Jazz mit Stil: Nana Mouskouris Tournee-Start

- München - Ihr optisches Markenzeichen ist die dunkelrandige Brille, ihr akustisches die schlagersüßen "Weißen Rosen aus Athen" - zumindest hierzulande, wo Nana Mouskouri 1961 damit der Durchbruch gelang. Aber es gibt, fast ebenso lange, noch eine andere Mouskouri: "Vor genau 40 Jahren habe ich in New York meine erste Jazz-Platte mit Quincy Jones aufgenommen." Unter dem Titel "Nana swings" startete sie soeben im Münchner Gasteig, von Standing Ovations umtost, ihre Deutschland-Tournee.

<P>Nein, das war kein unkritischer Groupie-Jubel, auch wenn das bei den Zugaben zur Bühnenrampe drängende, in andächtiger Verzückung lauschende Trüppchen "Grauer Panther" solches nahe legen könnte. Wenn die Mouskouri "swingt", will sagen Jazz singt, begleitet von der ausgezeichneten Band des Münchners Ralf Schmid, er selbst ein unsentimental-klarer Pianist, dann hat das echte Jazz-Qualität. Natürlich sind das alles Schlager: "Love me or Leave me", "As Time Goes by", "Somewhere Over the Rainbow", Sinatras ohrwurmig schönes "One for the Road" und und. </P><P>Aber sie singt sie, ja nicht genau wie, nicht mit dem schwarzen Samt der Ella Fitzgeralds und Billie Hollidays, aber doch schräg die Töne umspielend. Besonders im Pianissimo kann sie diese leicht verkratzten jazzigen Schlieren einziehen. Beim schnellen Wechsel in die höhere Lage kann's schon mal blechern-spitz klingen. Aber mit jedem Song wird sie freier für die afro-amerikanische Stimmführung.</P><P>Als Griechin, aufgewachsen mit östlicher und mediterraner Musik-Kultur, geht sie hörbar lockerer an den Jazz heran als westeuropäische Musiker. Und sie hat, bei aller Gediegenheit, die man automatisch bei ihr assoziiert - Stil. Die Mouskouri weiß, was zu ihr passt. Trotz Freundin Chers wiederholten Überredungsversuchen zu Beauty-OPs, zeigt sie - ihr eigenes Gesicht, das ja auch so nicht das Pass-Alter verrät. Natürlichkeit, Zurückhaltung bestimmen ihren Auftritt. Dezent das gedämpfte, bei Song-Ende ausblendende Licht. </P><P>Reise-praktikabel ihr schwarzer Hosenanzug über einem roten Pailletten-Top. Sparsam ihr Körper-Echo auf die Jazz-Rhythmen. Konzentriert ihr Zuhören bei den von Arrangeur Schmid ausgiebig einkomponierten Ensembles und Soli für Saxophon bis Bass. Und sie versäumt nicht, die sechs exzellenten Musiker immer wieder herauszustellen. Die Mouskouri, von innen heraus eine Grande Dame der Musik, die jetzt mit ihren Vollblut-69 - Vorzug des Älterwerdens! - sich genau das zu tun getraut, was ihr am meisten Spaß macht. <BR></P>

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