Jauchzender Schluss

- Angeblich reagieren Besucher klassischer Konzerte weniger emotional als Rock-und Pop-Fans. Doch es gibt auch Künstler im Klassik-Genre, die Kultstatus genießen. Einer davon ist Mariss Jansons, und dass er das Potenzial hat, das Publikum in punkto Begeisterungsentäußerung herauszufordern, bewies er im Auftaktkonzert zu seiner zweiten Saison beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Herkulessaal).

Béla Bartóks "Konzert für Orchester" zu Beginn ist nicht unbedingt leichte Kost, überwand doch Bartók damit eine lange Depression, an der er während seiner Emigration in den USA litt. Faszinierend die Entwicklung der langsamen Einleitung, aus der heraus Jansons dem Orchester ein gewaltiges Klangfarbenspiel entlockte. Im zweiten Satz ließ er den Instrumentalpaaren zarten Spielraum; durchbrochen von einen Blechbläserchoral klingt er sanft aus.<BR><BR>Die "Elegia" gestaltete Jansons als sensiblen Klagegesang, auf den das kontrastreiche "Intermezzo interrotto" mit seinen folkloristischen Reminiszenzen an Bartóks ungarische Heimat folgte. Frische und Vitalität dominierten schließlich das lebensbejahende Finale. Energisch nahm auch Julian Rachlin mit theatralischer Mimik seinen Solopart im dritten Violinkonzert von Camille Saint-Saë¨ns. Innig und subtil gestaltete er im zweiten Satz seinen Dialog mit den Holzbläsern, und im rasanten Finale hielt er mit effektvoller Perfektion gegen den farbenreichen Orchesterpart. Erstaunlich, mit welcher Intensität Julian Rachlin, Mariss Jansons und die BR-Symphoniker hier zusammenspielten. Zum Dank gab's für Rachlin und Jansons silberne Rosen aus dem Publikum.<BR><BR>Mit seinen engagiert und nuanciert agierenden Musikern präsentierte Jansons schließlich noch Maurice Ravels zweite Ballett-Suite "Daphnis et Chloé", wofür es am Schluss gar einen enthusiastischen Jauchzer gab.<BR><P><BR> </P>

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