Jazz-Antiquitäten

- "Ich schaue mir nur noch alte Filme an", sagt Trompeter Till Brönner. "Kennen Sie ,Charade mit Cary Grant und Audrey Hepburn? Wundervoll!" Die neueren? Da sei schon die Musik unerträglich. Ganz abgesehen davon, dass Brönner bis zu einem gewissen Grad recht hat, spiegelt sich in der launigen Aussage auch wider, wie er zum Jazz steht. Sein Programm mit dem Titel "A Night in München" in der Philharmonie ist eine ganz und gar nostalgische Angelegenheit.

Mit dem Strich gebürstet

Der 34-Jährige gehört jener Generation von "Sweet Neo-Cons" an, die den Jazz nach den relativen Erfolgen von Free-Jazz, Fusion und postmoderner Avantgarde zumindest kommerziell wieder fest im Griff hat. Keine Schranken erlegt man sich da auf, arbeitet(e) sowohl mit Hip-Hoppern und Hildegard Knef, als auch mit Altstar Pat Metheny und sogar den No Angels zusammen. Aber das Idiom bleibt stets klassisch, die Erinnerung reicht höchstens bis in die frühen 60er-Jahre.

Auch an diesem Abend stöbert der "erfolgreichste Jazztrompeter Deutschlands" wieder in Antiquitäten aus dem Dunstkreis von Dizzy Gillespie und Duke Ellington, macht es sich im verminderten Moll gemütlich und lässt schon mal eine Bossa Nova einfließen. Die Band - Bruno Müller (Gitarre), Johan Leijonhufvud (Gitarre), Christian von Kaphengst (Bass) und Roland Peil (Percussion) - groovt geschmackvoll, wobei man merkt, dass Tourauftakt ist. Gerade Müller scheint ein wenig überambitioniert, will mit jedem Solo ein Feuerwerk abbrennen, was nicht immer gelingt. Leijonhufvud spielt da ökonomischer.

Brönner selbst überzeugt in lyrischen Passagen mit samtigem Ton und lässt sich immer wieder nette Gags einfallen. Alles ist auf problemlose Goutierbarkeit ausgerichtet, immer schön mit dem Strich gebürstet - und ist bei aller Virtuosität bisweilen arg spannungsarm. Irgendwann macht Brönner eine abschätzige Bemerkung über die Kastelruther Spatzen, die angeblich noch am Nachmittag auf derselben Bühne geprobt haben. Das sollte er lassen. Allem handwerklichen Vorsprung zum Trotz: Auch am Abend hat man nichts anderes gehört als bourgeoise Konsummusik.

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