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Gemeinsame Probe in der Bayernhalle: Maximilian Pfnür (Mi.) als Räuber Kneißl in einer Szene mit Ferdinand Ascher (li.) als Alois Kneißl und Franz-Xaver Zeller, der Josef Schreck spielt.

"Kultur wird gelebt und entwickelt"

Jede Menge geboten beim Garmischer Kultursommer

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Garmisch-Partenkirchen - Die Olympia-Bobbahn wird zur Theaterkulisse: Unter dem Motto „frei sein“ startet der Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen. 

„Die persönliche Freiheit ist und bleibt das höchste Gut des Menschen. “ Was Konrad Adenauer 1948 ausgesprochen hat, passt perfekt zum Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen. Die Reihe, die vom 19. August bis 26. September mit einem abwechslungsreichen Programm aufwartet, steht unter dem Motto „frei sein“.

Und ihren unbändigen Freiheitsdrang haben die charismatischen Helden der verschiedenen Produktionen auch gemein. Am deutlichsten wird das beim „Räuber Kneißl“ (Premiere: 28. August), jenem bayerischen Volkshelden, der sein Katz- und Mausspiel mit der geballten Staatsmacht trieb. Seinen Traum von Amerika, dem Land der Freiheit schlechthin, konnte der Hias, dessen Geschichte Angela Hundsdorfer in der Bayernhalle inszeniert, allerdings nicht verwirklichen: Mit 26 Jahren wurde er hingerichtet.

Frei sind die Macher des Kultursommers außerdem, wenn sie Spielstätten suchen. Dass das Publikum in jedem Jahr ein spektakulärer Schauplatz erwartet, das macht für Tourismusdirektor Peter Nagel den Reiz aus. Am Rießersee am Fuß des Wettersteinmassivs entsteht derzeit die Bühne für die „Kindertragödie“ (Premiere: 1. September). Nicht die Idylle, sondern die düstere Seite, der Wald an der historischen Olympia-Bobbahn, bildet die Kulisse für das Drama: In einem abgelegenen Forsthaus werden die Kinder – 13, 15 und 17 Jahre alt – von der Mutter im Stich gelassen. Mit einem Schlag zerbricht ihr Familiengefüge. Solchen Stoff inmitten der einzigartigen Natur zu inszenieren, „ist unser Alleinstellungsmerkmal“, unterstreicht Nagel. „Was hier geboten wird, kann man nur in Garmisch-Partenkirchen erleben. Da ist nichts austauschbar.“ Und das kommt beim Publikum an, was auch immer mehr Besucher aus der Umgebung und dem Raum München belegen.

Auch Familien kommen auf ihre Kosten

Ihnen wird mit „Momo“, der Geschichte des Mädchens, das frei von Zeitdruck ist, ein weiteres Freiluft-Stück geboten (Wiederaufnahme: 20. August). Im Amphitheater des Michael-Ende-Kurparks zeigt Janina Stopper in der Titelrolle eindrucksvoll, wie sie es mit den „Grauen Herren“ aufnimmt. Das Stück, das 2013 Premiere feierte, wird im Rahmen der Michael-Ende-Woche erneut gezeigt.

Mit diesem Programm zum Auftakt wird der weltberühmte Sohn der Marktgemeinde gewürdigt: Eine Ausstellung mit Werken der bekanntesten Ende-Illustratoren, die Präsentation der Biografie des Schriftstellers und ein Konzert zum 75. Geburtstag des Ende-Vertrauten Wilfried Hiller, das Michaela May moderiert, sind lediglich einige der Termine.

Familien kommen nicht nur bei „Momo“ auf ihre Kosten, sondern auch bei „Max und Moritz“ (Premiere: 27. August). Die Buben spielen auf der Kongresshaus-Bühne U1 dem Schneider Böck, dem Lehrer Lämpel und der Witwe Bolte ihre lustigen Streiche. Workshops zu den Theater-Produktionen, „Bayerische Dienstage“ mit Michael Fitz, Constanze Lindner und Winfried Frey sowie Ausstellungen und Konzerte komplettieren das Programm. Ein besonderes Gefühl der Freiheit erleben die Besucher, wenn sie am 27. August beim Bergfestival auf dem Wank stehen und den Blick aufs Zugspitzmassiv genießen. Lenze & de Buam, dicht & ergreifend, HMBC und The Heimatdamisch sorgen auf knapp 2000 Metern Höhe für Stimmung. Vor dieser Kulisse wird am 2. September der Film „Eddie the Eagle“ über den legendären englischen Skispringer gezeigt, der großteils in Garmisch-Partenkirchen gedreht wurde. Auch diese Produktion passt zum diesjährigen Motto. „Sich frei zu fühlen, ist das Eine“, sagt Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia. „Das Andere ist, sich frei entwickeln zu können.“ Der Kultursommer macht genau das seit 16 Jahren und ist längst fest verwurzelt in Garmisch-Partenkirchen. Das gilt für die Akteure, das zeigt sich dem Künstlerischen Leiter Georg Büttel zufolge auch an den Plätzen, die zur Theaterbühne werden. „Kultur kauft man nicht einfach, sie wird gelebt und entwickelt sich.“

Weitere Informationen gibt es unter www.kultursommer-gapa.de.

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