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Die Jahrhundert-Buhlschaft: Caroline Peters soll am 18. Juli die weibliche Hauptrolle im „Jedermann“ bei den 100. Salzburger Festspielen geben. Ob es trotz Corona so weit kommt? Peters ist zuversichtlich. Im Bild ist sie bei der Bekanntgabe ihres Engagements im November 2019 zusammen mit Dramaturgin Bettina Hering (Mi.) und Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, zu sehen.

Mutmacherin in Coronazeiten: Caroline Peters liest online für Schüler

Die digitale Mary Poppins

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TV- und Theaterstar Caroline Peters liest in Coronazeiten via Instagram jeden Tag für Schüler. In diesem Jahr soll sie bei den Salzburger Festspielen die Buhlschaft spielen - und glaubt noch daran, dass es klappt.

Alle sprechen von „Social Distancing“ – diese zwei tun was dagegen. Nein, Schauspielerin Caroline Peters und Kinderbuchautorin Sibylle Luig widersetzen sich nicht etwa dem Ausgangsstopp und fallen fröhlich jedem Spaziergänger in die Arme. Gegen den englischen Begriff aber wehren sie sich. Denn frei übersetzt klingt das, was auf Deutsch „räumliche Distanzierung“ bedeutet, wie die Aufforderung zur sozialen Abschottung. „Wir brauchen in Zeiten wie diesen keine soziale Distanzierung, sondern das Gegenteil: soziales Miteinander!“, sagt Peters. Seit Montag zeigt sie auf Instagram, wie das aussehen kann. Mit einem Wort: zauberhaft.

Lädt ein, es sich gemütlich zu machen: Caroline Peters liest jeden Tag auf Instagram vor. Ihre Zuhörer sind – das zeigen die Kommentare – begeistert.

Immer von 11 bis 11.45 Uhr wird die 48-Jährige auch in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten (Peters: „Je nachdem, wie lange uns die Corona-Pandemie noch beschäftigt“) auf ihrem Account carolinepetersliest vorlesen. Von ihrem Sofa aus, eine Strickjacke über den Schultern, die Lesebrille auf der Nase. In der Hand: den ersten Band von Sibylle Luigs Kinderbuchreihe „Magie hoch zwei“.

Wunderbares Angebot für Sechs- bis Elfjährige

Die Schauspielerin und die Autorin sind seit ihrer Jugend miteinander befreundet; als sie sich neulich darüber unterhielten, wie arg es gerade für Eltern sei, Homeoffice und Familie unter einen Hut zu bekommen, kam ihnen die Idee: jeden Tag ein Leseangebot für Schüler zwischen etwa sechs und elf Jahren. „Damit kann man sie für eine Dreiviertelstunde in ihre Zimmer verfrachten und in dieser Zeit in Ruhe Arbeitsdinge erledigen. Mit dem guten Gefühl, dass sie nicht mit dem letzten Quatsch zugedröhnt werden“, sagt Peters.

Durch Literatur der Krise entfliehen

Tatsächlich sind die Geschichten über die Schwestern Elli und Idi, die nach und nach ihre magischen Kräfte erkennen, eine wunderbare Art, aus der Krise wegzutauchen in die unbeschwerte Welt der Fantasie. „Wenn man lesen kann oder vorgelesen bekommt, ist es egal, wo man ist – durch Bücher kann man sich in jede Welt versetzen“, schwärmt Luig über die Macht der Literatur. „In den Geschichten kann man Zuflucht finden. Mit meinen zwei Töchtern lese ich sehr viel. Das ist ein Ritual, das Gemeinschaft stiftet. Es bedeutet, Zeit füreinander zu haben, ja, sich diese Zeit bewusst zu nehmen. Ich bin glücklich, dass jemand wie Caroline mit ihrer Begeisterungsfähigkeit es schafft, auch Menschen, die sonst gar nicht lesen, in diese wunderschöne Welt der Bücher mitzunehmen.“

Caroline Peters‘ Lesung ist auch für Große ein Vergnügen

Denn das hier ist ja nicht nur eine Lesung. Der virtuelle Besuch in Peters’ Wohnung lebt auch von der charmanten Ansprache der Schauspielerin an ihre Zuschauer. Wenn sie warnt, dass jederzeit ihr Mann durchs Bild huschen könnte, weil da, wo sie sitzt, der „Hauptverkehrsknotenpunkt“ der Wohnung sei; oder wenn sie sich mit Parfum einsprüht, „um das Gefühl zu haben, da seien noch andere Leute im Raum“, ist das auch für Erwachsene ein großes Vergnügen. Genau wie für die Schauspielerin selbst. Die veranstaltet die Lesung nämlich nicht ganz uneigennützig. Im Interview erzählt sie, die sich verpflichten musste, nach der Einreise aus Deutschland 14 Tage in ihrer Wiener Wohnung zu bleiben, dass sie am Anfang dachte: Das ist ja wie Urlaub! „Erst denkt man: Super, ich kann mich den ganzen Tag besaufen, kann bis in die Puppen wachbleiben und danach hemmungslos ausschlafen. Haben wir die ersten zwei Tage gemacht. Dann aber festgestellt, dass das wahnsinnig deprimierend ist“, erzählt sie lakonisch. Ihre Lösung: ein Wochenplan. Da wird fein säuberlich verzeichnet, was wann zu tun ist. Immer um dieselbe Uhrzeit aufstehen, Instagram-Lesung, Sport, Mittagessen. Besonders schön: Jede Nacht von 22 bis 24 Uhr laden sie und ihr Mann ihre Freunde in die von ihnen initiierte „Second City“: ein Chat per Skype. Alle Freunde, die Lust zu ratschen haben, können sich digital einklinken. Und erzählen, wie das gerade ist für sie mit Corona, Ausgangssperre, Existenzängsten.

Die Salzburger Festspiele? Peters glaubt noch daran

Wie ist es eigentlich für Peters selbst? Im Sommer soll sie die Buhlschaft im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen geben. Glaubt sie noch daran? „Ja, ich halte das in mir aufrecht, dass es stattfindet. Es ist ja auch unter freiem Himmel. Das Stück wurde in der Geschichte der Salzburger Festspiele erst einmal abgesagt, während des Zweiten Weltkriegs – ich hoffe, dass der ,Jedermann‘ nicht ausgerechnet im Jubiläumsjahr ausfallen muss wegen einer Pandemie.“ Gerade gelte es daher, sich auszutauschen, – „jede noch so blöde Idee muss diskutiert werden. Um Lösungen zu finden, wie wir die Krise alle gemeinsam überstehen“. Durch soziales Miteinander, durch aufmunternde Gesten. Durch Magie hoch zwei.

Sibylle Luig:
„Magie hoch zwei“.
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