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Gustav Klimt: "Liegender Akt"; das Werk, das dem Buchheim Museum gehört, ist gewissermaßen Anlass der Ausstellung.

Bei den Japanern geht’s beim  Sex zur Sache

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Das Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See zeigt die Ausstellung
„Klimt & Shunga – Explizit Erotisches aus Wien und Japan“

 

Bernried - Ins verminte Grenzgelände zwischen Kunst und Pornografie hat sich das Bernrieder Buchheim Museum gewagt – und tatsächlich keine Explosionen an Geschmacklosigkeit ausgelöst. Auf der Türe zur Ausstellungshalle werden trotzdem Besucher der Ausstellung „Klimt & Shunga – Explizit Erotisches aus Wien und Japan“ fürsorglich gewarnt mit dem Satz: „Bitte treten Sie nicht ein, wenn Sie sich von explizit erotischen Bildern belästigt fühlen.“ Deutlicher formuliert: Wer weder Penis noch Vagina sehen möchte, und seien sie künstlerisch reiz- und wertvoll von japanischen Meistern des Holzschnitts umspielt, für den ist die Schau nichts. Deswegen verzichten wir an dieser Stelle auch aufs „Explizite“ im Bild.

Wer dennoch nicht ganz verzichten möchte, hält sich an die beiden Gemälde Gustav Klimts und seine 26 feinfühligen Aktzeichnungen. In ihnen ist die Sexualität sanft dosiert, obwohl Klimt (1862–1918) allerhand „gefallene Mädchen“ bei sich aufnahm und unterstützte, die dann als durchaus lustvoll entspannte Modelle agierten. Der Wiener bleibt bei der abendländischen Tradition, einen nackten Körper dar-, ohne die primären Geschlechtsmerkmale oder den Beischlaf auszustellen. Die Erotik durchpulst die Leiber, doch immer so, als läge ein Schleier über ihnen: der Melancholie, der Einsamkeit, des Ganz-in-sich-versunken-Seins. Als Paare verschmelzen sie symbolträchtig zu einer (skulpturalen) Einheit.

Bei den Japanern der Edo-Zeit (1603–1868) geht es hingegen voll zur Sache. Unter dem Begriff Shunga (Frühlingsbild) wird die freizügige Variante der Farbholzschnitte zusammengefasst. Offiziell waren sie nicht erwünscht, wurden jedoch geduldet. Erst im späten 19. Jahrhundert wurden sie verboten. Nun ist erstmals eine Museumsschau mit 62 Einzelblättern, zwei Shunga-Rollen und neun -Büchern zu sehen. Wie bei anderen japanischen Holzschnitten ist die künstlerische Beherrschung von Farbfläche, Leerraum und Linie faszinierend. Genau das, was die westlichen Künstler an der Schwelle zur Moderne weiterbrachte. Deutlicher arbeitet die Präsentation jedoch die Verbindung zwischen japanischem Gewand-Ornament und dem auf Klimts Bildern heraus, wobei die typischsten Beispiele in der Schau fehlen. Ideengeberin und Kuratorin Mona Horncastle (Münchner Verlegerin), Museumschef Daniel J. Schreiber und Alfred Weidinger von der Wiener Galerie Belvedere kompensieren das mit Wandtapeten, die die Muster aufgreifen.

Wir finden sie auf den üppigen Gewändern, die Liebespaare umhüllen – bis auf Gesicht, Hände und Geschlechtsteile. Die sind öfters übergroß und durch unmögliche Körperverdrehungen hervorgehoben. Der Leib als Einheit ist fast nie vorhanden. Fragmentierung und dominante Sexualität erinnern da eher an Egon Schiele. Wobei die alten Edo-Japaner sichern nicht wie er existenziell verquält waren. Ihre Kopulationen haben mal etwas Würdevolles, ja Rituelles, mal etwas Komisches oder etwas Pragmatisches. Das Leben ist halt so: zwischen Pflichtsex und Gaudi, Voyeurismus, Homofreuden und Gewalt oder Gruppensex. Da gibt’s den stacheligen Kerl genauso wie die nackte Megäre – hier ein richtiges Aktbild –, vor der Männlein entsetzt zurückweicht. Da gibt’s die feinen Kurtisanen, die in ihrem Haushalt herumkruschen, oder  das ärmliche Paar, neben dem die Ratten turnen. Übrigens weisen beinahe alle Blätter Texte auf, und im Band „Liebesabenteuer des Maneemon“ (1768) ist sogar der Berichterstatter auf jeder Seite als kleiner Kerl neben den Hauptdarstellern zu entdecken.

Bis 19. Juni,

Di.–So. 10–18 Uhr, auch Ostermontag;
Am Hirschgarten 1; Tel: 08158/ 99 70 20.

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