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Schauspielerin Mavie Hörbiger

Interview mit der Schauspielerin Mavie Hörbiger

„Das ist der Todesstoß für unsere Branche“

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Sie spielte in Kinofilmen wie zuletzt „Axolotl Overkill“, „Lommbock“ und „Steig nicht aus!“ und überzeugt aktuell in dem Familiendrama „Ich brauche euch“ von Max Färberböck, zu sehen in der Mediathek des ZDF. Doch ihre große Leidenschaft gehört der Bühne -  Mavie Hörbiger (40), Spross einer Schauspielerdynastie, sieht die Zukunft des Theaters durch die Coronakrise gefährdet. Ein Gespräch.   

Wenn Sie sich Ihren jüngsten Film „Ich brauche euch“ anschauen, der ja vor Corona entstanden ist, was denken Sie, wenn Sie darin so viele Menschen auf so engem Raum sehen?

Mavie Hörbiger: Was ich bei jedem Film oder bei jeder Serie denke: Abstand! Aber ich spiele ja hauptberuflich Theater, und was mich mehr beschäftigt, ist die Frage, wann wir wieder spielen können. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass 1200 Menschen dicht gedrängt in einem Raum sitzen werden, um sich ein Theaterstück anzuschauen. Können Sie es sich vorstellen?

Ehrlich gesagt nicht…

Hörbiger: Das ist es, was mir große Sorgen macht: Werden wir wieder spielen, und wenn ja, wie? Werden die Leute kommen? Viele Schauspieler verdienen ja momentan auch nichts. Ich bin zum Glück fest engagiert hier am Burgtheater, ich bin zwar in Kurzarbeit, aber ich habe ein Einkommen, auch wenn das auf Dauer nicht reicht. Aber um das Einkommen mache ich mir gar nicht so große Sorgen, eher darum, ob es meinen Beruf in dieser Form überhaupt noch geben wird? Was ist, wenn kein Impfstoff gefunden wird? Was, wenn eine zweite oder dritte Welle kommt?

Fürs Erste müsste man die Stücke dann wohl vor leeren Stühlen spielen und fürs Fernsehen oder fürs Netz aufzeichnen.

Hörbiger: Aber das ist doch kein Theater, das Theater lebt doch von der Interaktion zwischen Schauspielerin und Publikum. Ich spiele ja auch im „Jedermann“ in Salzburg, und die Festspielleitung behauptet ja, die Festspiele würden stattfinden. Aber wer weiß? Das ist alles wahnsinnig frustrierend.

Fanden Sie die strengen Maßnahmen, die die österreichische Regierung ergriffen hat, um die Pandemie einzudämmen, angemessen?

Hörbiger: Ich denke schon, dass die Regierung da richtig gehandelt hat, die Zahl der Infektionen ist ja auch zurückgegangen, es wird vieles wieder geöffnet nach und nach. Aber was da für die Theater vorgeschlagen wird, dass die wieder öffnen dürfen, wenn jeder 20 Quadratmeter für sich hat, immer nur wenige Schauspieler miteinander proben – ich meine, was sollen denn das für Proben sein? Das ist der Todesstoß für unsere Branche.

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