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Jopie lernt eisern für seine Rolle im „Jedermann“. Als Gott steht er ab 11. Juni in Stuttgart auf der Bühne.

Wie aus Jopie Gott wird

Stuttgart - Der 105 Jahre alte Johannes "Jopie" Heesters bereitet sich derzeit auf seine neue Rolle vor: Er wird beim "Jedermann" in Stuttgart auf der Bühne stehen.

Er kann es einfach nicht lassen. Das Theater, die Bühne, das Publikum – sie sind das Lebenselixier von Johannes „Jopie“ Heesters. 105 Jahre ist er nun alt – jung hält ihn seine Leidenschaft, das Schauspielern. Jetzt wird aus Jopie Gott. Die Rolle ist Teil des berühmten „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal. Das Stück feiert am 11. Juni im Alten Schauspielhaus in Stuttgart Premiere. Mit dabei: Jopie. 30 Minuten muss er allabendlich – außer sonntags – bis 24. Juli auf der Bühne stehen.

Ein Kraftakt für den betagten Schauspieler, körperlich wie psychisch. Wird er das durchhalten? Seine Ehefrau Simone Rethel erzählt: „Mein Mann sagt immer, das ist mein Beruf, es ist wunderbar, und deshalb schaffe ich es auch.“ Das hat er auch Ende letzten Jahres gesagt, als er im Winterhuder Fährhaus in Hamburg als Kaiser Franz-Joseph im „Weißen Rössl“ auftrat. Damals musste er sein Engagement für zwei Wochen unterbrechen. Die Bühne, ein Aufritt bei „Wetten, dass..?“ und ein Gerichtsstreit wurden zu viel für ihn.

Den „Jedermann“ will er nun durchziehen. Seit Wochen lernt er seinen Text. Nicht wenig ist das – gut über sechzig Zeilen. „Es ist ein wahnsinnig schwerer Text, doch mein Mann ist ganz diszipliniert dabei“, erzählt Rethel. Sie muss es wissen, denn: Seine Frau ist es, die mit ihm tagtäglich den Text lernt. Lesen kann er nicht mehr, also muss es ihm jemand vorlesen. „Das mache meistens ich oder Freunde und Bekannte“, so Rethel.

In den letzten Tagen fiel dem Grandseigneur der Bühne das Lernen leichter: Bei frühlingshaften Temperaturen saß er im Garten seines Starnberger Hauses und versetzte sich in die Rolle. „Die Proben beginnen am 4. Mai, bis dahin kann er den Text“, weiß Rethel. Mehrmals am Tag wird gelernt, nur unterbrochen von Jopies täglichem Muskeltraining, den Mahlzeiten und den Ruhepausen.

In die Rolle schlüpft Jopie nicht zum ersten Mal. Bereits 2004 mimte er Gott in einer „Jedermann“-Inszenierung vor dem Kölner Dom. „Doch den meisten Text hat er vergessen.“ Und womit belohnt sich Jopie für die viele Lernerei? „Wie ich meinen Mann kenne, wird er sich sicher nach der Premiere eine Zigarette gönnen. Seit drei Wochen hat er schon nicht mehr geraucht. Das heißt aber nicht, dass er ganz aufgehört hat.“ Rethel hat übrigens auch ein neues Projekt: „Ich schreibe an einem Buch. Das hat allerdings nichts mit meinem Mann zu tun.“ Der darf sich kurz nach seiner „Jedermann“-Premiere eine tolle Geburtstagsüberraschung einfallen lassen. Denn am 15. Juni feiert Simone Rethel 60. Geburtstag.

Von Maria Zsolnay

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