Die Italiener kommen

- Schon Dostojewski hat's erkannt: "Veränderung ist das, was die Menschen am meisten fürchten." Sieht man sich das Angebot des diesjährigen Münchner Filmfests genauer an, scheint es fast so, als ob die Organisatoren sich vor Programmerstellung nochmal rasch ihren Dostojewski zu Gemüte geführt haben: Veränderung - eine schöne Sache, aber bitte nur gaaanz sachte und in Maßen! Das grobe Gerüst bietet also nichts Neues: In der bewährten Reihe "World Cinema" sind die großen Premieren zu sehen, die zumeist schon in Cannes oder anderswo gezeigt wurden und nun, vor ihrem baldigen deutschen Start, in München begutachtet werden können.

<P>Gängiges neben<BR>Cineasten-Glück<BR><BR>Auch die inzwischen hoch geschätzten und beim Publikum viel geliebten Reihen der amerikanischen Independents sowie die der lateinamerikanischen und französischen Arbeiten sind wieder auf der Leinwand präsent. Gerade in der französischen Sektion gibt es aber auch diesmal ein paar spannende Entdeckungen zu machen: etwa die kühne Trilogie von Lucas Belvaux, der drei Filme mit denselben Schauspielern in denselben Rollen gedreht  hat. Allerdings sind die Geschichten völlig unterschiedlich: "Un couple é´patant" ist eine Komödie, "Cavale" ein Gangsterfilm und "Après la vie" ein hochemotionales Drama. Da Belvaux immer noch keinen deutschen Verleih für seinen gewagten Coup gefunden hat, sollten sich Freunde des französischen Kinos diese Produktionen auf dem Filmfest keinesfalls entgehen lassen. </P><P>Auch die Reihen "Made in Germany" bieten wie gewohnt ein paar echte Perlen. Bekannte Namen wie Vivian Naefe, Matti Geschonneck, Marc Rothemund oder Martin Enlen finden sich jedoch ausnahmslos im Bereich des Fernsehspiels, während bei der Sparte der Kinofilme ganz klar auf unbekannte Namen und Überraschungen gesetzt wurde. Viel versprechend klingt auf alle Fälle etwa "Hierankl" von Hans Steinbichler, eine Familientragödie aus dem Chiemgau mit Barbara Sukowa und Josef Bierbichler in den Hauptrollen. </P><P>Eine Ehren-Reihe mit ausgewählten Werken widmet das Filmfest dem cineastischen Multitalent Eckhart Schmidt, dessen neuester Film "Sunset Hotel" als Premiere gezeigt wird. Eine weitere Hommage beschäftigt sich mit dem Schaffen der Berliner Fotokünstlerin und Filmemacherin Ulrike Ottinger. Stargäste sind heuer Geraldine Chaplin und der aus Tarkowskijs "Nostalghia" bekannte Schauspieler Oleg Jankovskij.</P><P>Wirklich neu und auf alle Fälle spannend sind aber zwei weitere Reihen des diesjährigen Filmfests: "I Maestri - Die Meister des italienischen Kinos". Hier präsentieren sich die besten lebenden Regisseure wie Ettore Scola, Michele Placido oder Pupi Avati, der jetzige Cinecittá-Chef, ihre neuesten Arbeiten und weitere Werke ihres Schaffens. Und, das Interessanteste zuletzt, die Sektion "Rechts und links der Brücke", in der Filme aus Bosnien, Kroatien, Mazedonien und Serbien vorgestellt werden - die sich, so viel sei schon verraten, nicht alle nur mit dem Krieg beschäftigen. </P><P>Kartenvorverkauf: ab 21. Juni im Gasteig, 10 bis 19 Uhr. Weitere Infos unter www.filmfest-muenchen.de.<BR></P>

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