Jahreswechsel-Seligkeit

- Zwischen zweitem und drittem Akt wandern nicht nur Schwerenöter Eisenstein, Gefängnisdirektor Frank und die ganze besoffene Prinz-Orlofsky-Gesellschaft ins Kittchen. Auf den Weg in den Knast begibt sich diesmal auch Staatsopernintendant Peter Jonas. Soeben hatte er noch als schottischer Folktänzer seine Pirouetten gedreht und damit die gut betuchten Zuschauer glauben gemacht, dass sich in diesen alljährlichen Spaß-Auftritten in der Silvester-"Fledermaus" sein eigentlicher Lebenszweck erfülle, schon zeigt er sich von seiner kabarettistischen Seite. Wenn schon ins Gefängnis, dann nicht ohne Grund. Und Sir Peter erzählt dem Publikum den schärfsten Witz des satirereichen Abends.

Wann auch hätte Edmund Stoiber eine bessere Zielscheibe abgegeben als in diesem Jahr! Ex-Bundespräsident von Weizsäcker, als Zuschauer in des Intendanten Loge, jedenfalls hatte seine Freude daran. Und wenn "Fledermaus"-Besucher Thomas Goppel sich traut, seinem Ministerpräsidenten von der staatsoperlichen Polit-Parade zu erzählen, dürfte vor allem Gerichtsdiener Frosch alias Jörg Hube darüber staunen. Denn auch er teilte naturgemäß kräftig aus und sprach den Kunstminister quasi direkt an.

Bühne frei also für die Matadore der bayerischen Spott-Elite. Die Biermösl Blosn mit ihren Alphörnern, Schuhplattlern und Gstanzeln vom "Krautn Sepp" machten den Anfang und brachten mit großer Kunst und frechem Witz das ehrwürdige Opernhaus zum Beben. Endlich Stimmung im Nationaltheater, um die sich bis zur Pause die Sänger ziemlich vergeblich bemüht hatten.

Denn der Münchner "Fledermaus" wäre bekanntermaßen ja nur zu helfen durch eine richtige Neuinszenierung. Glücklich ist, wer vergisst . . . In plattem Operetten-Getue erschöpfen sich Gabriele Fontana als Rosalinde und Alexandra Reinprecht als Adele. Christopher Robson als Orlofsky wirkt nach wie vor wie ein in diese Aufführung zufällig hineingeratener Confé´rencier. Richtig zuhause in ihren Rollen aber fühlen sich die in jeder Phase ihres Spiels souveränen Thomas Allen als Eisenstein und Martin Gantner als Dr. Falke. Francesco Petrozzi bewältigt mit tenoraler Kraft und viel Humor die Partie des Sängers Alfred. Als Überraschungsgast gab Dirigent Alexander Markovic virtuos pianistische Kostproben. Und Zubin Mehta - wohl seine letzte Silvester-"Fledermaus" an der Bayerischen Staatsoper - sorgte mit Verve für den richtigen Schwung und war auch hier wieder für jeden Spaß zu haben.

Am Ende, nach der Verbeugungscour, gab's den Radetzky-Marsch. Mehta dirigierte von der Bühne herab nicht nur sein Orchester, auch das Publikum klatschte auf sein Kommando. Dieser ganzen Jahreswechsel-Seligkeit verschloss sich nur einer: Jörg Hube, der Frosch, salutierte still dem Maestro.

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