Jenseitige und Liebesversager

- Über die Liebe schreiben ja viele Dramatiker. Aber Jaan Tätte, so ein hintergründiger "fairy-teller" aus Estland, macht das noch mal ganz anders. In seinem international erfolgreichen "Bungee Jumping" (noch im Münchner Cuvilliéstheater) versagt die Liebe in einem ausgefuchst erdachten Millionendollar-Spiel. In "Die Brücke" scheint sie am Ende zu siegen.

<P>Claus Peter Seifert hat jetzt dieses Stück des 39-jährigen Esten für Münchens inkunst e. V. (Waltherstraße 7) mit einer von Bühne bis Kostüm und Licht inspiriert auf Tätte abgefahrenen Crew inszeniert: ein Märchen, ja. Auf der schräg durch die Halle 7 gebauten Stau-Mauer (Esther Toronszky) treffen sich Leele und Sten, ein junger Arzt, der um ihre tödliche Krankheit weiß. Da hoch oben in blauzarter Dämmerung balancieren sie, in der Utopie ihrer Liebe. Romeo und Julia. Dreimal besucht von merkwürdig grauen Gespenstern. So ganz klar, warum die sich "liebesfördernd" einmischen, wird es erst in Akt II.<BR><BR>Schön, wie Tätte diese Liebesgeschichte mit Leeles langen Monologen langsam aufbaut. Und sehr schön, wie Irene Rovan das spröde-narzisstisch spielt, dieses Sich-Selbst-Erklären einer jungen Frau, die nichts mehr zu verlieren hat; wie Anno Koehler Unendlichkeiten schweigend zuhört (muss gekonnt sein) und dann mit Rovan in rhythmisch rascher Wechselrede dem Bekenntnis zustrebt: "Ich liebe dich." Blackout. Harter Schnitt. Jetzt unten am Staudamm. </P><P>Aus den Fugen kriechen die grauen Jenseitigen, die diesen einen einzigartigen Satz nie über die Lippen brachten. Tätte lässt diese sieben Liebesversager ihre faulige Ehe-Routine, ihre Egoismen und müden Partner-Rituale samt Filmkitsch-Sehnsüchten wieder und wieder durchspielen. Eine Wiederholungshölle, aus der sie sich durch Leeles erfüllte Liebe Erlösung erhoffen (deshalb vorab die Liebesbeobachter). Dieser zweite Akt ist, auch weil verblasener, schwieriger zu inszenieren. Etwas Zuschärfung in diesen "Rückblende-Spielchen" müsste möglich sein, denn im unterschiedlich präsenten Schauspieler-Team haben einige schwache, dann aber auch höchst spannende Momente.</P><P>Bis 13. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Karten: 089/53 29 78 29.<BR></P>

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