+
Großes Hallo in Zürich, als Johnny Depp beim Filmfestival eintraf.

Hollywood-Star zu Gast beim Zurich Film Festival

Johnny Depp: So habe ich Jack Sparrow erfunden

  • schließen

Fast 80 Euro kostete in Zürich ein Ticket für das Publikumsgespräch mit Johnny Depp. Der medienscheue Hollywood-Star plauderte eine Stunde lang entspannt über seine Arbeit und seinen größten Erfolg, die „Fluch der Karibik“-Reihe.

Ein spektakulärer Coup gelang dem Zurich Film Festival mit der Verpflichtung von Johnny Depp: Der medienscheue Megastar präsentierte in der Schweizer Metropole nicht nur die Weltpremiere seines neuen Films „Richard says Goodbye“, sondern ließ sich sogar zu einem einstündigen Publikumsgespräch überreden. Die umgerechnet fast 80 Euro teuren Tickets waren innerhalb von fünf Minuten ausverkauft, und die glücklichen, überwiegend jungen und weiblichen Kartenbesitzer im brechend vollen Zürcher Filmpodium erlebten einen gut gelaunten Akteur, der mit Moderator Steven Gätjen locker über seine Karriere plauderte – und nach einer Viertelstunde sogar seine Sonnenbrille ablegte. Gleich zu Beginn verblüffte der 55-Jährige mit dem Geständnis, dass er die meisten seiner Filme gar nicht kenne: „Ich schaue mir mein Zeugs lieber nicht an. Es ist mir unangenehm, mich selbst auf der Leinwand zu sehen.“ Ausführlich sprach er über seine berühmteste Rolle, die des durchgeknallten Piraten Jack Sparrow in der „Fluch der Karibik“-Filmreihe. Der Erfolg habe ihn völlig überrascht, weil er zuvor als Darsteller 20 Jahre kommerziellen Scheiterns erlebt habe. Dass Sparrow zu einer Ikone wurde, läge wohl daran, dass er eine anarchische Seite des Menschen verkörpere, die man normalerweise nicht ausleben könne: „Würden wir uns im wirklichen Leben so respektlos verhalten wie er, kämen wir nie ungeschoren davon.“

Video: "Fluch der Karibik" – Neuauflage ohne Johnny Depp?

„Ich schaue mir mein Zeugs lieber nicht an“

Die Produzenten des Disney-Konzerns hätten sich bei der Filmfigur eigentlich einen harmlosen, heiteren Säbelrassler vorgestellt. „Aber ich hatte andere Pläne“, sagte Depp grinsend in Zürich. „Mein Jack Sparrow wurde in der Sauna geboren.“ Ungläubiges Staunen im Auditorium, dann fuhr der Schauspieler fort: „Ich dachte mir, dieser Typ hat sein ganzes Leben in der prallen Sonne an Deck auf hoher See verbracht – da hat die Hitze doch bestimmt sein Hirn verbrannt. Also habe ich meine Sauna auf ungefähr 1000 Grad erhitzt und mich so lange hineingehockt, bis meine Birne weichgekocht war und ich mich so fühlte wie er. So habe ich Jacks spezielle Sprechweise gefunden – und den seltsamen Gang dieses Mannes, der sich auf einem schwankenden Schiff wohler fühlt als auf dem Land.“

Ist Jack Sparrow schwul?

Geradezu diebisch freut sich Depp, dass seine Darstellung des Piraten damals bei den Disney-Bossen blankes Entsetzen auslöste. „Sie fragten mich: ,Was zum Teufel ist los mit diesem Sparrow? Ist er geisteskrank? Besoffen? Oder schwul?‘ Und ich antwortete: ,Wussten Sie nicht, dass alle meine Filmcharaktere schwul sind?“ Daraufhin seien die Fragen verstummt, erzählte er. Manchmal habe jemand am Set fassungslos gerufen: „Das steht doch gar nicht im Drehbuch!“ Das habe ihn indes jedes Mal dazu angespornt, noch eine Spur flippiger zu agieren. Ein Höhepunkt für ihn sei der Wutausbruch des damaligen Disney-Chefs Michael Eisner gewesen, der gebrüllt habe: „Dieser Depp ruiniert meinen Film! Man versteht ja kein Wort von seinem Gebrabbel! Da braucht man ja Untertitel!“

Depps Lieblingsregisseur ist Tim Burton

Der Frauenschwarm geriet ins Schwärmen, als er über seinen Lieblingsregisseur Tim Burton sprach, mit dem er bislang neun Filme gedreht hat, darunter „Edward mit den Scherenhänden“ und „Sleepy Hollow“. „Vielleicht verstehen wir uns deshalb blind, weil wir beide leicht stottern“, vermutet er. „Wenn er mir am Set ein paar Satzbrocken hinwirft und die anderen keine Ahnung haben, wovon er redet, weiß ich sofort, was er meint.“ Tatsächlich fiel auch in Zürich auf, dass Depp nicht so eloquent artikuliert wie beispielsweise Emma Thompson; sein Redefluss geriet sehr häufig ins Stocken, und bisweilen erinnerte seine Aussprache gar an das Nuscheln, Murmeln und Lallen von Sparrow. Dabei spielte er im Filmpodium immer wieder auf hinreißende Weise mit seinem Image des bösen Buben, der gern dem Alkohol frönt – als er etwa an seinem Wasserglas nippte, meinte er trocken: „Das ist ja Wodka!“

Der Songtitel, der sein Leben beschreibt?  „What a lucky Dick!“

Eine enge Freundschaft habe ihn auch mit dem 2005 freiwillig aus dem Leben geschiedenen Schriftsteller und Drogenexperten Hunter S. Thompson verbunden, dem er mit den Romanverfilmungen „Fear and Loathing in Las Vegas“ und „Rum Diary“ seine Ehrerbietung erwies. Auf dessen Ranch habe Thompson ihn einmal nachts um halb vier dazu aufgefordert, mit einer Schrotflinte auf einen Propangas-Tank zu zielen, erzählte Depp. „Und als daraufhin ein 25 Meter hoher Feuerball in den Nachthimmel jagte, lobte er mich: ,Guter Schuss, Mann!‘“

Irgendwie beruhigend, dass es Leute gibt, die noch ein bisschen verrückter sind als Johnny Depp. Der exzentrische Lebemann wirkte bei diesem Publikumsgespräch geradezu zahm, vernünftig und bescheiden. Auf die Frage, welcher Songtitel am besten zu seinem Leben passen würde, antwortete er schließlich: „What a lucky Dick!“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kerstin Ott und Ehefrau: Familienzuwachs! Sängerin verkündet wundervolle News
Kerstin Ott wird gerade auf Instagram von Glückwünschen überhäuft: Die Schlagersängerin und ihre Frau haben Familienzuwachs bekommen!
Kerstin Ott und Ehefrau: Familienzuwachs! Sängerin verkündet wundervolle News
Gute Bücher zu Weihnachten verschenken: Sieben Empfehlungen unserer Redaktion
Manche behaupten, ein Buch sei ein einfallsloses Weihnachtsgeschenk. Stimmt nicht. Unsere Redakteure haben bezaubernde, starke, mutige Bücher gelesen, die auf eine …
Gute Bücher zu Weihnachten verschenken: Sieben Empfehlungen unserer Redaktion
Tiroler Festspiele in Erl: Vorletzte Runde der alten Zeitrechnung
Gustav Kuhn ist weg, dafür gibt‘s Promi-Ersatz: Die Tiroler Festspiele stehen vor dem Winter-Durchgang und vor einem Neubeginn.
Tiroler Festspiele in Erl: Vorletzte Runde der alten Zeitrechnung

Kommentare