Jet-Musik

- Schade, dass im vorderen Drittel sechs Reihen nahezu leer geblieben waren: Dem ersten Stiftungskonzert der Europäischen Kulturstiftung Europamusicale wäre ein ausverkaufter Hubertussaal im Münchner Schloss Nymphenburg zu wünschen gewesen - ihres schönen Zieles wegen, auf dem Wege der Musik Europa noch enger zusammenwachsen zu lassen, und wegen eines interessanten, vorzüglich interpretierten Programms.

<P>Fast war es eine reine Familienangelegenheit: Der Flötist András Adorján musizierte mit seinen beiden Söhnen Gabriel, der Violine als erster Konzertmeister der Komischen Oper Berlin spielt, und Dá´vid, Solocellist im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Dass bei so viel instrumentaler Höhe beziehungsweise Tiefe die ausgleichende Mittellage nicht fehlte, dafür sorgte Hariolf Schlichtig an der Bratsche. Zu erleben gab es selten zu Hörendes und Kurioses: Was genau an dem Vorgang Heitor Villa-Lobos dazu inspirierte, ein dreisätziges Duo für Flöte und Violoncello auf den "Aufstieg eines Düsenjets" zu komponieren? Die Musik dazu war etwa im Adagio mit seinen ruhigen Kantilenen und irisierenden Cello-Doppelgriffen weit von programmatischer Eindeutigkeit entfernt - erst im abschließenden Vivo wiesen aufwärts flatternde Figuren und drei kraftvoll zwischen Ton und Geräusch platzierte Flötenschlusstöne auf ein wie immer geartetes Abheben hin.</P><P>Zweite Entdeckung des Abends: Maurice Ravels schöne Sonate für Geige und Cello. Die Adorjáns kosteten deren dunkel getönten langsamen Satz ebenso sensibel aus wie die vertrackte Pizzikato-Groteske des Scherzos - bei lauten Stellen lief der farbig-klangvolle Celloton Davids gelegentlich Gefahr, das fein ziselierte Violinspiel seines Bruders zuzudecken. Beethovens Serenade D-Dur für Flöte, Geige und Bratsche op. 25 und zwei Flötenquartette von Mozart legten um solche Trouvaillen den sommerlich-heiteren Rahmen - über manch elegischen Ton ging die Interpretation der Künstler, sorgfältig und klar wie sie war, dennoch nicht hinweg. <BR>Andreas Grabner<BR></P>

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