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Sie betrieb den exklusivsten geheimen Poker-Ring der Welt: Molly Bloom (Jessica Chastain)

Interview mit dem Hollywoodstar zum Kinostart von „Molly‘s Game“

Jessica Chastain – sie will nicht nur spielen

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„Molly’s Game“ erzählt die wahre Geschichte von Molly Bloom, die den exklusivsten geheimen Poker-Ring der Welt betrieben hat. Zu ihren Gästen gehörten Hollywood-Stars, Wirtschaftsbosse und russische Mafiosi. Die zweifache Oscar-Kandidatin Jessica Chastain spielt diese Molly aufreizend.

Wir treffen Jessica Chastain zum Interview in Berlin. Die 40-Jährige, die nur 1,63 Meter groß ist, wirkt viel zarter als auf der Leinwand – vor allem aber ungemein wissbegierig. Ihr neuer Film, „Molly’s Game“, startet am Donnerstag in den Kinos.

Der ganze Film dreht sich ums Zocken. Worum würden Sie spielen?

Jessica Chastain: Ich bin kein Spieler-Typ. Ich war einmal in Vegas, und während alle anderen ins Casino rannten, wollte ich nur in die Shows und am Pool abhängen. Doch dann meinten sie: „Einmal musst du mitkommen!“ Also hab’ ich 100 Dollar genommen, sie beim Roulette auf Schwarz gesetzt – es kam Schwarz, gewonnen. Klasse, dachte ich, Einsatz verdoppelt, Zeit aufzuhören. Mir gefällt die Idee nicht, dass man Geld durch Glück gewinnt, statt es sich zu erarbeiten. Ich arbeite gerne hart.

Können Sie durch das Abtauchen in diese Welt denn verstehen, warum jemand zum Spieler wird?

Chastain: Nein, ganz verstehen kann ich es noch immer nicht. Die echte Molly erzählte mir, dass sie einmal miterlebt hat, wie jemand 100 Millionen Dollar in einer Nacht verlor – das finde ich völlig verrückt! Wie kann man so viel Geld wegwerfen?! Ich glaube, oft sind das Leute, die es gewohnt sind, dass jeder zu ihnen Ja und Amen sagt. Doch am Pokertisch interessiert nicht, wer du bist oder welchen Status du hast, entscheidend ist allein dein Glück bei den Karten. Vor Fortuna sind wir alle gleich. Vielleicht ist es das.

Sie bereiten sich auf Rollen akribisch vor. Lernen zum Beispiel Deutsch oder Klavierspielen. Reizt Sie genau das am Schauspiel?

Chastain: Und wie! Ich liebe es zu lernen. Jeder Film bietet mir die Gelegenheit, mich weiterzuentwickeln. Wenn du dich neuen Herausforderungen stellst, spürst du, dass du lebst. Klar könnte ich auch immer wieder denselben Typ Frau spielen. Irgendeinen verrückten, süßen, lustigen Charakter. Wäre bestimmt lukrativ. Doch ich würde mich langweilen und festgefahren fühlen. Ich liebe es, mich dazu anzutreiben, mehr über mich selbst herauszufinden.

Immer mit dem Risiko, zu scheitern...

Chastain: Klar, aber auch wenn du scheiterst, lernst du dazu. Scheitern ist nicht schlecht.

Molly kleidet sich aufreizend, doch nie lässt sie sich auf einen der Männer ein. Kann sie Vorbild für Frauen sein, wie man Grenzen setzt?

Chastain: Ja! Unbedingt! Nicht nur für Frauen – für jeden, der in unserer Gesellschaft gedemütigt wird. Diese Frau versucht, in einer Industrie erfolgreich zu sein, in der Männer die Regeln bestimmen.

Sie wechseln zwischen 93 Outfits. Wie wichtig war das Äußerliche von Molly für ihren Erfolg?

Chastain: Entscheidend. Molly ist eine Frau, der zweimal von Männern gesagt wird, sie solle sich angemessener anziehen. Zu Beginn meint ihr Boss zu ihr: „Hässliches Outfit, hässliche Schuhe!“ Und sie geht los und kauft etwas, in dem sie gar nicht mehr aussieht wie sie selbst. Später sagt ihr Anwalt: „Du musst dich anders kleiden, du siehst aus wie eine Kinoversion deiner selbst.“ Das fand’ ich spannend. Dass da Männer Frauen sagen, wie sie sich der Welt präsentieren sollten. Der alte Madonna-Huren-Komplex. Für Molly waren Kleider, Haare, Make-up eine Maske, durch die sie sich immer weiter von der Person entfernte, die sie mal war.

Sie wollten die Rolle unbedingt spielen – wie haben Sie sie bekommen?

Chastain: Ich habe versucht, beim Vorstellungsgespräch schon ganz in der Rolle zu sein. Molly ist sehr selbstsicher, sie ist ein „Goalgetter“. Also bin ich zu Aaron (Regisseur Aaron Sorkin, Anm. d. Red.) hin und sagte: Wieso treffen wir uns überhaupt – wieso habe ich die Rolle nicht längst? Sie wissen, dass ich die Beste für den Part bin! Da hat er erst mal geschluckt. (Lacht.) So etwas habe ich noch nie gemacht. Doch genau so wäre Molly. Hat funktioniert.

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