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Seine Reise führt Jonas Gernstl auch zu Annie, die ihrem Herzen gefolgt ist und sich den Traum vom eigenen Möbelgeschäft erfüllt hat.

Film über einen Besuch bei Facebook-Freunden:

„Ich will mit keinem tauschen“

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Das Beste an seinem Film sei, dass man die Idee in einem Satz erklären könne, sagt Jonas Gernstl. Der Regisseur hat für seine Abschlussarbeit an der Münchner Filmhochschule einige seiner Facebook-Freunde besucht, um zu erfahren, ob ihr Leben so glücklich ist, wie es im Internet scheint. „665 Freunde“ feiert an diesem Donnerstag auf dem Münchner Dok.fest Premiere und wird auch im BR-Fernsehen ausgestrahlt. Für den 33-Jährigen, der in die Fußstapfen seines Vaters Franz Xaver Gernstl („Gernstl unterwegs“) tritt, ist der Film Schlusspunkt einer erkenntnisreichen Reise, wie er im Gespräch erzählt.

-Wie viele Ihrer 665 Facebook-Freunde kennen Sie persönlich?

Etwa 95 Prozent. Klar muss ich beim einen oder anderen etwas länger nachdenken, aber wenn ich sie so durchgehe, komm ich meistens drauf.

-Wie aktiv sind Sie selbst auf Facebook?

Ich bin eher voyeuristisch unterwegs und schaue, was die anderen so machen. Ich selbst poste höchstens alle zwei bis drei Monate mal was. Facebook ist für mich in erster Linie ein Kommunikationsmittel.

-Sie konnten für Ihren Dokumentarfilm nicht alle 665 Freunde besuchen – wie schwer fiel die Auswahl?

Gar nicht. Nach zwei Stunden, in denen ich mich durch die Freundesliste gearbeitet habe, wusste ich, wen ich treffen will. Das waren alles Leute, bei denen ich eine coole Geschichte vermutet habe oder an denen ich irgendwas beneide. Dieser Vergleich des eigenen Lebens mit dem der anderen war ja auch der Antrieb der Geschichte.

-Ist das nicht der Fluch dieser Plattform? Dass wir uns ständig vergleichen und gegenseitig bewerten?

Ich glaube, dass wir das immer tun und Facebook nur ein griffiges Bild dafür ist. Unsere ganze Gesellschaft schaut nach links und rechts, um zu sehen, was die anderen machen. Die Leute früher haben das wahrscheinlich auch getan – mit dem Unterschied, dass ihr Umfeld überschaubarer war. Heute leben wir in einem komplexen Netzwerk, in dem man von vielen Menschen recht Privates mitkriegt. Und vor allem nur die positiven Seiten des Lebens.

-Im Film sagen Sie, dass dadurch eine gewisse Unzufriedenheit bei Ihnen entstanden sei…

Das stimmt. Ich glaube, dass man diese Illusion intellektuell durchblickt, aber nicht emotional. Es stellt sich schnell das Gefühl ein: Müsste ich nicht mehr machen?

-Ist Unzufriedenheit ein Motor?

Für mich schon. Gerade wenn man jung ist, braucht man diesen Hunger, einen gewissen Biss, der einen weiterbringt. Aber ich habe auch immer Leute beneidet, die es schaffen, die Balance zu halten, die im Hier und Jetzt glücklich sind. Das ist nicht gerade meine Stärke.

-Nach den Erfahrungen im Film – mit welchem Ihrer Freunde würden Sie gern tauschen?

Mit keinem. Das war ein bisschen wie in der Janosch-Geschichte „Oh, wie schön ist Panama“. Am Ende der Reise war ich mit dem, was ich habe, ganz zufrieden. Regie ist für mich der beste Job, den man machen kann. Ich würde nicht lieber Jogginghosen oder Outdoor-Abenteuer verkaufen.

-Die Art, wie Sie Gespräche führen, hat viel Ähnlichkeit mit der Ihres Vaters Franz Xaver Gernstl. Wie stark hat er Sie geprägt?

Ich hab in den vergangenen zehn Jahren in seiner Filmproduktion Megaherz gearbeitet und viel Schnittregie für ihn gemacht. Da hab’ ich mir natürlich einiges abgeschaut und gelernt, dass man Geduld braucht, um Leute zum Reden zu bringen. „665 Freunde“ ist dem ähnlich, was er sonst macht. Wir besuchen Leute und erzählen ihre Geschichten. Und trotzdem habe ich versucht, mein eigenes Ding durchzuziehen.

-Hat Sie das Filmemachen schon als Kind interessiert?

Mein Papa behauptet, nein. Er sagt, dass ich mir nie anschauen wollte, was er gemacht hat. Aber ich glaube, das stimmt nicht.

-Tauschen Sie sich viel aus?

Total. Mein Vater hat den Film ja mitproduziert. Ich habe ihn beim Schnitt gern dazugeholt. Spannend wird’s, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Dann mischen sich die Positionen. Er als Produzent, ich als Regisseur, er als Vater, ich als Sohn. Da kommt man in ein Lehrer-Schüler-Fahrwasser, aber erstaunlicherweise kriegen wir’s am Ende immer ganz gut hin.

-In zehn Jahren wollen Sie Ihre Facebook-Freunde noch einmal besuchen – machen Sie sich Gedanken, wie Ihr eigenes Leben dann aussehen wird?

Karrieremäßig nicht. Ich hab das Gefühl, dass ich mit meinen Fernsehjobs ganz gut über die Runden komme. Ich würde gern in den nächsten Jahren eine tolle Frau finden und Kinder haben. Im Grunde ganz konservativ.(Lacht.) Familie wäre auf einer ganz anderen Ebene eine Herausforderung.

„665 Freunde“

läuft am Donnerstag, 20 Uhr, sowie am Freitag, 9.30 Uhr, in den Münchner City-Kinos; Restkarten an der Kinokasse.

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