+
Die Black Crowes gibt es nicht mehr, mit seinem Bruder Chris redet er nicht – doch Rich Robinson startet jetzt mit The Magpie Salute durch. 

Rich Robinson über das Ende der Black Crowes und seine neue Band

Jetzt ist die Zeit nach den Krähen

Rich Robinson, Mitbegründer der mittlerweile aufgelösten The Black Crowes, bestückte seine neue Band The Magpie Salute mit alten Weggefährten. Jetzt spielen sie in München – Zeit für einen Anruf in den USA.

München – Keith Richards und Ron Wood von den Rolling Stones sind so ein Gitarristen-Gespann, Brad Whitford und Joe Perry von Aerosmith ebenso – und auch Dickey Betts und Duane Allman der Allman Brothers gaben ihrer Band einen Klang, der sie einzigartig machte. Bei deren musikalischen Erben, The Black Crowes, waren Rich Robinson und Marc Ford dafür verantwortlich. Nun drücken sie The Magpie Salute ihren Stempel auf. Seit Anfang 2015 gibt es die rockende Krähenbande nicht mehr, deren Geschichte von einigen Zwistigkeiten und Personalwechsel geprägt war. Dafür bietet jetzt The Magpie Salute mehr als nur Entschädigung. Das ungewöhnliche Debütalbum, das gerade erschienen ist, vereint Coverversionen von Lieblingssongs wie „Glad and Sorry“ (The Faces) und „Comin’ Home“ (Delaney And Bonnie) mit ausgesuchten Black-Crowes-Nummern und einem ersten eigenen Lied: „Omission“.

Doch auch die Besetzung der Gruppe ist unüblich: Nico Bereciartua, Marc Ford und Rich Robinson stellen die Gitarrenfront; Charity White, Adrien Reju und Katrine Ottosen bilden den Background-Chor; am Piano ersetzt Matt Slocum den kurz nach Abschluss der Aufnahmen verstorbenen Ex-Crowes-Keyboarder Eddie Harsch; Sven Pipien (Bass) und Joe Magistro (Schlagzeug) bilden die Rhythmusgruppe, während sich John Hogg die Position des Leadsängers mit Ford und Robinson teilt. Pipien, Harsch, Ford, White und natürlich Robinson spielten bereits bei den Black Crowes.

Fragt man den Gründer nach der Geburtsstunde seiner Truppe, berichtet er, dass ihm elf Musiker noch lieber gewesen wären. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen sagte der Ex-Crowes-Drummer Steve Gorman fürs zweite Schlagzeug ab. Sehr aufgeräumt erzählt Robinson, dass The Magpie Salute eigentlich eine einmalige Sache hätte sein sollen. Das Studio in Woodstock, in dem Robinsons Solo-Platte entstanden ist, lud ihn ein, drei Konzerte zu spielen, die mitgeschnitten werden sollten: „Ich habe mich entschlossen, bei Marc Ford anzufragen“, erzählt er. „Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, was für ein Geschenk es ist, mit Leuten zu spielen, mit denen ich eine tiefe musikalische Verbindung habe.“ Er vergleicht diese musikalische Synthese mit einer gemeinsamen Sprache, die nur sehr wenige Menschen sprechen. „Ohne zu zögern, sagte Marc zu“, freut sich Robinson, ebenso Eddie Harsch. Für das, was bei den drei Auftritten auf der Bühne geschah, braucht Robinson nur einen Satz: „Es fühlte sich richtig an.“

Mit seinem Bruder Chris spricht Robinson derzeit nicht

Vor allem Harschs Enthusiasmus für das Projekt habe ihn dazu bewogen, über eine Fortsetzung nachzudenken. So entschloss er sich, mit einem Konzert in New York die Nachfrage zu testen – und vier ausverkaufte Abende später gab es The Magpie Salute. Auf die Frage nach einer Veröffentlichung fielen ihm die Aufnahmen aus Woodstock ein: „Wir hatten ein komplettes Album im Kasten. Wieso sollte man es nicht herausbringen?“

Da sich der als in sich gekehrt geltende der Robinson-Brüder als offener Gesprächspartner zeigt, sei auch die Frage nach seinem Bruder Chris gestellt: Hat sich der grundverschiedene Crowes-Sänger, dessen Drogenvergangenheit die Band und die Beziehung der Geschwister maßgeblich beeinflusst hat, zu seiner neuen Gruppe geäußert? „Wir reden nicht miteinander“, antwortet Robinson. „Er ist auf seinem eigenen Trip – und ich glaube, er ist ziemlich unglücklich. Ich habe gehört, dass er sich recht negativ zu den Dingen, die ich mache, geäußert hat.“ Letztlich wünsche er seinem Bruder, glücklich zu werden. „Dann muss er sich auch nicht immer über alles aufregen, was andere Leute machen.“ Wenn es einem gut gehe, stehe man anderen gegenüber zumindest gleichgültig gegenüber – oder wünscht ihnen alles Gute für die Dinge, die sie tun. „Also wünsche ich ihm alles Gute – schließlich liebe ich ihn, er ist mein Bruder.“

Christoph Ulrich

Informationen:

Am Mittwoch, 12. Juli, spielt The Magpie Salute als Gäste von Steve Winwood auf dem Münchner Tollwood, Beginn ist um 19 Uhr; Karten unter Telefon 0700/ 38 38 50 24.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„José Carreras Gala“: Bub aus Bayern wirbt auf Plakat  für Benefizaktion 
Einen langen Weg hat Lucas Schmaderer hinter sich – durch die Hilfe von José Carreras’ Stiftung und der Universitätsklinik Regensburg geht es dem Bub nach seiner …
„José Carreras Gala“: Bub aus Bayern wirbt auf Plakat  für Benefizaktion 
Das Literaturhaus zieht ins Boxwerk
Mit „Das Leben des Vernon Subutex“ hat die Autorin und Regisseurin Virginie Despentes einen wilden, erhellenden und komischen Roman über die französische Gesellschaft …
Das Literaturhaus zieht ins Boxwerk
Samsationell – Paul Maar wird 80!
Heute feiert Paul Maar seinen 80. Geburtstag. Wir haben den Kinderbuchautor und Erfinder des „Sams“ in seiner Wahlheimat Bamberg besucht. 
Samsationell – Paul Maar wird 80!
Andreas Beck wird Resi-Chef
Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle stellte Andreas Beck als neuen Intendanten des Bayerischen Staatsschauspiels vor. Der 52-Jährige folgt auf Martin Kušej, der München …
Andreas Beck wird Resi-Chef

Kommentare