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Tom Cruise lächelte auf der „Wetten, dass..?“-Couch bei Thomas Gottschalk die Fragen des Gastgebers weißzahnig weg.

Jetzt bloß nichts verpassen!

„Wetten, dass..?“, „Deutschland sucht den Superstar“ und „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ im Zapping-Test

Auch überzeugte Demokraten schielen manchmal neidisch nach England. Dort sorgt eine königliche Familie für monarchischen Glanz und boulevardeske Showeinlagen. Deutschland ist seit 1918 keine Monarchie. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach royalem Pomp, die am Samstagabend 22 Millionen Menschen vor den Bildschirmen versammelt hat, um gleich zwei Königskrönungen mitzuerleben: In Offenburg sucht Thomas Gottschalk einen Wettkönig, und im australischen Dschungel soll einem der verbliebenen Camp-Insassen die Blätterkrone aufgesetzt werden. Und noch ein König schwingt sein Zepter: Dieter Bohlen sucht wieder einen Superstar. Da hat auch die geübteste Zapperin Sorgen, etwas Entscheidendes zu verpassen.

Lesen Sie auch: Was ist am Dschungelcamp eigentlich live?

Beim ZDF ist man sich der harten Konkurrenz bewusst. Gottschalk verspricht, dass es heute besonders spannend wird. Und tatsächlich. Die erste Wette ist zwar nicht unbedingt klüger als die Dschungelprüfungen, aber lustiger: Harald aus Ursensollen stupst mit seiner Zunge Süßstoff aus gespannten 50 Mausefallen. Sein Wettpate Pilawa ist so offensichtlich nervös, dass es ansteckt. Harald verliert seine Zunge nicht, Pilawa dafür die Wette. Zeit, mal nachzusehen, was König Dieter treibt.

Da erzählt die traurige Gabriella aus Göttingen ihre traurige Lebensgeschichte – ein Leben ohne den treulosen Vater, hier auf RTL hinterlegt mit auch sehr trauriger Musik. Bohlen sagt ihr, dass sie nicht singen kann, aber heiß aussieht („meine Augen sagen weiter, meine Ohren sagen Schluss“) und lädt Gabriella zur nächsten Runde, dem Re-Call, ein. Da ist sie zwar nicht mehr traurig, weinen muss sie aber trotzdem.

Das reicht erst mal. Fernbedienung, Taste 2, Gottschalk setzt gerade an, Tom Cruise und „Operation Walküre“-Kollegen Christian Berkel zu begrüßen. Ob das Absicht war beim Film-Casting, dass Berkel nicht einen Zentimeter größer ist als der bekanntermaßen kurz geratene Cruise? Gottschalk stellt Cruise ein paar interessante Fragen zum Dreh, die der weißzahnig belächelt und nicht beantwortet: „War es komisch für Sie, eine Wehrmachtsuniform zu tragen?“ – „Ich wollte schon immer Filme machen, die die Leute sehen wollen.“ Aha. Nachfragen will Gottschalk nicht.

Dieter Bohlen, Juror bei DSDS.

Die Zapperin fühlt sich beinahe verstanden, als sie kurz zu Bohlen schaltet und dieser einem jungen Mann entgegenknurrt: „Das ist doch alles Hühnerkacke!“ Zurück bei den T(h)ommys hat Cruise seine Wette verloren, und Gottschalk begrüßt Model und Mick-Jagger-Exfrau Jerry Hall und das deutsche Supermodel Toni Garrn. Man kann Gottschalk vorwerfen, was man will, aber wenn er der 1957 geborenen und inzwischen leicht verwelkten Hall erklärt, sie würde ja wohl bald 40, kann das keiner so charmant wie er.

Während Coldplay „Viva la Vida“ spielt, kurz rüber zum Privatfernsehen. Nach den Superstars von morgen kommen jetzt die Möchtegern-Promis von gestern. RTL lässt erst einmal alle schönen Momente der letzten zwei Wochen Dschungel vorüberziehen. Da passiert also noch nichts. Anders im ZDF: Ulrich kann seinem Partner Steffen einen Satz nur über das Wackeln mit den Ohren vermitteln. Dass Ohren so spannend sein können. Umschalten geht nicht, auch wenn Lorielle London gerade einen Aal in den Schwanz beißen sollte.

Die beiden Bodenphysiker gewinnen. „Das war eine Wette auf hohem intellektuellen Niveau, wie sie das bei mir gewohnt sind“, sagt Gottschalk, „aber bei der nächsten sinkt das Niveau gewaltig.“

Das ist das Stichwort, mal wieder im australischen Urwald vorbeizuschauen. Dort sitzt Ingrid van Bergen gerade an ihrer Dschungelprüfung: Ein seltsames Bild, wenn diese Frau mit dem roten Stirnband und den beeindruckenden Tränensäcken andächtig Maden und Heuschrecken die Köpfe abbeißt. Den letzten Gang, ein Paar Känguru-Hoden, schält sie gierig aus dem kleinen Pelzchen und kaut beherzt darauf herum. Der Hoden knackst, Ingrid van Bergen treten die Augen aus den Höhlen: „Ich muss das, was drin ist, erst mal runterschlucken und dann die Haut zerkauen.“ Bei der Zapperin stellt sich leichte Übelkeit ein.

Gottschalk kündigt nun auch seinem Gast Michael Mittermeier das sinkende Wett-Niveau an. Ob das Niveau auch hier ins Hodenlose fallen kann, bezweifelt die Zapperin. Na ja, fast. Zumindest die Körperregion ist die gleiche: Claudia und Maik können Tiere am Geruch des Kots erkennen und lassen den Zuschauer ebenfalls hautnah daran teilhaben. „Ziemlich kräftig, ziemlich vielfältig – das wird der Eisbär sein.“ Im ZDF müssen sie das Zeug zumindest nicht essen. Laut Fernsehprogramm ist die Sendung seit zwei Minuten zu Ende. Zeit also, dass Seal sein Lied singt, die Saalwette durchgehechelt und dann – synchron bei ZDF und RTL – zum TED-Anrufen aufgerufen wird.

Königstitel sind zu vergeben. Jetzt bloß nirgends etwas verpassen! Nico Schwanz ist gerade aus dem Dschungel geflogen. „Wenn man längere Zeit hier drin ist, fällt das Denken schon schwer“, lässt er wissen. Ob das wirklich an der Urwaldluft liegt? Im ZDF hat der Mausefallen-Ausschlecker die erste Krone des Abend gewonnen. Neben ihm freut sich Gottschalk, vielleicht hat ihm sein Knopf im Ohr schon verraten, dass er mit 10,63 Millionen Zuschauer Quotenkönig ist. 7,17 Millionen wollten das Finale von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“, 5,53 Millionen Dieter Bohlens Rüpeleien bei „Deutschland sucht den Superstar“ sehen. RTL ist geschlagen.

Dort sind jetzt noch Ingrid van Bergen und Lorielle London im Camp verblieben. Der Fernsehabend beginnt lang zu werden. Zeit, dass auch hier eine Königin gekrönt wird. „Sie sind bestimmt genauso gespannt wie wir“, behauptet Dirk Bach. Geht so.

Nach unendlichem Vorgeplänkel („Ihr seid zwei ganz außergewöhnliche Frauen“) ist es raus: Ingrid van Bergen wurde vom Publikum zur souveränsten Madenfresserin gewählt. Glückwunsch!

Die Bilder der 77-jährigen Frau, die sich über eine Hängebrücke zu ihrer Dschungelkrönung schiebt, können einen zu dieser späten Stunde fast ein bisschen melancholisch werden lassen. RTL dreht ihr während ihrer Krönungssrede auch noch den Ton ab. Geschafft. Ab ins Bett. Der Wettkönig von „Wetten dass..?“ zaubert der Zapperin beim Einschlafen noch ein Lächeln ins Gesicht. Doch nach van Bergens Krönung träumt sie nie mehr von der Monarchie.

von Katharina Riehl

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