sie nicht männerfeindlich sein will, sondern lustig. Wie bereits erwähnt: Frau muss eben an alles denken, wenn es klappen soll. Distanz eines

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