Italienisches Eis

- Schon einmal, vor zwei Jahren, ist das Münchener Kammerorchester für seine Programmgestaltung prämiert worden. Und sollte sich der Erfolg des Saisonauftakts fortsetzen, dann ist auch heuer ein Preis fällig.

"300 Jahre Musik aus Italien", das Spielzeit-Motto, scheint nur auf den ersten Blick Gegensätzliches zusammenzubringen. Doch Ottorino Respighi (1879-1936), Giacinto Scelsi (1905-1988), Bruno Maderna (1920-1973), auch das "Souvenir de Florence" von Tschaikowsky (1840-1893) eint Entscheidendes: die Klangsinnlichkeit und Emotionalität, das Gefühl für Kantabilität und Melos - bewegen sich die Stücke noch so fernab jeglicher Tonalität. Was wiederum die "Liturgia", diese wortlose, gleichwohl sehr "beredte" Messe für Streichorchester von Frank Michael Beyer (geboren 1928) wunderbar ergänzte.<BR><BR>Der Umzug vom Herkulessaal ins Prinzregententheater kam dem reinen Streicherprogramm nur zugute. Gerade Scelsis Tonumkreisungen und -befragungen in "Natura Renovatur" und "O-HO-I", das meditative Gleiten in verschiedene Aggregatszustände der Musik, bis sie schließlich "vereist", konnte man in der Hall-losen Akustik gut nachvollziehen. Zumal auch bei dieser Literatur die Stärke des Kammerorchesters - die große Individualität der Musiker im Dienste des plastischen Gesamtklangs - besonders zur Geltung kam.<BR><BR>Dirigent Christoph Poppen und die phänomenale Monica Groop rückten Madernas "Alba"-Monolog, eine Reflexion über Morgengrauen und Todesnähe, fast in Puccini-Nähe. Noch eindrücklicher dann Respighis "Il Tramonto", in dem eine Frau den Tod des Geliebten nie verwinden kann. Der dunkle, intensive Vokalstrom von Monica Groops Mezzo wurde hier fast naturalistisch von den Streichern umspielt - eine stilistisch geschmackvolle Deutung, die nie der Gefahr falscher Melancholie erlag.<BR><BR>Nach diesen Werken noch Tschaikowskys diffiziles und rhythmisch heikles Florentiner Souvenir zu spielen, ist mutig. Doch Poppen und sein Orchester gaben sich in aufgekratzter Zugaben-Laune: Wem's vorher zu trübsinnig war, der bekam hier den sommerlichen "Rausschmeißer".<P><BR> </P>

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