Islam und Moderne

- Deutschland muss nach Ansicht des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels, Wolf Lepenies, den aufgeklärten Islam unterstützen. "Es gilt für den Westen, mit aller Kraft die Leitidee eines mit der Moderne kompatiblen Islam zu stärken", sagte der Berliner Soziologe und Wissenschaftsmanager bei der Entgegennahme des Preises am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche (Buchmesse).

Zudem müsse der Westen dem islamisch geprägten Terror mit einer "Kultur der selbstbewussten Freiheit" wehrhaft entgegentreten -auch mit Hilfe der Wissenschaft.

"Es geht um die Stärkung von Gruppen, die zwischen Islam und Moderne keinen Gegensatz sehen und von der Demokratiefähigkeit muslimischer Gesellschaften überzeugt sind." Lepenies leitete von 1986 bis 2001 das Berliner Wissenschaftskolleg und initiierte dort 1994 den Forschungsschwerpunkt "Moderne und Islam". Lepenies erinnerte in seiner Dankesrede an die engen Verflechtungen zwischen der christlichen und der islamischen Welt. Beides seien keine monolithischen, sondern "gebrochene Kulturen".

Dies werde von den Fundamentalisten auf beiden Seiten nicht akzeptiert. Der wachsenden Gefahr des islamistischen Terrors müsse Europa jedoch entschlossen begegnen. "Nicht nur die Abwehr des Islamismus, auch die Kritik des Islam ist -wie jede Religionskritik -legitim. Diese Kritik aber kann die Versäumnisse der europäischen Integrationspolitik nicht kompensieren", sagte Lepenies mit Blick auf die Millionen von Moslems, die in Europa leben.

"Ansteckend kann die Demokratie nur wirken, wenn sie nicht routiniert betrieben oder anderen mit Gewalt aufgezwungen, sondern mit Enthusiasmus gelebt wird." Scharfe Kritik übte Lepenies an der Bildungspolitik. Die Kürzungen für die "kleinen Fächer" an den Hochschulen, die sich um andere Länder und Kulturen wie den Orient kümmerten, seien "aberwitzig". Die Geisteswissenschaften werden nicht nur finanziell zu wenig gefördert, sondern sind auch inhaltlich nicht ausgelastet.

"Dass man glaubte, die Philologie reiche aus, um fremde Kulturen zu verstehen, war ebenso kurzsichtig wie die Abneigung von Geschichts- und Sozialwissenschaften, sich mit etwas anderem zu beschäftigen als mit den überernährten Gesellschaften der westlichen Hemisphäre." Der rumänische Philosoph Andrei Plesu bezeichnete Lepenies in seiner Laudatio als "Front-Mensch" für den Frieden. "Den Frieden, den Lepenies möglich macht, ist nicht der Frieden eines engelhaften Redners, sondern der Frieden eines gut informierten und pragmatischen Experten."

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