Jäger mit Pinsel und Papier

- Blick auf Haidhausen, vom fünften Rang der Münchner Staatsoper über das Bühnenhaus hinweg. Dieses war im Rohbau, als Bert Mallad 1961 die Wiedererrichtung des Nationaltheaters auf Bütten bannte. Viele seiner Stadtansichten sind Baustellenbilder. Kein Wunder, denn der 1913 geborene Klingenberger kam 1946 nach München.

<P>Motive waren da der Viktualienmarkt nach der Kriegszerstörung (1947) oder die Ruine der Staatsoper (1951). In den 50er- und 60er-Jahren folgten Bilder des Wiederaufbaus, die Dokumentation der verkehrstechnischen Umkrempelung der Stadt: Altstadtring-, S- und U-Bahn-Bau. Der Stachus, nicht im Verkehrs-, sondern im Baustellenchaos, im Hintergrund das Hotel Königshof, noch mit Fensterkreuzen und Kölnisch-Wasser-Werbung. Oder ein riesiger Krater anstelle des Feilitzschplatzes, heute U-Bahn-Station Münchner Freiheit. Und schließlich ein zierlicher Fernsehturm, fast verschwindend im Wald der scheinbar ebenso hohen Kräne (1967). </P><P>Die Gemälde und Zeichnungen, die die Stimmung der Zeit einfangen, Bauwerke porträtieren und Personen leicht abstrahieren, sind derzeit im Pavillon im Alten Botanischen Garten zu sehen. Von 1956 bis 1958 schmückte der malende Chronist auch den Münchner Merkur mit Architektur-Zeichnungen, mit Paulanerplatz und erstem "Hochhaus" in der Au beispielsweise. Karl Spengler, damals Autor dieser Zeitung, beschreibt, wie er den Maler in Pasing bei der Arbeit im Freien aufgabelte: ". . . ein Jäger. Er jagt mit den Augen, dem Pinsel, und seine Beute trägt er auf weißem Papier nach Hause." </P><P>Dieser Jäger zielte auch auf das Münchner Alltagsleben: Bei einem Fußballspiel sieht man damals noch eine elegante Dame mit Hütchen und Hündchen. Oder die Schaulustigen bei der Eröffnung der Oper im November 1963. Einen Spaziergang im München der Nachkriegszeit gewährt diese Ausstellung, die den 1995 verstorbenen Maler im Jahr seines 90. Geburtstages ehrt.<BR></P><P>Bis 20. Dezember. Di.-So. 10-17 Uhr. Tel. 089/597359.<BR></P>

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