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„The Deadly Brothers“ begeistern 350 Jazzfans im Bayerischen Hof. 

Jazzlegenden im Bayerischen Hof

Quicklebendiger Quatsch 

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Helge Schneider, Drummer Peter York und Bluesgitarrist Henrik Freischlader  alias „The Deadly Brothers“ begeistern 350 Jazzfans im Night Club des Luxushotels. „Wir sind improvisatorisch unterwegs -wie unsere alten Instrumente.“  

Der Mann an der Hammondorgel gibt ohne lange Einleitung die Richtung des Abends vor. „Wir spielen jetzt eine Eigenkomposition mit dem Titel: Ich hab geahnt, dass heute noch die Luft knapp wird.“ 350 Jazzfans quetschen sich in den Night Club des Bayerischen Hofs, im Blue Spa oben könnte es nicht feuchtwärmer sein, und wegen des Andrangs sind nur drei Sitzplätze vorgesehen: für Schlagzeuger Pete York, für Bluesgitarrist Henrik Freischlader – und für Helge Schneider, der ankündigt: „Wir sind vollkommen improvisatorisch unterwegs. Auch die Instrumente sind es. Alle in den letzten 50 Jahren zusammengekauft, das alte Zeug.“

„The Deadly Brothers“ nennt sich das Trio, das das alte Zeug bis Mitternacht bearbeitet. Ein Jazzabend war angekündigt, doch Jazz ohne Quatsch ist selten bei Helge – und der liefert wie gewohnt, springt fröhlich von Beethoven („Kennt Ihr vielleicht“) zu Haddaway („Mit dem hab ich hier mal getanzt“), lobt das Publikum („So Standardsprüche“) und streift federleicht das tagesaktuelle Geschehen. „Wir kommen gerade von einer China-Reise“, sagt er und hustet ins Mikrofon: „Wir wollen die letzten Tagen oder Stunden mit Euch genießen.“ Ein bisschen Brexit muss natürlich auch sein, York ist schließlich Brite. „Wenn die Formalitäten erledigt sind, wollen wir auch in England spielen, 2031 oder so.“

Helge Schneider Foto: supermaus

Und zwischendurch jazzen und swingen die drei Legenden, bis auch die Seniorin an der Bar mitwippt. „Boogie-Woogie in B“, kündigt Helge an, doch im Grunde spielt das Trio, was dem genialen Mülheimer durch den Kopf schießt: eine schräge Version von „Waterloo“, den Klassiker „Puttin’ on the Ritz“ – oder die britische Hymne. Beim Schlagzeugsolo von York, 77, kämmt sich Helge die Haare – und sorgt sich vor der Pause nicht nur um Freischladers Gitarrenverstärker: „Wir haben Lötkolben dabei, Wagenheber – und ABC-Pflaster.“

Hilfsmittel aus der Apotheke braucht aber keiner an diesem Abend, im Gegenteil. Die „Deadly Brothers“ wirken quicklebendig – trotz ihrer zusammengerechnet 178 Lebensjahre.

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