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Der Kerschgeist wirkt bereits: Mit dessen Hilfe – und mit einem Kartentrick luchst der Brandner Kasper (Armin Stockerer, li.) dem Boandlkramer (Michael Schlenger) ein paar zusätzliche Lebensjahre ab.

Jetzt ist Musik im Kerschgeist

München - Beim Opernfestival auf Gut Immling wurde Christian Auers „Der Brandner Kasper – eine bairische Oper“ uraufgeführt. Die Premierenkritik:

Was ist nicht schon alles gemacht worden mit dem „Brandner Kasper“, dieser populären literarischen bayerischen Figur, ausgedacht von Franz von Kobell, ursprünglich für eine 1871 in den „Fliegenden Blättern“ erschienene Kurzgeschichte. Frühe Adaption fürs Theater, Radio-Hörspiele, neue Theaterbearbeitung, Fernsehfassungen bis hin zu großem Kino. Aber eine Oper? Daran hat sich – merkwürdigerweise – noch nie jemand gewagt.

Dabei ist der Stoff um den alten Büchsenmacher, der den Tod beim Kartenspielen austrickst, mit all seiner an E. T. A. Hoffmann gemahnenden Phantasmagorie zwischen Himmel und Erde wie geschaffen für die Musiktheaterbühne. Es gab offenbar niemand, der den richtigen Zugang fand. Das ist nun Librettist Karl-Heinz Hummel und Komponist Christian Auer in beglückender Weise gelungen – wobei gleich gesagt werden muss, dass Regisseurin Verena von Kerssenbrock mit ihrer witzigen und umtriebigen Inszenierung mit viel Liebe zum Detail diese Brandner-Fassung entscheidend belebt.

So wird die breite Bühne auf Gut Immling stets voll genutzt, auch gerne der Durchgang im Parkett samt Publikum einbezogen. In den kurzen verdunkelten Szenenpausen scharen sich mal die Massen des Chores von überall her, mal wandelt sich das Einheitsbühnenbild (Kerssenbrock, Claus Hipp) durch unmerkliches Verschieben einzelner Elemente von der Almlandschaft zur spärlichen Hütte des Brandner. Über allem, auf dem Balkon der Bühne, schaut der Portner (wunderbar bayerisch-grantig und stimmgewaltig: Uli Bauer) mit seinen kleinen Lederhosen-Engeln nach dem Rechten. Drei Glockentürme und eine große Uhr samt (noch) schwingendem Pendel gemahnen an die schwindende Zeit. Leicht kann sich das Publikum in ein uriges Tegernsee versetzen – die Hexen samt Traumgestalten fallen wilder, skurriler aus.

Eine große Stärke der Inszenierung ist, dass die Personen nie verloren scheinen; jede Figur hat eine eigene Körpersprache, wird aber elegant ins Kollektiv einbezogen – der Zuschauer staunt, es entsteht ein dauerhafter Bann: So muss Theater sein. Das geht freilich nur mit den richtigen Darstellern. Armin Stockerer in der Titelrolle und Michael Schlenger als Boandlkramer geben ein herrliches Paar, das sich in Gestik wie Mimik wenig schenkt. Beide Figuren entwickeln eine fühl- und hörbare Beziehung zum Publikum, wobei Schlenger die Rolle eine Nuance mehr lebt. Die drei Hexen liefern mit echter Spielfreude und großer Agilität immer wieder frische Farbakzente, falls die Gefahr zu großer Einseitigkeit droht. Bei mancher Nummer hätte man auf den einen oder anderen choreographierten Tanz verzichten können, aber nie werden diese Element überreizt. So ist der Abend schlicht gut gemachtes, im besten Sinne unterhaltendes Theater. Zwar ist die Aufführung mehr Singspiel mit Musical-Akzenten als Oper, aber es fasziniert, welche Klangfarben Christian Auer gefunden hat: Vor allem Xylophon und Cymbal mischen sich wunderbar in diese Partitur, die Cornelia von Kerssenbrock mit großer Sorgfalt zum Klingen bringt. Sacklzement, a sauguader Obend – großer Jubel.

Weitere Vorstellungen am 15., 21., 26. Juli sowie am 9. August;

Telefon: 080 55/ 90 340.

Von Johann Jahn

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