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Jimi Hendrix wäre am 27. November 70 Jahre alt geworden.

Jimi Hendrix und seine Konzerte in München

München - Jimi Hendrix hätte am 27. November seinen 70. Geburtstag gefeiert: Grund genug, sich an den Gitarrengott zu erinnern, als er in München weilte.

Kreischendes Feedback, verzerrte Soli, die Saiten mit der Zunge bearbeiten – das hatte die Welt bis dahin so noch nie gehört und gesehen. Jimi machte es möglich. In München ist Hendrix mit seiner Experience (Bassist Noel Redding und Schlagzeuger Mitch Mitchell) dreimal aufgetreten. Im November 1966, als völlig Unbekannter, im Big Apple an der Leopoldstraße. Ein halbes Jahr später war er erneut in diesem Schwabinger Kellerclub zu Gast, und da wussten die Leute schon, was sie erwartet. Mittlerweile waren „Hey Joe“ und „Purple Haze“ als Singles erschienen, beide Songs hatte die Experience auch am 11. März bei ihrem einzigen Auftritt im Beatclub zum Besten gegeben. Und viele Erwachsene, die ihre Kinder vor dem Fernseher sitzen sahen, waren wieder mal entsetzt. Über die „furchtbare“ Musik, über das Aussehen der Bandmitglieder und darüber, dass einer der Musiker, den ihr Nachwuchs anhimmelte, ein Schwarzer war. Heute könnte man ja glauben, dass eine Nummer wie „Hey Joe“ damals die Hitparaden im Sturm erobert hätte. Von wegen. Die beste Platzierung nahm im Juni 1967 „Purple Haze“ mit Platz 18 in den deutschen Charts ein. „Penny Lane“ von den Beatles, „Ha ha Said The Clown“ von Manfred Mann oder „Puppet On A String“ von Sandie Shaw fanden in dieser Zeit hierzulande weitaus mehr Käufer.

Der dritte und letzte Auftritt in München fand am 15. Januar 1969 im Kongresssaal des Deutschen Museums statt. Und es gab gleich zwei Shows mit der Experience. Um 18 Uhr und um 21 Uhr. Der Eintrittspreis lag so bei zehn, zwölf Mark – und wir, drei Freunde, saßen halbrechts vor der Bühne in der dritten Reihe. Ein guter Platz. Was einen heute noch so richtig ärgert: dass man sich die Eintrittskarte damals nicht aufgehoben hat. Die hat wahrscheinlich ein Straßenkehrer am nächsten Vormittag irgendwo zwischen Isar und Ostbahnhof entsorgt. In Erinnerung geblieben ist auch noch die Ansage des mittlerweile legendären Konzertveranstalters Fritz Rau. Der kündigte mit seinem lispelnden Badisch an: „Jimi Hendrix wird über eine Stunde spielen.“ Großes Raunen und Beifall im Saal, denn eigentlich war es zur damaligen Zeit üblich, dass eine Band nie länger als rund dreißig Minuten auftrat. Auch die Stones (1965) und die Beatles (1966) hatten da keine Ausnahme gemacht. Ansonsten ist doch einiges vergessen: Keine Ahnung mehr, was Hendrix auf der Bühne trug. Gespielt hat er wohl „Hey Joe“ und „Voodoo Chile“ von der kurz zuvor erschienenen dritten Langspielplatte „Electric Ladyland“. Und – das hat sich ins Hirn eingegraben – von der zweiten LP „Axis Bold As Love“ hat er leider nur wenige Songs geboten.

Was Jimi heute wohl machen würde mit 70? Auf Tingeltangeltourneen gehen und mit seinen alten Nummern noch Geld einsacken? Monsterkonzerte geben wie die Stones? Oder zurückgezogen irgendwo in Kalifornien leben und sich kaputtlachen über all die Nachahmer, die seit über vierzig Jahren mit seiner Musik die Welt mehr oder weniger beglücken? Aber Jimi Hendrix, am 27. November 1942 in Seattle geboren, ist am 18. September 1970 in London gestorben.

Von Claudius Mayer

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