Er klingt nach Johnny Cash – und passt perfekt in die Rolle des Country-Machos: Nils-Holger Bock. Foto: Bernd Böhner

Johnny Cashs turbulentes Leben

München - Die Komödie im Bayerischen Hof: Musik und Schauspieler trösten über Oberflächliches in „Johnny Cash - The Man in Black" hinweg

von zoran gojic

Lustig ist es ja dann doch, dass ausgerechnet jenes Lied, das diesem Stück den Titel gibt und in dem Johnny Cash sein Image als aufrechter Außenseiter festgeschrieben hat, gar nicht vorkommt. Sei’s drum, es gibt dafür viele andere schöne Songs von Cash und in diesem Zusammenhang die gute Nachricht vorweg: Es klingt auch nach Johnny Cash, wenn Nils-Holger Bock „Folsom Prison Blues“ oder „Walk the Line“ singt. Und mit seiner kantigen Erscheinung passt er auch perfekt in die Rolle des Country-Machos.

Der Einzige, der Bock bei der Premiere von „Johnny Cash - The Man in Black“ in Münchens Komödie im Bayerischen Hof ab und an die Show zu stehlen vermag, ist der musikalische Tausendsassa Roland Heinrich, der in fünf verschiedenen Rollen auftritt und zudem die Musik für dieses Stück arrangiert hat. Man übertreibt nicht, wenn man in eben diesen Arrangements den Grund für den Erfolg des Musicals sehen kann, das bereits seit Jahren erfolgreich durch Deutschland unterwegs ist.

Denn Heinrich, selbst versierter Country-Musiker, hat aus der Not eine Tugend gemacht und die Beschränkungen der Produktion clever genutzt, um die Lieder von Cash wunderbar minimalistisch zu arrangieren, was ja den Ursprüngen - und dem Spätwerk - des Musikers sehr gerecht wird. Die exzellente Band spielt prägnant und vital - man darf vermuten, dass es dem Meister selbst gefallen hätte.

Ob das für die Inszenierung gelten würde, ist eher fraglich. Immerhin: Autor und Regisseur James Lyons hat es sich nicht so leicht gemacht, das turbulente Leben des Helden als plattes Epos auf die Bühne zu heben. Armer Hinterwäldler, der zum Weltstar wird, in die Drogenhölle abstürzt und durch die große Liebe seines Lebens sowie den christlichen Glauben geläutert wird - das ist zwar tatsächlich die Lebensgeschichte des John R. Cash. Verkürzt auf zwei Stunden kann die aber leicht wie eine Seifenoper wirken.

Lyons inszenatorischer Ansatz ist ambitionierter, er zeigt ausgewählte Schlüsselmomente, die jeweils mit bestimmten Liedern aus Johnny Cashs gewaltigem Opus assoziiert werden. Diese sind geschickt ausgesucht, und so wird man Zeuge einer Art Entwicklungsroman, erzählt vom Helden selbst. Das gelingt in der ersten Hälfte, die sich um Jugend und erste Karriereschritte dreht, sogar recht ansprechend, nicht zuletzt wegen des wirklich guten Ensembles. Aber sobald es um Drogensucht, die Gefahren des Ruhms und die große Liebe zur „Woman In White“, nämlich Cashs Ehefrau June Carter geht, wird es wahlweise kryptisch oder oberflächlich.

Dank der Musik und der engagierten Schauspieler nimmt man es klaglos hin und genießt Cashs Lieder. Ein kurzweiliger Abend, aber kein großer.

Weitere Vorstellungen bis 19. Februar; Telefon 089/ 29 16 16 33.

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