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Jubiläum

95.5 Charivari: Seit 30 Jahren Hits am Stück

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München - Im 30. Jahr seines Bestehens trotzt 95.5 Radio Charivari der Konkurrenz von Musikportalen und Streamingdiensten

Es soll doch tatsächlich Zeiten gegeben haben, in denen man noch nicht alles Schöne mit dem Wörtchen „geil“ kommentierte. Thomas Hagenauers Kinder schon gar nicht. Wenn sie das Unwort früher aussprachen, ging vom Taschengeld etwas ins Sparschwein. Typische Eltern-idee. Pädagogisch nicht ganz so klug weitergedacht war dann allerdings die Werbeaktion, die sich Hagenauer, Geschäftsführer von 95.5 Charivari, damals für den Radiosender ausdachte: Um aufzuräumen mit dem zu der Zeit etwas angestaubten Image, bestückten die Marketingstrategen im Jahr 1997 den kompletten Mittleren Ring in München mit Plakaten auf Sperrholzplatten. Darauf nur die Wörter: „95.5 Charivari: Leider geil“. Hagenauer lacht. „Der ganze Mittlere Ring war vollgekleckert damit. Das war schon fast peinlich. Und gab viel Ärger im Gesellschafterkreis, auch von der Stadt, weil wir uns das gar nicht vorher hatten genehmigen lassen. Eine richtige Guerilla-Aktion.“ Doch eine mit Wirkung. Die Hörer dachten: Die trauen sich was. Und Hagenauers Kinder staunten nicht schlecht, als sie mit dem Papa durch die vollplakatierte Stadt fuhren.

Fast 20 Jahre später ist das nicht mehr so leicht mit der Aufmerksamkeit. Um heute zu provozieren und sich vom Einheitsbrei zu unterscheiden, reichen ein paar Sperrholzplatten schon lange nicht mehr aus. 95.5 Charivari hat sich trotzdem all die Jahre über im hart umkämpften Münchner Radiomarkt gehalten. In dieser Woche feiern Hagenauer und sein Team den 30. Sender-Geburtstag. So lange ist es her, dass das „Hitradio“ seinen ersten Song abspielte. „How will I know“ von Whitney Houston war das. Heute längst ein Oldie, damals genau dem Schema entsprechend, dem sie sich auch heute noch verpflichtet fühlen: Aktuelle Hits wollen sie spielen, welche, die massentauglich sind und auch dann nicht auf die Nerven gehen, wenn man sie mehrmals am Tag hört.

Die Haupthörer: 30- bis 49-Jährige. Zweimal im Jahr gibt’s eine Medienanalyse, um herauszufinden, welche Musik speziell am Münchner Markt in dieser Zielgruppe besonders gut ankommt. Und welche ist das? „Na die, die wir spielen“, sagt Hagenauer selbstbewusst und lächelt.

Aber jetzt mal ganz ehrlich, braucht’s denn in Zeiten von Internet noch Hitradiosender wie 95.5 Charivari? Warum das Radio anschalten und nicht den Streamingdienst? Auch da muss Hagenauer, der den digitalen Wandel in der Münchner Radiostation mit begleitet und gesteuert hat, wieder nicht lang überlegen: „Wenn Sie sich selbst morgens im Bad vorstellen, Sie haben noch nicht richtig ausgeschlafen, noch die Zahnbürste in der Hand, da können Sie natürlich Ihre Lieblingsmusik abspielen“, gibt er zu. Jedoch: „Sie hören nicht, wie’s Wetter wird, Sie hören nicht, was gestern Abend noch weltpolitisch passiert ist, Sie hören nicht, was Sie am Tag erwartet – eine S-Bahn-Störung, besondere Staus?“, er hält inne – um dann sein schlagendstes Argument für sein Medium zu servieren: „Und: Sie haben niemanden neben sich. Im Radio ist jemand, der mit Ihnen spricht. Und wenn man so ein bisserl einen Lieblingssender hat, dann kennt man die Moderatoren, man fühlt sich etwas aufgehobener.“

Den München-Bezug, die persönliche Ansprache – das könne kein Musikportal und Streamingdienst ersetzen. Musikkonserven habe es doch immer schon gegeben. Doch genau so wenig wie Kassette und CD das Radio verdrängen konnten, werde es dem Internet gelingen, ist der Radiomacher überzeugt. 95.5 Charivari nutzt vielmehr die neuen Möglichkeiten, die sich durch den Konkurrenten ergeben haben. Was man früher nur hören konnte, wird dank neuer Technik sichtbar. Da drehen die Moderatoren Videos von sich im Studio und auf Terminen und stellen sie online. „Klar, Radio hat nicht mehr dieses Alleinstellungsmerkmal wie vor 30 Jahren, als wir anfingen“, weiß Hagenauer. Aber: „Dass wir für unsere Hörer ein persönlicher Begleiter sind, für viele eine Stütze im Alltag, das wird uns so schnell kein anderes Medium nehmen.“

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