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Christiane Lange, Kunsthallen-Chefin

25 Jahre Hypo-Kunsthalle: Interview zum Jubiläum

München - 25 Jahre Hypo-Kunsthalle: Direktorin Christiane Lange spricht im Interview über die Lage dieser Münchner Institution.

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung feiert heuer ihren 25. Geburtstag. Am 13. Juni ist der Stichtag - und an dem ist die neueste Schau, „Courbet, Hopper, Gursky... Realismus - Das Abenteuer der Wirklichkeit“ (ab 11.6.), bei freiem Eintritt zugänglich. Außerdem können alle Besucher des Jahrgangs 1985 diese Ausstellung kostenlos besuchen. Die derzeitige Direktorin Christiane Lange blickt im Gespräch in die Vergangenheit und Zukunft der Münchner Institution.

25 Jahre Kunsthalle - wie hat sich die Kunstszene in dieser Zeit verändert?

Sie hat sich extrem geändert. Als die Kunsthalle 1985 gegründet wurde, war die Situation ganz klar. Die allgemeine anerkannte Position lautete: Wir sind eine Kulturnation, wir leisten uns Bildungseinrichtungen, und dazu gehören Museen. Die hatten den klassischen Auftrag des 19. Jahrhunderts zu sammeln, zu forschen und zu bewahren. Mit den ersten Krisen und dem Zusammenbruch des Ostblocks hat sich der Anspruch total verschoben. Alles sollte sich selbst finanzieren - auch die Museen. Und damit kam die Idee auf, dass Museen permanent Präsentationen herausbringen sollten, um mehr Besucher anzulocken.

Geschichtlich war’s vorher anders?

Bis zu dahin hat ein Kustos in seinem Leben vielleicht ein, zwei große Ausstellungen inszeniert - wenn überhaupt. Dieses Karussell, dieser Trubel, dass jede Stadt ihre Expositionen bietet, ging los, weil die Museen aktiv werden mussten. Der erste Boom hat in den 70er-Jahren begonnen - ja, wohl mit dieser Tutanchamun-Schau. Man merkte: Mit Ausstellungen kann man Geld verdienen. Das Machen von Ausstellungen wurde als eigene Branche entwickelt. Das hatte die Folge, dass mehr Ausstellungshäuser entstanden. So wurde die Hypo-Kunsthalle gegründet - durchaus als Möglichkeit für die Kollegen vom Museum, ein Konzept umsetzen zu können. Die erste Ausstellung, „Deutsche Romantiker“, wurde denn auch von Christoph Heilmann von der Neuen Pinakothek realisiert.

Wie bewältigt die Kunsthalle den Wandel?

Jedes neue Haus hat es ungleich schwerer. Wovon die Hypo jetzt profitiert, ist, dass sie 25 Jahre existiert, dass sie 25 Jahre gute Arbeit geleistet und sich als zuverlässiger Partner erwiesen hat. Die Kunsthalle könnte nicht so wie jetzt weitermachen, wenn sie nicht die vielen guten Kontakte aufgebaut hätte.

Wo liegen denn die Probleme?

Expositionen werden immer teurer. Früher fanden die Museen es toll, wenn man eine sinnstiftende Schau plante - nicht irgendein „Best of“. Etwas mit kunsthistorischem Mehr- und Nährwert. Dann galt es, die Sachen zu versichern und ohne Schaden zu transportieren. Das hat sich geändert, als die Museen selbst Ausstellungen entwickelten. Die dachten: Wir spielen nur mit denen, die auch etwas ausleihen können. Weil viel mehr gezeigt wurde, wurden die Bilder mehr beansprucht. So wurde die Ausleihe restriktiver und mit höheren Auflagen versehen. Durch den explodierenden Kunstmarkt sind die Versicherungskosten ins Gigantische gestiegen. Die Versicherung legt zum Beispiel fest , dass in einem einzigen LKW nur Werke gefahren werden dürfen, die nicht mehr als 100 Millionen Euro wert sind. Wenn aber schon ein Bild 100 Millionen wert ist - schicken Sie dann eine Armada von Lastwagen los? Eine Ausstellung ist immer ein Minus-Geschäft. Wichtig ist aber: Eine Ausstellung zu zeigen, bedeutet Kultur in eine Stadt zu bringen. Die Gelder werden knapper, aber unsere Präsentationen sollen immer schöner und größer werden: Das sind Herausforderungen, denen sich alle Ausstellungshäuser in Zukunft stellen müssen.

Wird es in 25 Jahren die Kunsthalle noch geben, sprich: Wie wird die Herausforderung gemeistert?

Ich denke, es wird schon noch Ausstellungshäuser geben, einfach weil es den Wunsch gibt, eine spannende Schau zu besuchen. Wie es auch Theater und Opernhäuser geben wird. Denn Kultur ist nicht der Luxus, sondern die Basis, nicht der Kuchen, sondern das Brot. Das macht uns als Gesellschaft aus. Gerade in Zeiten, in denen sich die Gesellschaft neu definieren muss, wo wir noch in alten Denk-Rastern gefangen sind und nur flickschustern, ist die Kunst das Einzige, durch das wir anders denken lernen können. Ohne Kultur kann sich die Gesellschaft überhaupt nicht entwickeln.

Das Gespräch führte Simone Dattenberger.

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