Es ist jedes Mal aufregend

- Doppelter Stress: Christian Arming wird zum zweiten Mal Vater und dirigiert zum ersten Mal die Münchner Philharmoniker (heute, 20 Uhr, im Gasteig). "Ich glaube, es ist jedes Mal aufregend und jedes Mal anders, man gewöhnt sich nicht daran", meint der sympathische junge Österreicher, was das Vaterwerden betrifft. Auch dem Philharmoniker-Debüt schaut er nicht kaltblütig entgegen. "Ich kenne das Orchester nicht, habe zwar alle Aufnahmen von Celibidache gehört und weiß, dass es ein toller Klangkörper ist.

<P>Aber unser Programm ist nicht ganz typisch für das Ensemble: ,Katerina Ismailowa, eine fünfsätzige Symphonie nach der Oper ,Lady Macbeth von Mzinsk von Schostakowitsch. Jeder Ton stammt von ihm, aber arrangiert wurde es von einem Schüler. Übrigens eine Münchner Erstaufführung. Außerdem spielen wir Beethovens Tripelkonzert mit drei jungen, mir noch unbekannten Solisten (Steven Osborne, Klavier, Alban Gerhardt, Cello, Elisabeth Batiashvili, Geige) und schließlich, korrespondierend zur Wiener Klassik, Peter Ruzickas Haydn-Verfremdung ,Metamorphosen über ein Klangfeld von Haydn."</P><P>Christian Arming, der schon vor sechs Jahren, als 26-Jähriger mit dem Salzburger Mozarteum-Orchester in München gastierte, gelang das Kunststück, nie in eine Schublade sortiert zu werden. Er durfte schon früh seine Vorlieben für Mozart und Mahler - vielleicht hatte er einen Österreicher-Bonus - ausleben und hat sich mittlerweile ein unglaublich breites Repertoire erarbeitet. </P><P>"Zur zeitgenössischen Musik bin ich eigentlich erst vor vier, fünf Jahren gekommen - über Strawinsky und Bartok. Als erster hat mich Stockhausen fasziniert. Ich dirigiere aber auch gern Werke von Wolfgang Rihm, György Kurtag oder Olga Neuwirth. Ich wende sehr viel Zeit auf, um neue Stücke zu studieren und picke mir dann die heraus, zu denen ich eine Affinität entwickele." Auch der Alten Musik gegenüber ist Arming offen - "an Harnoncourt kommt man auch bei der Wiener Klassik nicht vorbei". Das älteste Werk, mit dem er sich bisher beschäftigte, war ein Liebes-Madrigal von Monteverdi, dem er Mahlers Dritte folgen ließ. Das war vor vier Wochen in Tokio, wo Arming sein Amt als Chef des New Japan Philharmonic antrat: "Was den Menschen bewegt", ist dort sein dreijähriger Zyklus überschrieben, der sich mit Liebe, Leben und Glaube beschäftigt. </P><P>Arming schwärmt davon, dass Monteverdis Madrigal auf dem Höhepunkt klingt "wie Schönberg oder Webern" und "ein ähnlicher Akkord findet sich auch bei Mahler". Für Japan hat sich der junge Chef viel vorgenommen: Er möchte dem dortigen Publikum die Angst vor der Neuen Musik nehmen. "Wir machen Einführungen und versuchen, den Programmen einen roten Faden zu geben. Altes und Neues muss stimmig sein." </P><P>Schon seit zwei Jahren und noch bis zum Herbst 2004 erfüllt Christian Arming überdies eine Doppelfunktion in der Schweiz: Er ist Musikdirektor des Luzerner Theaters und zugleich Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters. Da bleibt nur wenig Zeit zum Gastieren etwa bei den Wiener Symphonikern . Noch in dieser Saison will der 32-Jährige in Japan Strauss' "Salome" halbszenisch herausbringen und im kommenden Jahr Beethovens "Leonore". "Es ist doch spannender, den Beethoven besonders liebenden Japanern einmal den Weg zum ,Fidelio zu zeigen, als den 100. ,Fidelio dort aufzuführen." Wichtig ist Arming bei seiner Zusammenarbeit mit einem Orchester, dass "am Abend ein gemeinsames Musizieren zustande kommt, dass man sich ohne Worte versteht, Spannungen aufbauen und eine Einheit bilden kann" - heute Abend erstmals mit den Münchner Philharmonikern. </P><P>Weitere Konzerte: 31. 10., 1. 11., Tel. 089/ 54 81 81 81.</P><P> </P>

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