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Warum nur schaut Jean-Jacques Annaud auf diesem Foto so ernst? Immerhin erhielt der französische Regisseur beim Münchner Filmfest, wo es aufgenommen wurde, den Cinemerit-Preis für seine Verdienste um die Filmkunst. Vielleicht schreibt der 72-Jährige einfach nicht gerne Autogramme... 

Jean-Jacques Annaud im Interview

„Ich hatte oft blutige Bisswunden“

München - Jean-Jacques Annaud spricht im Interview über seinen neuen Film „Der letzte Wolf“, das Drehen in China und die Arbeit mit wilden Tieren.

Jean-Jacques Annaud hat nicht nur mit Hollywood-Stars wie Sean Connery („Der Name der Rose“), Jude Law („Duell – Enemy at the Gates“) oder Brad Pitt („Sieben Jahre in Tibet“) gedreht, sondern auch immer wieder mit wilden Tieren, etwa mit Bären („Der Bär“) oder Tigern („Zwei Brüder“). Beim Münchner Filmfest sprachen wir mit dem 72-jährigen Oscar-Preisträger über seinen Film „Der letzte Wolf“, der morgen in die Kinos kommt.

Kannten Sie die literarische Vorlage, den chinesischen Bestseller „Der Zorn der Wölfe“ von Lü Jiamin?

Ja, und ich konnte mich gut mit der Hauptfigur identifizieren, einem jungen Intellektuellen aus Peking, der sich für die Kultur der Mongolen begeistert: Ich selbst wurde einst als Pariser Studenten-Schnösel nach Kamerun geschickt und habe mich dort in den afrikanischen Kontinent verliebt.

Und wie kam es jetzt zu dieser Verfilmung? Hatten Sie nicht wegen „Sieben Jahre in Tibet“ Einreiseverbot in China?

Ja, mein Bild hing überall in China neben dem von Brad Pitt – auf allen Polizeistationen! Jedes Mal, wenn ich in Hongkong umsteigen musste, hatte ich Angst, verhaftet zu werden. Darum war ich verblüfft, als plötzlich charmante Chinesen in meinem Pariser Büro auftauchten und meinten: „Wir brauchen Sie für die Kino-Adaption des Buchs von Lü Jiamin. Wir wissen nicht, wie man solche Filme dreht. Keine Angst: China hat sich verändert. Wir geben Ihnen sämtliche Freiheiten.“

Haben sie Wort gehalten?

Ja. Ich kann Ihnen leider keine Folter-Dramen bieten: Von der Drehbuchphase bis zum Schnitt hat sich nie jemand in meine Arbeit eingemischt. Ich durfte anderthalb Jahre in Ruhe drehen. Nur an einem Tag kamen die Studiobosse zum Set, um sich mit den Stars fotografieren zu lassen. Ich dachte, das dicke Ende kommt noch, wenn mein Film durch die Zensur muss.

Und?

Pustekuchen! Man hat mir bloß den „freundschaftlichen Rat“ gegeben, eine Liebesszene umzuschneiden, weil dort zwei Sekunden lang weibliche Brüste zu sehen waren.

Erstaunlich, denn Ihr Film übt ja deutliche Kritik an der Umweltzerstörung in China.

In Peking ist der Smog oft so verheerend, dass manche Leute nur mit Hilfe der GPS-Funktion ihres Handys ihr Wohnhaus finden können. Die Chinesen sagten zu mir: „Wir wissen, dass wir umdenken müssen, weil wir sonst unseren Lebensraum zerstören. Aber wir dürfen das offiziell nicht sagen. Sie als Ausländer dürfen das.“ Die Leute dort waren tatsächlich ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte.

Inwiefern?

Ich hatte verknöcherte Bürokraten erwartet. Stattdessen traf ich liebenswürdige, offene Menschen, die ihre Krawatten lockerten und anfingen zu singen. Und jeden Tag kam mindestens eine Frau auf mich zu, die ein Selfie mit mir wollte. Meine Marguerite-Duras-Verfilmung „Der Liebhaber“ ist in China zwar verboten, aber offenbar hat jeder sie gesehen. Denn jede dieser Frauen flüsterte mir denselben Satz ins Ohr: „Vielen Dank für Ihren Sexualkundeunterricht, hihi!“

Wie man hört, haben Sie in China auch sexuelle Erfahrungen mit einem Wolf gemacht.

Stimmt. Wir haben 25 Wolfswelpen drei Jahre lang aufgezogen, gezähmt und trainiert, und schon bald zeigte sich das Alphamännchen, das mich von unserer ersten Begegnung an liebte. Jeder Drehtag begann mit einem zehnminütigen Ritual: Der Leitwolf rannte auf mich zu, legte seine muskulösen Pfoten auf meine Schultern und leckte mich ab, von der Nase bis zum Ohr. Danach hatte ich oft blutige Bisswunden. Eines Tages hat er mir sogar seine riesige Zunge in den Mund gesteckt – eine unangenehme Zungenkuss-Variante, nach der ich mich sofort desinfizieren musste.

Wie bringen Sie die Geduld auf, mit Tieren zu drehen und dabei oft tagelang auf den richtigen Moment warten zu müssen?

Seit ich als junger Werbefilmer vor lauter Panik meine Stimme verlor und kurz vor dem Herzinfarkt stand, habe ich mir geschworen, stets die Ruhe zu bewahren. Und ich habe gelernt: Wenn Sie am Set eine entspannte Atmosphäre schaffen, machen Ihre Akteure meistens tatsächlich das, was Sie von ihnen wollen. Das gilt für Hollywood-Stars ebenso wie für wilde Tiere.

Warum setzen Sie sich immer noch dem Wahnsinn unberechenbarer Großproduktionen aus?

Ich genieße es sehr, solche verrückten, eigentlich unmöglichen Filme zu drehen. Ich fände es noch viel verrückter, diese Chancen nicht zu nutzen. Für mich gibt es nichts Langweiligeres als Urlaub. Schon beim Gedanken daran schlafe ich ein!

Und welches wilde Tier würden Sie gern zur Hauptfigur Ihres nächsten Films machen?

Keine Ahnung. Vielleicht eine Frau? (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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