Zum Joggen in den Ebersberger Forst

- Wenn Mihoko Fujimura heute und morgen im Münchner Herkulessaal beim Wagner-Konzert des BR-Symphonieorchesters unter Mariss Jansons des Meisters Wesendonck-Lieder singt, muss sie nicht von weither anreisen. Die erfolgreiche japanische Mezzosopranistin lebt in München.

"Schon seit elf Jahren", strahlt die Sängerin, die damals zum Studium an die Isar kam, blieb und während ihres ersten Engagements in Graz zur "Wochenend-Münchnerin" wurde. Längst ist sie auf den führenden europäischen Opernbühnen zu Hause und gehört seit 2002 zum festen Inventar der Bayreuther Festspiele.

Gast beim BR-Symphonieorchester: Mezzosopranistin Mihoko Fujimura über Wagner-Partien und Regietheater

Singt sie überhaupt noch etwas anderes als Wagner? "Aber natürlich", lacht die sympathische Künstlerin mit dem kecken Kurzhaarschnitt und erinnert an den Idamante, den sie in der umstrittenen Berliner "Idomeneo"-Inszenierung von Hans Neuenfels übernahm. Aber auch die Azucena oder die Eboli gehören in ihr Gepäck.

Dennoch, Wagner hat sie fest im Griff: So wundert es nicht, dass sie sich als Fricka eine kleine Auszeit gönnt. "Das ist eine zwar kurze, aber komplizierte und kompakte Partie. Ich habe sie oft gesungen und brauche jetzt Abstand, um die Figur etwa im zweiten ,Walküren-Akt bei der Auseinandersetzung mit Wotan aus der Distanz wie ein dritte Person zu beobachten, sie neu zu sehen."

Natürlich gehören auch die Waltraute, die Brangäne - beide sang Mihoko Fujimura auf dem Grünen Hügel - die Venus und die Kundry zu ihrem Repertoire. Heuer "dient" sie rund um Ostern herum dem Wiener "Parsifal", den übrigens Münchens GMD Christian Thielemann dirigiert. Im kommenden Jahr steigt sie dann in Peter Konwitschnys Münchner Inszenierung ein.

Dazwischen absolviert sie ihr Bayreuther Kundry-Debüt bei der Neuinszenierung von Stefan Herheim, die Daniele Gatti dirigiert. "Ich freue mich darauf. Herheim hat mir beim ersten Kontaktgespräch sehr imponiert. Aber vom Konzept verrate ich lieber noch nichts."

Das Wort Regietheater bereitet der Japanerin keine Kopfschmerzen. Zum Problem wird es erst, wenn "das Konzept auf dem Papier stimmt, aber die Realisierung auf der Bühne nicht funktioniert. Spannend ist für mich immer, ob ich auch das Bild, das der Regisseur im Kopf hat sehen und dann auf der Bühne verwirklichen kann." Ihre eigene Kundry hat sie natürlich im Kopf. "Denn es gibt nur eine. Die fußt auf Musik und Text von Wagner." An dieses unantastbare Skelett packt sie dann "Fleisch" und bemüht sich, die psychologischen Überlegungen oder den Bewegungsmodus des Regisseurs damit in Einklang zu bringen. "Ich bleibe auf meinem Teppich - Musik und Text - und versuche, seine Visionen zu erfüllen." Gesanglich ist Fujimuras Credo ebenso klar: Belcanto. Das gilt auch für Wagner.

Amüsiert erinnert sich Mihoko Fujimura an ihr erstes Kundry-Angebot: Sie sprang noch als Studentin als Cover für Vesselina Kasarova in einer Generalprobe beim BR-Symphonieorchester ein. Lorin Maazel dirigierte, August Everding hörte zu und hüpfte hinterher auf die Bühne. Er bot ihr Kundry an.

Was wünscht sich nun eine Sängerin, die mit allen großen Wagner-Partien ihres Fachs reüssiert hat? Sie sehnt sich nach Strauss' Oktavian, seinem "Ariadne"-Komponisten, Mozarts Sesto und Werthers Charlotte. Alle sind schon in Sichtweite. Mehr verrät die Sängerin mit der perfekten Hosenrollen-Figur - "Ich jogge jeden Tag im Ebersberger Forst" - nicht. Und sie wünscht sich Liederabende (Schubert, Brahms, Mahler, Strauss), die sie bisher nur in Japan wagt. "Das ist in Europa schwierig." Sie deutet auf ihre Mandelaugen und lächelt: "Ich glaube, es ist ein Vorurteil. Damals bin ich nach München gekommen, um Lieder zu lernen\xC2

" Zum Glück gibts auch welche von Wagner.

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