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US-Folk-Ikone Joan Baez (Archivbild).

Konzert-Kritik

Joan Baez singt Konstantin Wecker auf dem Tollwood

München - US-Folk-Ikone Joan Baez: So war ihr Konzert auf dem Tollwood 2015 in München.

Joan Baez singt Konstantin Wecker. Besser: seine Pazifisten-Ballade Wenn unsere Brüder kommen. Die US-Folk-Ikone widmet sie am Samstagabend in München ihrem Lieder machenden Seelenverwandten, auf Deutsch mit starkem, aber süßem Akzent. Ein Mann in den vorderen Reihen springt auf, applaudiert, grüßt, läuft nach vorn und umarmt die in die Knie gehende Sängerin innig - Konstantin Wecker. Ein besonderer Moment eines großartigen Abends.

Tollwood - alternatives Festival mit politischen Statements („Alles eine Frage der Haltung“). Dass Joan Baez, mittlerweile 74-jährige, ergraute, amerikanische Bürgerrechtlerin und Friedensaktivistin, sich diesen Ort für eines ihrer aktuell fünf deutschen Konzerte ausgesucht hat, ist kein Wunder. Aber ein wahres Glück für die Zuschauer in der ausverkauft-heißen Musikarena. Denn die zierliche Frau hat viele Klassiker, die man von ihr erwartet, dabei: eigene, sogar von ihrem Debütalbum, und Cover, vor allem von ihrem früheren Lebensgefährten Bob Dylan (It’s all over now, Baby Blue). Im Zugabeteil erklingen Imagine, Sag mir, wo die Blumen sind und Blowin‘ in the Wind. Alles schon tausendmal gehört. Aber von Baez vorgetragen - zeitlos schön. Entspannt und doch so kraftvoll.

Ihre Stimme ist immer noch grandios klar. Einmal begleitet sie sich selbst auf der Gitarre, die meiste Zeit wird sie reduziert begleitet von einem Perkussionisten (ihrem Sohn), einer Backgroundsängerin und einem Multiinstrumentalisten. Mit diesem wagt sie dann auch ein Tänzchen und erhält Zwischenapplaus.

Nicht der einzige an diesem Abend. Das Familien-Publikum verfolgt aufmerksam, ehrfürchtig, respektvoll, teils Arm in Arm schwelgend, ist textsicherer als Joan Baez manchmal glaubt und spendet nach knapp zwei Stunden Ovationen. Völlig zu Recht.

Marco Mach

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