Det Jeschäft is richtich

- Und dann diese sonore Stimme, dieser rauhe Berliner Akzent - Ben Becker fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle des Franz Biberkopf aus Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz". Seine szenisch-musikalische Lesung füllte am Montagabend die Reihen des Münchner Prinzregententheaters restlos.

Zeit zum Üben hatte Becker zur Genüge, äußerst erfolgreich als Franz Biberkopf auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters in Berlin und bei der Arbeit am Hörbuch.<BR><BR>Auf der kargen, mit Birkenstämmen dekorierten Bühne des Prinze nun auch zwei Musiker, die den Abend mit Klangereignissen und einigen wohldosierten Griffen zu Keyboard und E-Gitarre begleiten. Becker im Smoking mit lotterig offenem Hemdskragen - wie sonst. <BR><BR>Die großen Gesten sind es nicht, die diesen Abend zum Spektakel geraten lassen. Nur selten steht Becker vom Lesepult auf, tanzt schwerfällig zur Charleston-Melodie, spielt mit einer Nazi-Marionette. Der brummige Singsang seiner Stimme, die er mannigfaltig zu variieren weiß, beherrscht den Abend ganz. Zurückgeblieben und polternd als Biberkopf, hinterhältig und perfide als Reinhold. Der Schauspieler lässt einen eigenartig drohenden Unterton mitschwingen, verdüstert die Atmosphäre und zieht hypnotisch in den Bann. Als komische Auflockerung plötzlich die naiv-lispelnden Interpretationen von Döblins Frauenfiguren wie Eva, Minna, Mieze. Dann wieder fällt Becker völlig raus aus dem Buch, spielt sich selbst - und das am überzeugendsten - in der Rolle des aufgeblasenen Flegels. <BR><BR>Dessen eitler Selbstdarstellung man sich nicht entziehen kann, weil er sie so gekonnt mit tapsiger Bärigkeit und immer noch jungenhaftem Charme mischt. "Det Jeschäft ist richtich", befindet bei diesen Besuchermassen sicher nicht nur Franzeken.<BR>

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