Japanische Trommler: mit 400 Kilo Reis unterwegs

München - Wann genau alles begonnen hat, das weiß Masa Ogawa, der Gründer von "Yamato", schon fast nicht mehr. Es muss wohl etwa so um 1993 herum gewesen sein, als man bei einem großen Shinto-Fest zueinander gefunden und zum ersten Mal miteinander gespielt hat. Seit dieser Zeit ist vieles passiert und "Yamato" in Europa wohl zu einem der bekanntesten kulturellen Aushängeschilder Japans avanciert. Wobei die Truppe selbst solche Titel gar nicht gerne hört und bei Fragen nach der tieferen Botschaft hinter ihrer Kunst nur lässig abwinkt.

"Den Menschen Freude vermitteln und versuchen, die Energie, die wir selber in uns spüren, bei der Show auch auf das Publikum zu übertragen", das sei laut Ogawa alles was sie wollen. Und dass ihnen dies gelingt, haben die Trommler auch an der Isar bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

"Shin-On - Der Herzschlag" steht nun als Motto über dem neuen Programm, das bei seiner Europapremiere zu Beginn des Jahres in Prag mit begeisterten Ovationen bedacht wurde und vom 6. bis 16. September im Münchner Circus-Krone-Bau zu erleben sein wird. Als Symbol für den Herzschlag steht dabei die große, dickbäuchige Trommel im Zentrum der Bühne, deren sonorer Klang den Rhythmus des Abends bestimmt. Da schwingt dann zwar auch eine leise spirituelle Note mit, doch an erster Stelle steht bei "Yamato" einfach nur bestes Entertainment. So bietet man dem Publikum auch diesmal wieder eine technisch brillant umgesetzte und von den ersten pochenden Schlägen an mitreißende Show, deren Faszination man sich nur schwer entziehen kann.

Und wer glaubt, dass bei zwei Stunden Trommelwirbel zwischendurch vielleicht doch irgendwann mal ein wenig Langeweile aufkommen könnte, der wird hier schnell eines besseren belehrt. Kommt doch trotz aller fernöstlichen Eleganz und höchster Konzentration auch der Humor bei "Shin-On" keineswegs zu kurz. Immer wieder wird das Spiel auf den Taiko-Trommeln von anderen traditionellen japanischen Klängen wie etwa dem Saiteninstrument Shamisen ergänzt oder mit kleinen spaßigen Einlagen aufgelockert. Und da kann es dann durchaus mal passieren, dass auch das Publikum spontan als zusätzliche Rhythmusgruppe mobilisiert wird. Denn lernen könnte solch eine rasante Choreographie laut Masa Ogawa eigentlich jeder in knapp einer Woche.

Bis danach alles in Fleisch und Blut übergegangen ist und man nicht mehr darüber nachdenken muss, vergeht etwa ein Monat. Doch damit aus dem reinen Sport auch wahrhaft echte Kunst werden kann, ziehen für jedes der "Yamato"-Mitglieder zunächst einmal etliche Jahre harten Trainings ins Land der aufgehenden Sonne. In dem kleinen japanischen Dorf, wo sie alle zusammen leben, beginnt jeder Tag noch vor dem Frühstück mit zehn Kilometern Waldlauf, gefolgt von mehreren Übungseinheiten an den Instrumenten, um sich für die anstehenden Auftritte fit zu machen.

"Wichtiger als die Trommeln ist aber der Reis, der uns Kraft gibt. Auf der ersten Tournee haben wir damals noch 400 Kilo Reis in unserer großen Trommel transportiert. Bis wir dann irgendwann gemerkt haben, dass es auch in Europa Reis zu kaufen gibt." Und mit dieser Gewissheit kann "Yamato" nun also beruhigt wieder durch die Lande ziehen und ein kleines Stück Japan zu uns herüber tragen. Was später einmal nach dem Trommeln kommen soll, darüber macht man sich jetzt noch keine Gedanken. "Einfach genießen, so lange es geht", hört man von Ogawas Leuten. Und wenn es nach dem Willen des Publikums geht, dürfte das wohl noch sehr lange sein.

Vom 6. bis 16. September im Circus-Krone-Bau, Karten: 089/ 54 81 81 81.

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