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Kabarettist, Schauspieler und Regisseur Jochen Busse.

Buch-Neuerscheinung

Autobiografie vom "Gentleman des deutschen Showbusiness"

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München - Jochen Busse legt jetzt seine Autobiografie "Wo wir gerade von belegten Brötchen reden" vor – als Schauspieler für Bühne, Film und Fernsehen sowie als Kabarettist

Er habe eben Glück gehabt und zur richtigen Zeit die richtigen Leute getroffen, resümiert Jochen Busse immer wieder. Da muss etwas dran sein, wenn man als Schauspieler nie wirklich weg war vom Fenster und mit 74 noch auf der Bühne steht. Moment mal – Schauspieler? Vielen Münchnern fällt beim Namen Jochen Busse vor allem die Münchner Lach- und Schießgesellschaft ein, zu deren Ensemble der gebürtige Iserlohner zwischen 1981 und 1990 gehörte, eine Zeit, die sein Image sehr geprägt hat. Doch Busse hat in seinem Leben viel mehr gemacht als Kabarett, auch wenn die Spottlust seine große Leidenschaft war.

Nachzulesen ist das nun in seiner am Montag erscheinenden Autobiografie „Wo wir gerade von belegten Brötchen reden“, verfasst unter Mitarbeit von Sabine Dultz, ehemals Kulturchefin unserer Zeitung. Stets korrekt gekleidet und gescheitelt, der „Gentleman des deutschen Showbusiness“, wie er schon genannt wurde – Jochen Busse fiel seit jeher auf, obwohl er in seinen Rollen wie kaum ein Zweiter stets die Anzug tragende Normalität verkörperte, eine gewisse Spießigkeit, oft gepaart mit Arroganz. Zuhause abgeschaut hatte er sich das nicht, sein Vater war Unternehmer, der mit einem Metall verarbeitenden Betrieb im Zeitalter modern werdenden Kunststoffs schlicht Pleite machte.

Existenzangst plagte lange Zeit auch den Filius, der ohne Abitur und ohne Geld in der Tasche in die „Sehnsuchtsstadt“ München ging, um Theater zu spielen. Der junge Busse begann als Statist an den Kammerspielen und arbeitete sich unermüdlich nach oben, indem er sich viel abschaute von berühmten Kollegen, ein – trotz gelegentlichen Schauspielunterrichts – leidenschaftlicher Autodidakt, besessen davon, alle „Tricks“ zu lernen, die man braucht, um sein Publikum zum Lachen zu bringen Der Schlaks, der „immer älter sein“ wollte, ließ keine Gelegenheit aus, spielte bei den „Knallfröschen“ mit, war Ensemblemitglied in der „Schmiere“ in Frankfurt am Main, im Münchner „Rationaltheater“ und im Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“, bis ihn der legendäre Kleinkunst-Impresario Sammy Drechsel in den Schwabinger „Laden“ holte.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Busse auch schon Bekanntschaft mit Film und Fernsehen gemacht, wirkte in Sexfilmchen von Typ „Die Jungfrauen von Bumshausen“ mit, verkörperte den Assistenten Siebenlist in der „Mordkommission“ im ZDF. Auch in der Lach- und Schießgesellschaft hörte das Lernen nicht auf. Der Künstler rühmt bis heute Sammy Drechsels Blick fürs Wesentliche, sein Gefühl für Spannungsbögen – und vermittelt dem Leser in dieser Passage des Buches spannende Blicke ins Innenleben der bis heute berühmtesten Kabarettbühne Deutschlands, intim, aber ohne die Kollegen von einst in die Pfanne zu hauen. Auch hier ein Gentleman.

Deutlicher wird Busse, wenn es um die in den Achtzigern noch postulierte Unvereinbarkeit von Kabarett und Comedy im Repertoire ein- und desselben Künstlers geht. So macht er kein Hehl daraus, unter schlechten Kritiken für seine ARD-Reihe „Nur für Busse“ gelitten zu haben. „Unterhaltung ist in Deutschland ,bäh‘, jedenfalls fürs Feuilleton“, bilanziert er bitter. Mitte der Neunzigerjahre sprengte Busse diese Fesseln, ließ sich von RTL engagieren, moderierte „7 Tage, 7 Köpfe“ und wurde zu einem der Lieblinge des Privatfernsehpublikums. Die Sendung sollte eine Art improvisierte kabarettistische Talkshow sein, Produzent Rudi Carrell habe sie jedoch sukzessive durch-„scripten“ lassen, schreibt heute sein damaliger Hauptprotagonist. Die Serie „Das Amt“, in der er einen cholerischen Bürohengst spielte, machte Busse schließlich zum „beliebtesten Arschloch Deutschlands“.

Wer so gefragt war, blickt nicht ohne eine gewisse Eitelkeit auf sein Leben zurück, so wird das eine oder andere zum Meilenstein verklärt, was nicht ganz so bedeutend war, etwa „sein“ Film „Is’ was, Kanzler?“ aus dem Jahr 1984 oder „Drei Mann im Bett“, die „erste Sitcom im deutschen Fernsehen“. Ganz uneitel spricht Jochen Busse dagegen über seine vier Ehen, er habe bei jeder seiner Partnerinnen „wirklich geglaubt, sie sei die richtige Frau fürs ganze Leben“. „Wo wir gerade von belegten Brötchen reden“ ist eine Autobiografie, die viele Schlaglichter wirft auf die Theater-, Kabarett-, Film- und Fernsehlandschaft der vergangenen Jahrzehnte. Ein bisschen Theorie der Schauspielkunst im Allgemeinen und der Komödiantik im Besonderen. Charmant, lebensklug und voller Optimismus.

Jochen Busse:

„Wo wir gerade von belegten Brötchen reden“. Ullstein Verlag, Berlin, 304 Seiten; 19,99 Euro.

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