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Ein manischer Entertainer: James Blunt (38)

Von den ungelösten Rätseln der Liebe

München - Große Themen, einprägsame Zeilen, verspielte Melodien: James Blunt war zu Gast in der Olympiahalle. Der sonst so unscheinbare Sänger hatte die gefüllte Halle schnell im Griff.

Manchmal ist es ganz gut, wenn nicht alles perfekt läuft und man beispielsweise vor einem kleinen Seiteneingang der Münchner Olympiahalle auf seine Karten warten muss. Denn dann kann es geschehen, dass ein kleiner, schmaler Junge mit eingezogenem Kopf an einem vorüberhuscht, den man später auf der Bühne kaum wiedererkennt. Denn so unscheinbar James Blunt hinter den Kulissen scheinen mag – im Saal ist er ein manischer Entertainer, der die sehr gut gefüllte Halle schnell im Griff hat.

Die meisten berufsmäßigen Gralshüter des guten Musikgeschmacks erzürnt man ja leicht mit Lob für Blunt, und dennoch: Der Mann versteht etwas von seinem Handwerk, liefert mehr als solide Lieder und weiß, wie man einen Konzertabend bestreitet. Was ihn für viele zum roten Tuch werden lässt, ist genau das, was seine Fans so an ihm schätzen: das freudige Offenbaren der eigenen Befindlichkeiten, die versonnenen Abhandlungen über die ungelösten Rätsel des Lebens, vor allem der Liebe. Weshalb sind wir so, wie wir sind? Warum findet die richtige Frau immer den falschen Mann, also jemand anderen?

Weil James Blunt das gekonnt vage und doch pointiert in einprägsame Zeilen zu pressen vermag, trifft er den Nerv seiner Fans. Die Melodien sind verspielt, aber immer schlicht genug, um wiedererkennbar zu bleiben. Die Menschen in der Halle spricht es jedenfalls an, ebenso wie der leicht linkische Charme des Briten, der viel jünger wirkt als 38. Wenn er gleich zweimal durch den gesamten Saal rauscht, um die Hände seiner Fans abzuklatschen, wirkt das nicht wie Anbiederung.

Er ist jederzeit mit sich im Reinen, und das kommt an. Er glaubt an sich, seine Musik, seine Texte. Und seine Fans glauben ihm, dass er das glaubt. Mehr kann man von einem Vortragskünstler nicht verlangen. Was Blunt macht, macht er einfach gut.

von Zoran Gojic

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