+
Josef Hader sprach mit dem Merkur über sein Regiedebüt.

Kabarettist im Interview

Josef Hader versucht sich jetzt als Regisseur

München - Josef Hader (53), österreichischer Kabarettist, Drehbuchautor und Schauspieler, bereitet sich gerade auf seine erste Regie-Arbeit vor.

Gerade erschien die „Brenner-Box“ – alle vier Fälle von Detektiv Brenner auf Blu-ray vereint (Dt. Vertrieb Majestic Home Entertainment, Österr. Vertrieb Hoanzl). Josef Hader spielt darin den Brenner so unnachahmlich, dass er Kultstatus erreicht hat. Der 53-Jährige ist einer der erfolgreichsten Kabarettisten, Autoren und Schauspieler Österreichs und hat schon so ziemlich alle Preise seines Berufs gewonnen – von Adolf-Grimme-Preis bis Deutscher Fernsehpreis. Ins Kaffeehaus in Wien kommt er völlig uneitel, bestellt einen G’spritzten und fängt an zu plaudern. Über die Wirkung von Kabarett, das Komische im Tragischen – und die positive Seite der eigenen Sterblichkeit.

-Sie wagen ein neues Projekt – Ihre erste Regiearbeit, „Die wilde Maus“...

Ja, nächste Woche ist Drehbeginn. Es ist der erste Film, bei dem ich mich als Regisseur versuche. Ich hab’ gar nicht gewusst, wieviel Vorbereitung das ist. Dafür ist es eigentlich schlecht bezahlt. Also man ist auf alle Fälle schlechter bezahlt als als Schauspieler. (Lacht.)

-Worum geht’s?

Eh was man erwartet, eine Tragikomödie in Wien. Sie handelt von einem Kritiker für klassische Musik, der von seiner Zeitung entlassen wird und dann einerseits kleine Terrorakte verübt gegen den Chefredakteur, der ihm gekündigt hat. Andererseits hat er nicht den Mut, es daheim zu sagen. Da wartet eine jüngere Frau, die dringend auf den letzten Drücker ein Kind will von ihm. Also er steht von allen Seiten unter Druck und verbringt seine Zeit, die er angeblich in der Arbeit ist, im Prater. Da gerät er dann auch noch in ein Schlamassel. Es ist eine ziemliche Abwärtsspirale.

-Klingt so, als würde es wieder schwarzhumorig – eben typisch Josef Hader...

Es ist auch eine Satire über die Bewohner der Wiener Innenstadtbezirke. Über dieses neue liberale, grün angehauchte Bürgertum, das sich selbst für etwas ganz Aufgeklärtes und sich in Bewegung Befindliches hält. Obwohl das in Wahrheit ziemlich träge, in sich ruhende, selbstzufriedene Säcke sind.

-Wie gelingt es, nicht träge und satt zu werden, wenn man gut abgesichert sein Dasein fristet?

Da hab’ ich auch kein Rezept, ich bin ja auch ständig in Gefahr. Ein wenig hilft mir das Älterwerden dabei, nicht völlig zu versumpfen. Ich hab’ die Erfahrung gemacht, dass mich die weniger werdende Lebenszeit dazu bringt, ein paar Dinge anzugehen, für die ich vorher zu faul war. Seit meinem ersten Film als Drehbuchautor und Schauspieler – und das ist über 20 Jahre her – wollte ich einen eigenen Film machen, bei dem ich auch selber Regie führe. Jetzt komm’ ich langsam in die Jahre, wo man es grad noch machen kann, bevor man zu dement für so eine neue Aufgabe wird. Dadurch ist es mir gelungen, den inneren Schweinehund zu überwinden und dieses Projekt anzugehen.

-Kommen Sie nebenher noch zum Kabarett?

Ich möchte vorher den Film fertig kriegen und erst dann ein Programm machen. Lust drauf hab’ ich. Weil doch Dinge in Bewegung gekommen sind, die man sich vor ein paar Jahren nicht vorstellen konnte. Die Entwicklungen etwa in der Flüchtlingsfrage werden zunehmend dynamischer, was einem Angst machen kann – oder man begreift es auch als Chance.

-Was ist die Chance?

Das Positive könnte sein, dass die entwickelten Länder es sich nicht mehr leisten können, die unterentwickelten Länder in völliger Hoffnungslosigkeit zu lassen so wie bisher. Weil die dann irgendwann alle zu uns kommen wollen. Und so könnte es für die reichen Länder plötzlich attraktiv sein, die armen viel stärker als bisher zu unterstützen. Da könnte sich vielleicht eine Art Umverteilung abspielen, das wäre die beste denkbare Entwicklung. Es kann aber auch ganz schlimm werden.

-Entsteht da gerade etwa ein neues Programm in Ihrem Kopf?

Nein, für Kabarett wäre das zu abstrakt, da muss man eine Geschichte dazu erfinden. Das ist eher das, was ich mir als Bürger denke. Ich wehre mich dagegen, Dinge nur schlecht zu sehen. Ich möchte ja nicht enden als jemand, der sagt, früher war alles besser.

-Wie schwer ist es als Kabarettist, solche Themen anzugehen?

Darin besteht ja der Reiz, sich an Themen zu versuchen, die eigentlich schwierig sind. Wo man zunächst meint, sie seien dem Humor nicht zugänglich.

-Um aufzurütteln?

Aufrütteln, hm. Ich glaube nicht, dass Kabarett das kann. Aber ich mache gern Programme, aus denen man mit ein paar Fragen mehr hinausgeht.

-Sie glauben, Kabarett kann nicht aufrütteln?

Ich glaube auch nicht, dass man die Leute mit Kunst wirklich verbessern kann; oder dass ein Kabarett Fragen beantworten sollte. Ich glaub’, die Aufgabe von Kunst besteht eher darin, die Leute in ihrer Sicherheit etwas durcheinander zu bringen.

-Aber rüttelt das nicht auf, wenn meine Sicherheit ins Wanken gerät?

Aufrütteln wäre mir ein bisschen ein zu starkes Wort dafür. Aufrütteln, das machen ja deutsche Bundespräsidenten, die halten aufrüttelnde Reden, aber ohne Wirkung – das haut ja bei denen auch nicht hin.

-Was ist dann Ihre Aufgabe als Kabarettist?

Kabarett ist eine Kunst wie jede andere. Kunst hat verschiedene Funktionen. Sie kann nachdenklich machen, sie kann eine Art Labor sein für zukünftige Meinungen und Ideen. Sie kann unterhalten. Kunst kann und darf alles Mögliche.

-Oft geht es im Kabarett um Kommunikationsprobleme. Wie auch in Ihrem neuen Film...

Ja, auf alle Fälle. Da geht’s um Leute, die nicht reden können, die ihren engsten Mitmenschen nicht sagen können, was sie bewegt – und um die Fremdheit, die dadurch entsteht. Klingt fast nach einem Ingmar-Bergman-Film. Es sind bei mir ja auch keine anderen Themen als in den schweren Art-House-Filmen.

-Aber lustiger...

Manchmal auch trauriger, weil man in einer Tragikomödie den Figuren als Zuschauer oft näher ist als in einem richtigen österreichischen Art-House-Film. Dort schaut man oft nur den Spießbürgern zu, wie dumpf und blöd sie sind. Ohne Anteilnahme, aber in schönen kalten Bildern. Und bekommt als liberaler städtischer Kinogänger ungefähr die gleiche Selbstbestätigung wie ein Spießbürger im MDR-Abendprogramm. Sie sehen, österreichischer Art House ist nicht gerade meine Lieblingsrichtung.

-Sie lassen Ihre Tragikömodie am Ende aber positiv ausklingen.

Ja, das Ende des Films ist bei mir immer positiv, weil die Leute überleben.

-Moment – das Überleben ist schon das Positive?

(Grinst.) Das ist das Happy End. Man muss die Geschichte so tief hinuntertreiben, dass alle Zuschauer schon sehr glücklich sind, wenn die Figuren auch nur überleben.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Draußen rattern Züge über die marode Brücke, drinnen spielen sich die fünf junge Münchner „The Whiskey Foundation“-Musiker den Blues, Rock und Soul der 60er Jahre aus …
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare