Sprachen über die Bankenkrise und mehr: Klaus Eberhartinger und Redakteur Christian Deutschländer (re.).

„Jetzt überfallen die Banken uns“

München - „Wir wollen, dass die Leute lachen", sagt Klaus Eberhartinger, „und dann kann man wieder ein bisschen ernster werden". Seine EAV, die Erste Allgemeine Verunsicherung, wechselt seit ihrer Gründung 1977 blitzschnell von Blödelei zu beißender Kritik. Ihre Best-of-Tour führt die Österreicher auch nach Bayern.

Ein Gespräch mit dem 61-Jährigen über Griechen, Gazprom und Gitarren-Würger.

-Respekt. Sie haben vor 26 Jahren mit „Ba-Ba-Banküberfall“ das Lied zur Euro-Krise geschrieben. War das eine prophetische Anwandlung?

Na ja - damals war’s das Lied zur persönlichen Krise. Das hat sich dann ausgeweitet zur europäischen Krise. 1985 musste man noch eine Bank überfallen. Heute gibt es den europäischen Schutzschirm. „Na gut, sag ich, dann zahl ich halt was ein“ - das ist gerade die griechische Formel.

-„Der letzte Scheck ist weg, ich bin nicht liquid“ - hätte auch der letzte Seufzer von Lehman Brothers sein können...

„Auf der Bank krieg’ ich sowieso keinen Kredit...!“ Jetzt haben wir den Überfall der Banken auf uns. Also, ich bin da kein Experte - aber ich sag Euch, ich seh noch kein Licht. Es ist erstaunlich, wie sich unsere Themen nicht verbrauchen, sondern potenzieren. Atomkraft - Hallo! „Burli“ ist aktueller denn je.

-Immerhin: Deutschland steigt aus.

Und ersetzt das durch Gazprom-Leitungen. Ich hab’ den Schröder noch nie so glücklich gesehen! Der hat den Putin so abgebusselt - ich frag mich, ob die nicht privat auch a Bandscherl haben.

-Gehen Ihnen nicht die Feindbilder aus? Nicht mal mehr Jörg Haider ist da!

Jetzt haben wir den Strache, der die Felder der Dummheit erntet. Der Haider hat mich mal verklagt, weil ich ihn einen braunen Arsch genannt habe. Ich habe den Prozess damals verloren, aber nicht wegen dem Wort braun.

-Ist die Welt schlechter geworden in 34 Jahren EAV? Und Sie frustrierter?

Die Schlechtigkeit ist transparenter geworden. Nein, kein Frust, auch keine Müdigkeit. Nur manchmal ein Kopfschütteln über der Einsicht, dass es gar nicht weitergeht. Wissenschaftlich-technisch schon, sozial-ethisch nicht.

-Kritischer, ernster, bösartiger werde die EAV, sagten Sie mal.

Ja, das ist altersadäquater. Wir sind älter geworden.

-Und das Publikum im Schnitt jünger. Viele wollen Schlager hören, keine ernste Sozialkritik.

Ja, mach ma’ schon auch. Vor der „Neue Helden“-Tour hieß es, die Nummern seien zu ernst, zu kritisch - die Tournee war aber eine der schönsten, die wir je gespielt haben. Wenn ich jetzt immer noch kommentarlos die alten Hits runterspielen müsste, hätt’ ich schon aufgehört. In den kritischen Nummern ist das Herzblut des Künstlers drin. „Fata Morgana“ ist eine Blödelei, die leistet man sich, die fettet man mit Gitarren auf.

-Das müssen Sie halt spielen...

Ja, müss’ ma. Lang haben wir es verweigert, dann hat uns das Publikum gesagt: Wir wollen die Hämmer hören.

-Gibt’s eine Chance, dass Gitarrist Thomas Spitzer doch mittourt?

Nein, bei Best-of nie. Er braucht Freiräume. Der Spitzer ist ein verschrobenes, kreatives Genie - was auch schlecht für einen Tourbetrieb ist. Ich versteh’ das, die Routine nagt auch manchmal an mir. Aber ich bin der Frontmann, Publikum ist eine Droge. Bei der nächsten Platte ist er wieder dabei.

-Schreiben Sie schon?

Erst mal net. Der Spitzer hat mir zig Ideen gezeigt. Aber er hat gerade den Hang, seine unerfüllte Rock-Leidenschaft aufleben zu lassen. Er hat g’scheit die Gitarre gewürgt, aber da waren noch wenig Sachen für die EAV dabei.

-Eigentlich wollten Sie im Frühjahr mit Ambros und Fendrich auf der Bühne stehen, als Extra 3. Das ist geplatzt. Schade!

Es war eine Idee für zwei Spendenprojekte. Da kommen halt drei mit Ecken und Kanten zusammen. Dann sind schon vorher die Funken geflogen.

-Zwischen Ambros und Fendrich, per Interview...

Der Ambros hat ein Interview gegeben mit einer Journalistin und nach zwei Glaserl vergessen, dass da dieses Aufnahmegerät auf dem Tischerl liegt. Und zu viel über den Fendrich geschimpft.

-Jetzt ist das Projekt gestorben. Für ewig?

Na ja - gestorben wird meistens für ewig. Sagen wir mal: Es liegt auf Eis. Mir war’s net so unrecht. Ich hätte 22 Songs von Austria 3 auswendig lernen müssen, und die nur acht Lieder von der EAV. In meinem Alter hätte ich drei Monate dafür gebraucht.

Das Gespräch führte

Christian Deutschländer.

Die EAV in Bayern:

Mühldorf 8. Februar; München, Deutsches Theater, 13. Februar; Erlangen 14. Februar; Landshut 20. Februar.

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