Ausstellung

„Ist der Franz da?“

Das Münchner Museum Villa Stuck zeigt zum 80. Todestag seines Namenspatrons ein Werk-Panorama des Meisters.

Vierzig Kugeln hängen am Christbaum im Foyer der Villa Stuck – eine für jedes Jahr als Museum. Aber den eigentlichen Höhepunkt dieses Jubiläums hat sich das Haus bis ganz zum Schluss des Jahres aufgehoben: bis zum 80. Todestag des Hausherrn selbst. Und das wirkt fast wie ein Familienfest. Nicht Angehörige, sondern Bilder treffen sich da auf allen Stockwerken. Sie kommen aus Sankt Petersburg, Paris, Sofia, Budapest, Venedig, Wien, Zürich oder New York, weil sie alle denselben Vater haben: Franz von Stuck (1863-1928), dessen großartiges Lebenswerk es hier in elf Kapiteln und 54 Werken zu bestaunen gilt.

Viele von ihnen haben einander noch nie gesehen, obwohl sie miteinander verwandt sind. So die von Stuck als „Mein erstes Ölgemälde“ untertitelte „Wilde Jagd“ (um 1888) aus dem Lenbachhaus und ein Pendant (1899) aus dem Pariser Musée d’Orsay. Man könnte diese Schau gleich mehrmals durchwandern. Nicht nur, um „das Menschliche, das jedermann Verständliche“ in jeder auch noch so fantastischen Figur zu entdecken. Sondern auch mit Blick auf die unterschiedlichen, meisterhaft ausgeführten Zeichen- und Maltechniken, auf höchst ungewöhnliche Perspektiven oder auf die Übergänge zwischen Zimmern, Rahmen und Gemälden. Auch in Hinblick auf sein Frauenbild: von frühlingshaften Mädchen, verführerischen mythologischen Schönheiten und stolzen Sphinxen in den Wohnräumen bis hin zur Amazone und der einzigartigen Pallas Athene. Dazwischen, in Stucks altem Atelier, das in einen Raum der (Daseins-)Kämpfe verwandelt ist, eine weitere Zusammenführung: von der Sankt Petersburger Eremitage und einer Zürcher Galerie, von zwei Duellen um eine schöne Frau mit überlegenem Blick – das eine (1905) gewohnt allegorisch in der Nacktheit der freien Natur, das andere (1917) ungewöhnlich konkret in einem städtischen spanischen Ambiente angesiedelt.

Einige Werke hängen zum ersten Mal in der Villa oder waren noch niemals öffentlich zu sehen: „Das verlorene Paradies“ (um 1890, in Privatbesitz) zum Beispiel, ein von der schattigen Düsternis des Vordergrundes aus unerreichbar scheinender, engelsbewachter bunter Garten. Er befindet sich im wohl spannendsten Themenkomplex der Schau, „Tugend und Sünde“, der von der Gegenüberstellung einer hellen, sanften, fast feierlichen Strenge mit einer dunklen, grausamen, albtraumhaften Bedrohlichkeit lebt. Hier trifft das verstörende „Inferno“ auf das kindliche Antlitz der „Innocentia“, trifft „Lucifer“ – in Denkerpose, den starren, „phosphoreszierenden Blick“ auf den Betrachter geheftet – auf den „Wächter des Paradieses“ mit seinem Flammenschwert.

Auch in der Garderobe entdeckt man diesen Paradieswächter, mit dem sich der 26-Jährige 1889 erstmals im Glaspalast präsentierte: im zarten Porträt des Münchner Fotografen Thomas Dashuber. In „Stuck re-visited“ zeigt er die Villa aus ungewohnten Blickwinkeln. Ein weiterer Perspektivewechsel ist im Jugend-Zimmer zu hören: die 40-jährige Museumsgeschichte als Originalton-Collage „Ist der Franz da …? Villa Stuck Redux“.

von Teresa Grenzmann

Bis 15. März 2009

Tel. 089/ 455 55 10;

Katalog: 29 Euro.

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