Jetzt wird noch mal in die Hände gespuckt

Pathos Transport Theater: - Ein trauriger Countdown: Im Juni 2008 soll das Kasernengelände rund um die Dachauer Straße 110 abgerissen werden. So verkündet es zumindest das mitbetroffene Pathos Transport Theater auf seiner Website. "Aber noch sind wir nicht wirklich informiert, wie's weitergehen soll", klagt Jörg Witte, der künstlerische Leiter. Tatsächlich sind die Pläne der Investoren noch nicht durch; weder Lokalbaukommission noch Stadtplanung können Näheres sagen.

2001, als der Schauspieler Witte nach München kam, weil er von zwölf Jahren "Herumtingelei" in der freien Szene genug hatte, da war das Pathos Transport weniger ein Theater als ein Wohnzimmer-Klub. "Nur irgendwelche jungen, coolen Typen sind da herumgestiefelt und haben gesagt, oh ja, Theater, super!" Sie überließen Witte und seiner Frau, der Schauspielerin Angelika Fink, den Raum kostenlos für vier Tage die Woche, Donnerstag bis Samstag stiegen weiterhin Partys.

Das Konzept der Fünf-Tages-Produktionen entstand, die Textvorlage wich der Performance. Seit Oktober 2004 bestimmen Witte und Fink als "Theater und Company" die Arbeit im Pathos mit Theater, Konzerten, Ausstellungen, Partys, dabei städtisch subventioniert mit 65 000, dann 60 000 Euro. "Es ist ein 24-Stunden-Job", sagt Witte bei aller gutgelaunten Rückschau: "Und wir können davon nicht leben."

Noch wird die Abbruchstimmung nur in Wittes sorgenvollem Stirnrunzeln sichtbar. Der letzte Gastspielabend des europäischen Transportfestivals in der kleinen Mehrzweckhalle steht unmittelbar bevor; schon jetzt zieht Witte begeistert Bilanz: volles Haus, größere Öffentlichkeit, enorme Arbeitsentlastung, dazu eine Menge Kontakte und Finanzierungsangebote für Koproduktionen. Trotz des Erfolges: Nach dem Auftritt der Berliner Truppe TWO FISH am 7. Juni ist mit dem Festival Schluss. Es fehlt am Geld.

Also spuckt das Theater noch einmal in die Hände: Im Herbst haben "Musketiere III" und "Musketiere IV" Premiere, im November das "Traumspiel"-Projekt "Prepared to die", im Februar 2008 koproduziert man mit den "Little Drama Boyz" aus Graz, dazu das eine oder andere Gastspiel. Ein voller Zeitplan, an dessen Ende der Abriss droht. "Grausam schade", seufzt Witte. Und lässt nicht locker in seinen Gesprächen mit dem Stadtrat. Das Pathos als Raum sei etwas Einzigartiges. Der Traum von Jutierhalle/ Pathos als kulturellem Szenezentrum ist schon ausgeträumt. Doch: "Wir brauchen in München ein Performing-Arts-Center. Wir müssen es schaffen, wieder eine Szene zu initiieren, die es durch überregionale und internationale Arbeit Künstlern reizvoll macht, sich hier niederzulassen."

Tel. 089/ 12 11 10 75.

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