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Wäre an diesem Samstag 70 Jahre alt geworden: John Lennon.

Vermarkteter John Lennon: „So ist das Showgeschäft“

John Lennon, einer der legendären Beatles, wäre an diesem Samstag 70 Jahre alt geworden. Das befeuert aufs Neue den Kommerz, der sich von ihm, einem berühmten Toten, nährt.

Man muss sich als Mann ohnehin gut überlegen, welche Lebenspartnerin man wählt. Wenn man berühmt ist, sollte man das besonders gründlich tun. Der selige John Lennon zum Beispiel würde wohl bereuen, diese Yoko Ono gewählt zu haben, wenn er wüsste, was die alles mit seinem Namen so anstellt. Alleine, dass eine CD, die nach seinem Tod erschien, tatsächlich „Working Class Hero“ heißt, hätte ihm Zornesröte ins Gesicht getrieben. Lennons gleichnamiges Lied war 1970 eine sarkastische Abrechnung mit den Klischees und Mythen, die sich damals schon um ihn rankten.

30 Jahre nach seiner Ermordung durch einen geisteskranken Fan ist es noch schlimmer als damals geworden. Dank Lennons Witwe, die unermüdlich an der Legende des Heiligen gestrickt und John Lennon zu einem Zerrbild gemacht hat. Ja, es stimmt, John Winston Lennon, am 9. Oktober 1940 unter deutschem Bombenhagel im nordenglischen Liverpool geboren und später Gründer der größten Popband aller Zeiten, war ein außergewöhnlicher Mensch. Ein Mann der Extreme und einer mit beunruhigenden Abgründen.

Er selbst war immer der Erste, der das eingestand. Er engagierte sich für den Frieden und war doch zeitlebens latent gewalttätig. Er war so ziemlich der erste prominente Feminist überhaupt und behandelte Frauen oft schäbig. Er war sagenhaft großzügig und verschleuderte Unsummen an echte und falsche Freunde. Aber er konnte selbst enge Vertraute ohne Vorwarnung verletzen – seelisch und körperlich.

Lennon war ein wandelnder Widerspruch. Ein Heiliger war er nicht. Er wollte es nie sein. Aber eine Ikone verkauft sich besser als ein Mensch mit Ecken und Kanten. Und nur um das Verkaufen geht es mittlerweile. Selbst wenn man postume Aufnahmen und experimentelle Geräuschkollagen seiner ersten Solo-Platten mitzählt, hat John Lennon als Solo-Künstler weniger als 100 Lieder hinterlassen. Viele davon, das muss man auch als treuer Fan sagen, sind letztlich nicht der Rede wert. Aber es bleiben gut drei Dutzend fantastischer Songs, die seit Lennons Ableben immer und immer wieder neu verpackt zu Jahrestagen auf den Markt geworfen werden.

Zum 70. sind jetzt gleich vier neue CD-Pakete erschienen, darunter die sage und schreibe fünfte „Best of“-Platte. Die Frage, ob man dem Künstler John Lennon damit einen Gefallen tut oder ihn in Wahrheit eher beschädigt, ist offenbar irrelevant. Lennon ist ein Markenzeichen geworden, das auch jene kennen, die nach seinem Tod geboren wurden. Der versonnene Friedensaktivist, der hymnische Lieder über eine bessere Welt singt – dieses Bild wird verbreitet und zu Geld gemacht. Dass Lennon in seinem berühmtesten Solo-Hit „Imagine“ in bestechend schlichten Worten die kommunistische Utopie beschwört, ist in diesem Zusammenhang bittere Ironie. Abgesehen von Elvis und neuerdings Michael Jackson wird mit keinem anderen Toten so viel verdient wie mit Lennon. 2009 hat der Name Lennon, ganz ohne neue CD ungefähr 15 Millionen Dollar in Yokos Haushaltskasse gespült. Dieses Jahr wird es ein Vielfaches werden. Jubiläen lohnen sich.

Passend kommt im November ein Spielfilm über Lennons Jugend heraus. In „Nowhere Boy“ wird eine Art moderne Heilsgeschichte erzählt, die rechtzeitig vor Weihnachten die CD-Verkäufe weiter ankurbeln wird.

Und Lennon? Der hat schon 1974 gesungen: „Alle lieben Dich. Sobald du zwei Meter tief in der Erde liegst. Was soll ich sagen – so ist das Showgeschäft“. Ach, wäre der Mann doch noch unter uns. Der geniale Musiker, der smarte Provokateur, der zynische Kotzbrocken, der naive Himmelsstürmer. Was gäbe man dafür…

Zoran Gojic

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