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John Malkovich in dem Musiktheaterstück „The Infernal Comedy“ als Frauenmörder Unterweger.

Malkovich: Mörder mit Musik

München - Ein Hollywood-Star auf München-Gastspiel: John Malkovich als Verbrecher und Gesellschaftsliebling Jack Unterweger in „The Infernal Comedy“ in der Münchner Philharmonie.

Einem so klugen Schauspieler wie John Malkovich muss dieser Augenblick besonders gut gefallen haben: Er wettert über die technischen Unzulänglichkeiten in der Liederhalle zu Stuttgart, wo er abends zuvor aufgetreten war. Leider habe man kein Geld für eine bessere Ausstattung, habe man ihm erklärt. „Kein Wunder, wenn Ihr Geld diesen verdammten Griechen hinterher werft, statt es in eure Theater zu stecken“, schreit er. Die Menschen in der ausverkauften Münchner Philharmonie jubeln. Und meinen Malkovich. Der freilich spielt in „The Infernal Comedy“ den ignoranten Knastpoeten und Serienmörder Jack Unterweger. Jenen österreichischen Frauenmörder, der im Gefängnis zu schreiben begann und zu einem Star der Literaturszene wurde, zu einem Liebling der Gesellschaft. Und der zwischen Gala-Diners und Fernsehauftritten weitermordete.

Wenn nun Malkovich mit plumpem Vulgärwitz mühelos die Massen für sich einnimmt, ist die Frage, wie es dem Schwerverbrecher Unterweger gelingen konnte, ausgerechnet die Intellektuellen und Mächtigen an der Nase herumzuführen, sofort beantwortet: So furchtbar schwer ist das nicht. Die Menschen wollen verführt werden, und zwar genau von den zwielichtigen Gestalten, die das leben, wozu unsereins nicht den Mut hat.

Die Idee für diesen ungewöhnlichen Abend ist so einfach wie bestechend: Unterweger taucht nach seinem Selbstmord 1994 post mortem wieder auf, um sein letztes Buch zu bewerben, in dem er endlich die Wahrheit über sich enthüllt. Eine Höllenfahrt durch die Lebensgeschichte eines Blenders, Lügners und Zynikers. Passend dazu spielt das Orchester Wiener Akademie ausgewählte Arien und fungiert dabei wie eine Art antiker Chor, der das Geschehen kommentiert. Ein ambitionierter Ansatz, der mit beachtlicher Verve umgesetzt wird. Die subtile und dabei prägnante Darbietung des Orchesters, die emotionale Tiefe der Musik von Vivaldi, Mozart oder Beethoven kontrastiert perfekt zum flamboyanten Spiel von Malkovich, der Unterweger als seelenentkernten Narziss porträtiert, der nichts empfindet außer Selbstmitleid – so wie alle gemeingefährlichen Soziopathen. Malkovich reißt den Abend an sich – so rücksichtslos, egozentrisch und auch charmant, wie Unterweger seinerzeit Austrias High Society betörte. Malkovich spricht Michael Sturmingers luziden Text (auch Regie) in einem großartig steirisch gefärbtem Englisch und lässt seinen Unterweger das tun, was alle Möchtegerns tun – sich als Shakespeare’schen Schurken gerieren.

Wenn er mit Scheinphilosophie über das Wesen der Frau schwadroniert und so seine Verachtung für das schöne Geschlecht rechtfertigt, ist das deswegen so hinterhältig, weil sich der moralbefreite Unterweger unverblümte Gemeinheiten leisten kann, die jeder schon einmal gedacht, aber eben nie ausgesprochen hat. Das allerdings ist ein Merkmal von Zivilisation, und Unterweger war kein zivilisierter Mensch – gerade das zog ja fatalerweise ausgerechnet die feinen Damen Wiens an. Die herablassende Beiläufigkeit, mit der Malkovich auf der Bühne Frauen stranguliert, löst mehr Unbehagen aus, als es Hektoliter Theaterblut je könnten. Wie er überhaupt mit fast schon wieder aufreizender Virtuosität das Geschehen in jeder Sekunde beherrscht und die Inszenierung mit seiner Präsenz zusammenhält.

Umso bemerkenswerter, dass die Sängerinnen Bernarda Bobro und Kirsten Blaise nicht nur makellos singen, sondern mit Malkovich auch schauspielerisch mithalten. Ein großer Wurf.

Zoran Gojic

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