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Viel zu früh für immer verstummt: Natalie Cole.

Tochter von Nat King Cole

Herzversagen! Jazz-Sängerin Natalie Cole gestorben

Los Angeles - Die Jazz-Sängerin Natalie Cole, Tochter des legendären Pianisten Nat King Cole, ist tot. Sie starb im Alter von 65 Jahren an Herzversagen in einer Klinik in Los Angeles.

Als sie vor 40 Jahren auftauchte in der Musikszene, musste sie eine unmögliche Mission bewältigen: den Namen Cole würdig vertreten, ohne im Schatten des großen Namens zu verkümmern. Es ist ihr wider alle Erwartungen gelungen. Natalie Cole, Tochter des berühmten Jazz-Stars Nat „King“ Cole, feierte 1975 gleich mit ihrem ersten Album „Inseparable“ einen Erfolg und platzierte drei Lieder auf dem ersten Platz der R&B-Charts. Der Beginn eines Märchens, so wirkte es.

Sie hatte die Bühnenpräsenz des Vaters

Die wunderschöne Tochter der Jazz-Legende hatte eine ausdrucksstarke, einschmeichelnde Stimme geerbt und auch die Bühnenpräsenz des Vaters. Den hatte sie bereits 1965 als 15-Jährige verloren, aber er prägte ihr Leben. Sie wuchs in einem feinen Viertel in Los Angeles auf, Ikonen wie Ella Fitzgerald oder Frank Sinatra gingen zuhause ein und aus. Der Vater war der Fixstern ihres Lebens und sollte es bleiben.

Natalie nahm postum Duette mit Nat auf, die moderne Studiotechnik machte es möglich. Und sie blieb immer „die Cole“. Eine stimmgewaltige Interpretin, die sich unerschrocken durch alle Idiome sang und dabei stets das Publikum im Blick hatte. So gelang es ihr, Umbrüche und Revolutionen des Musikgeschäfts zu überstehen. Wobei sie in den USA immer sichtbarer und erfolgreicher blieb als im Rest der Welt. In der US-Szene war sie eine Institution, man warf ihr die Auszeichnungen regelrecht hinterher und Größen wie Bruce Springsteen schrieben ihr Hits auf den Leib.

Hinter der Fassade spielten sich Dramen ab

Aber hinter der Fassade des Glamours und Erfolgs spielten sich Dramen ab. Coles Beziehungen und Ehen scheiterten immer sehr schnell. Zudem verfiel sie zunehmend Drogen und Alkohol. Im Grunde war es ein Wunder, dass sie ihre Karriere vorantreiben konnte: Wie sie später selbst berichtete, nahm sie zeitweise Kokain, Heroin und Crack und spülte diesen verhängnisvollen Cocktail mit sehr viel Alkohol hinunter. Der Druck zu genügen, dem großen Namen gerecht zu werden, machte ihr zu schaffen. Dennoch hatte sie Hits, trat als Schauspielerin auf, zog einen Sohn groß, ging auf Tour und funktionierte – Gott allein weiß, wie.

Im Jahr 2008 wurde Hepatitis C diagnostiziert, sie wurde Dialyse-Patientin, aber sie gab nie auf. Mit Spenderniere machte sie weiter, nahm Platten auf und gab Konzerte. Ein Arbeitsethos, der wohl in der Familie lag. Und immer legte sie so viel Seele in die Lieder, dass es einem beim Hören kalt den Rücken hinunterlief – selbst wenn einige Alben furchtbar produziert waren. Ab den Neunzigerjahren fokussierte sich Cole zunehmend auf Jazz- und Swingstandards und war damit ihrer Zeit voraus. Ihre Stimme war dafür wie geschaffen, auch wenn sie selbstverständlich alles singen konnte, was sie wollte – im Unterschied zu vielen Heulbojen, die sich heute im Rhythm’n’Blues versuchen.

Privat war Cole eine spitzzüngige und geistreiche Beobachterin der Showbranche und galt als unerbittliche Zynikerin. „Ich glaube nicht an Gott, an nichts Übernatürliches, an gar nichts“, hat sie einmal gesagt und da klang eine Härte durch, die man ihrem Gesang nie anhörte und die nicht recht zu ihrer strahlenden Erscheinung passen wollte. Am Silvesterabend ist Natalie Cole, die Frau, die immer Tochter geblieben ist, im Alter von nur 65 Jahren gestorben. Entschieden zu früh.

Zoran Gojic

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