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James Last ist gerade auf Abschiedstournee.  

Interview

James Last zum 86.: Der Erfinder der glücklichen Töne

München - James Last, der am Freitag 86 wird, ist derzeit auf Abschieds-Tour. Am Dienstag ist er zu Gast in München. Im Interview spricht er über seine Karriere und wie man sich auch mit 86 frisch fühlen kann.

Als im November bekannt wurde, das James Last ( heute wird er 86) wegen einer lebensbedrohlichen Darmentzündung notoperiert werden musste, bangten seine Fans um den Erfinder des „Happy Sounds“. Am Dienstag, 21.April, feiert der in Los Angeles lebende Last im Rahmen seiner Abschiedstour in der Münchner Olympiahalle seine unglaubliche Karriere (Tickets unter Tel: 089 / 54 81 81 81). Wir sprachen mit ihm über Playback-Auftritte und er gibt Tipps, wie man sich jung und frisch fühlen kann. Seine zweite Frau Christine hört aufmerksam zu.

Die erste Frage muss lauten: Wie geht es Ihnen?

Ich fühle mich fit, obwohl das schon hart war, was ich durchgemacht habe. In Kissimmee im US-Staat Florida haben sogar 800 Leute in einer Kirche für mich gebetet! Und es hat offenbar geholfen!

Kommen Sie bei Ihrer Abschiedstour dort vorbei?

Ja, mir geht es wieder gut! Aber die Tour geht nur durch Europa... Was erwartet die Zuschauer in München? Muuuusiiiiik! (Lacht.) Alte Kompositionen, die ich überarbeitet habe.

Sie haben mit unzähligen Musikern zusammengespielt. Welcher hat Sie beeindruckt?

Als Quentin Tarantino fragte, ob er mein Lied in seinem Film benutzen darf, hätte ich an die Decke springen können! Oder Puff Daddy!

Auf der Tour spielen Sie Katy Perrys „Roar“. Wie kamen Sie darauf?

Ich habe es beim Autofahren gehört, dann am Klavier für unser 38-Mann-Orchester bearbeitet. Ausnahmsweise ist wegen dem Text ein Chor dabei. Wir haben auch einige Stücke vom Filmkomponisten Hans Zimmer dabei. Kennen Sie ihn?

Ja, klar. Der Oscarpreisträger von 1995 („Der König der Löwen“) ist in München aufgewachsen.

So natürlich ist das nicht. Es gibt Komponisten, die namenlos sind.

Man sagt, Filmkomponisten müssten sich stets dem Film und Auftraggeber anpassen...

Stimmt, früher war das sogar noch mehr. Mittlerweile haben es Komponisten noch schwerer: Die Filmgesellschaften nehmen oft nur noch Titel, die schon da sind...

Sie mussten auch oft Lieder für Filme und Fernsehshows umschreiben...

Da ist Deutschland hinterwäldlerisch. Ein Komponist erschafft etwas, er sollte keine Befehle befolgen müssen. Oft mussten wir auch Künstler begleiten, die keine Verbindungen zu den Texten hatten. Sie haben nur abgelesen. Dabei denkt sich doch der Komponist dabei immer etwas.

Und wie finden Sie Playback-Auftritte?

Wir brauchen das Fernsehen zur Öffentlichkeitsarbeit, aber das ist Betrug am Zuhörer! Ich kenne einen der besten Jazz-Trompeter der Welt, der bei TV-Auftritten spielen muss. Er macht das insoweit freiwillig, weil ihm gesagt wurde: „Das ist Werbung, Du musst Dich zeigen!“

Ihre Plattenfirma stand einst nicht hinter Ihrer Platte „New Party Classics“.

Das war bescheuert! Das war ein Schlag ins Gesicht. Bei der CD stimmt alles.

Wie verdauen Sie solche Rückschläge?

Ich kann ja einfach weiterschreiben und mich so befriedigen. Ich weiß, was ich kann. Mittlerweile bekomme ich immer mehr Briefe. Auch von älteren Leuten, die mir sagen wollen, dass sie sich mit meiner Musik jünger fühlen. Was gibt es schöneres?

Mögen Sie es, auf Ihr Alter angesprochen zu werden?

Ich lache dann immer! In dem Alter lachen nicht mehr viele. Einige sind schon weg, andere gehen krumm. Aber das Alter ist keine Krankheit: Wenn man mit der Zeit geht, kann man immer Spaß haben!

Haben Sie einen Aufmunterungstipp?

Mit jungen Menschen zusammen zu sein. Oder frei zu bleiben.

A propos: Sie schreiben, dass ein Tour-Tag mehrere hunderttausend Euro kostet. Alles lastet auf Ihnen, ist das nicht ein unglaublicher Druck?

Das sollte man niemandem weitersagen! (Lacht.) Aber ich muss das ja nicht machen. Viele in meinem Alter würden sagen: „Ich bin jetzt fertig. Das nehme ich nicht mehr auf mich.“ Wir sind über 80 Leute auf Tour, es gibt immer etwas zu entdecken.

Was machen Sie nach Ihrer Tour? Haben Sie Ihrer Frau etwas versprochen?

Nein, ich werde schreiben.

Das Gespräch führte Angelika Mayr

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