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Jake Gyllenhaal spielt zwar im neuen Film einen Astronauten, würde aber nicht gern in der Realität ins All reisen.

Interview zum Filmstart

Jake Gyllenhaal: „Neugierde ist mein stärkster Antrieb“

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Schwuler Cowboy („Brokeback Mountain“), persischer Prinz („Prince of Persia“) oder muskelbepackter Boxer („Southpaw“) – Jake Gyllenhaal, 36, hat ein Gespür für außergewöhnliche Rollen. Im Interview spricht er über sein neuestes Filmprojekt „Life“. 

Der Sohn des Regisseurs Stephen Gyllenhaal und der Produzentin Naomi Foner und Patensohn von Jamie Lee Curtis hat das Talent für Theater und Film im Blut, sich den Erfolg aber durch leidenschaftliche Hingabe bei der Rollenvorbereitung hart erarbeitet. Jetzt spielt er im Science-Fiction-Thriller „Life“ einen Astronauten, der die Menschheit vor einem mordenden Alien beschützen will. Klingt platt? Von wegen.

Ohne es verraten zu wollen: Das Ende des Films ist überraschend!

Jake Gyllenhaal: Oh ja, es ist der Grund, weshalb ich den Film machen wollte. Und wegen dieser Kreatur, die ja nicht einfach irgendein Alien ist. Mich hat während der Arbeit am Film interessiert, wovon sich die Kreatur ernährt. Ich glaube, sie nährt sich durch Angst. Je mehr du versuchst, sie wegzustoßen, desto mehr wird sie sich an dir festklammern.

Wie hatten Sie sich die Kreatur vorgestellt?

Gyllenhaal: Ich hatte kein konkretes Bild vor Augen, sondern eher ein Gefühl von der Gewalt, die in ihr steckt. Daniel (Regisseur Daniel Espinosa, Anm. d. Red.) ging es bei der ersten Besprechung übrigens genauso. Am Set konnten wir das außerirdische Wesen auch nicht sehen, wir hatten Knöpfe im Ohr, durch die uns Daniel sagte, was passiert. Also hörte ich, während ich spielte: „Es kommt näher an dein Gesicht! Es kommt immer näher! Jetzt ist es an deinem Ohr.“ Darauf habe ich reagiert. Auf eine gute Weise war also Daniel die Kreatur. (Lacht.)

Es gibt Menschen, die die Landung von Außerirdischen auf der Erde herbeisehnen. Nach „Life“ denkt man: Es ist ganz gut, wenn sie im All bleiben...

Gyllenhaal: Ich kenne mich da überhaupt nicht aus. Ich weiß nur: Jedes Mal, wenn ich in Berührung mit etwas kam, das außerhalb meines Horizontes lag, war es erleuchtend. Wir erfinden ja gern Dualitäten, weil das so schön einfach ist. Beispielsweise: „Ein Alien wird kommen, und er wird gut sein“ oder „Ein Alien wird kommen, und er wird böse sein.“ Nichts ist einfach nur gut oder böse. Deshalb bin ich von Forschung überzeugt und davon, offen für alles zu sein, was kommt.

Wie wichtig war Neugierde für Ihre Karriere?

Gyllenhaal: Sagen wir so: Ich wähle meine Rollen nicht beliebig. Mir ist wichtig, dass der Film etwas zu sagen hat. Neugierde ist mein stärkster Antrieb. Leider verliere ich sie viel zu oft. Ich würde „Bleib neugierig“ gern über meine Augen tätowieren lassen. Denn wenn man immer neugierig und wach bleibt, ist das Leben noch viel reicher.

Wären Sie neugierig, einmal ins All zu reisen?

Gyllenhaal: Oh, nein! Das All macht mir Angst. Wissenschaftler, die sich da hochschießen lassen, finde ich irre mutig. Sie stellen sich der Todesgefahr. Jede Kultur hat ihre Helden, die neues Land, neue Dinge entdecken – Astronauten sind moderne Helden.

Haben Sie vor dem Dreh mit einem dieser Helden gesprochen?

Gyllenhaal: Ich habe „Lois & Clark“ gesehen, das war meine Vorbereitung. (Lacht.) Nein, ich habe tatsächlich mit Wissenschaftlern und Astronauten geredet. Doch noch mehr war ich daran interessiert, meine Fantasie zu gebrauchen. Der Film lebt zu einem wesentlichen Teil von dieser wunderbaren Gabe, die sich Vorstellungskraft nennt.

Ihre Filmografie ist sehr abwechslungsreich. Wie entscheiden Sie sich für eine Rolle?

Gyllenhaal: Ich höre auf meinen Instinkt und darauf, was mich künstlerisch anspricht. Denn wer weiß, wie lange ich das Privileg, auswählen zu können, noch habe? Daraus haben sich in den vergangenen Jahren wundervolle Beziehungen ergeben. Ich habe Menschen gefunden, die den gleichen Instinkt haben – mit denen zu arbeiten ist angenehm. Wenn ich spüre, dass es nicht passt, mache ich ein Projekt nicht. Egal, wie groß mein Respekt für die bisherige Arbeit eines Regisseurs ist.

Und nun ein Science- Fiction-Film...

Gyllenhaal: Genau, ein Alien-Film! Sie könnten mich jetzt fragen: Haben Sie schon immer das Weltall geliebt? Nein! Haben Sie schon immer einen Sci-Fi-Film machen wollen? Nein! Haben Sie schon immer vier Monate lang herumfliegen wollen? Oh Gott, nein! Doch als ich das Drehbuch gelesen habe, bekam ich Angst. Es war so eine unterhaltsame Art von Angst. Das hat mich gereizt. Also traf ich Daniel. Ich kannte ihn schon eine Weile, wir hatten immer mal über Projekte gesprochen, sie aber nie verwirklicht. Die Art, wie er seine Liebe für das ausdrückte, was ich tue, und die Tatsache, dass er wirklich mich für die Rolle wollte, machten mir bewusst: Mit dieser Person möchte ich arbeiten. Weil seine Wahl nicht beliebig war, sondern weil es ihm um meine Ausdrucksweise ging. Ich habe versucht, den besten Auftritt abzuliefern, den es gibt. Aber „bester Auftritt“ – um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was das bedeutet.

Inwiefern?

Gyllenhaal: Nun, ich glaube, unser Wunsch, alles zu bewerten, ist überholt. Die allgemeine Definition von Erfolg kann einen ganz schön kaputtmachen. Gerade spiele ich am Broadway „Sunday in the Park with George“. Neulich saß Mandy Patinkin im Publikum, der die Rolle, die ich da forme, 1984 bei der Uraufführung gespielt hat. Ich wusste es nicht. Doch als der Vorhang gefallen war, kam er hinter die Kulissen und umarmte meine Mitspielerin Annaleigh Ashford und mich – gefühlt fünf Minuten lang. Das war wirklich einer der wichtigsten Momente in meiner Karriere. Das ist doch genau das, was wir uns wünschen. Diese Verbundenheit. Hey, ich bin ein wohlhabender weißer Mann, mir geht’s ziemlich gut – aber das war ein Moment. Das ist Erfolg.

Sind Preisverleihungen also überbewertet?

Gyllenhaal: Nein, Erfolg definiert ja jeder anders. Klar verstehe ich auch jeden, für den ein Oscar das Nonplusultra ist. Denn hey – auch Preise zu gewinnen, fühlt sich verdammt genial an! (Lacht.)

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