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Joy Denalane widmet sich auf ihrem neuen Album ihrer Heimatstadt Berlin.

Interview zum neuen Album „Gleisdreieck“

Joy Denalane: Ich lasse die Menschen in meine Seele blicken

München - Ende April tritt Joy Denalane in der Muffatthalle auf, um ihr viertes Album „Gleisdreieck“ zu präsentieren. Wir trafen die Sängerin vorher zum Interview.

Die Mischung aus angloamerikanischem R&B, afrikanischer Musik und deutschen Texten war bei Joy Denalanes Debüt-Album Mamani 2002 noch ein recht neuer Sound für Deutschland. Die Tochter eines Südafrikaners und einer Heidelbergerin, aufgewachsen in Berlin, hat seitdem vier Alben herausgebracht. Am Freitag erscheint ihr sechstes: Gleisdreieck. Am 27.4. stellt sie es in der Muffathalle vor.

Frau Denalane, bei „Mamami“ gingen Sie Ihren afrikanischen Wurzeln nach. Und jetzt folgen die Berliner Wurzeln?

Joy Denalane: Es war nicht mein Ausgangspunkt, eine Zu-Hause-Platte zu machen. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich schon viele Lieder geschrieben hatte und mich hinsetzte, um eine Auswahl zu treffen. Da ist mir erst aufgefallen, dass ich beim Songschreiben Stationen besucht habe, an denen ich schon länger nicht war.

Wie kam es zum Titel?

Denalane: Ich bin morgens mit der U-Bahn gefahren und am Gleisdreieck vorbeigekommen. Das hat mich dann wie der Blitz getroffen: „Gleisdreieck“ als Titel ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Es ist zum einen mein Zuhause, der Ort, an dem ich zu der geworden bin, die dann hinaus in die Welt ist. Der Ort der Prägung. Es steckt aber auch Poesie in dem Wort. Der Bahnhof, der Ort der Begegnung, der Verabschiedung, des Wegfahrens und des Zurückkehrens.

Hätten Sie das Album solo aufnehmen können?

Denalane: So mit der Gitarre allein? Wenn ich das könnte, vielleicht. Aber ich arbeite gerne mit anderen Leuten. Ich bin nicht so der Einzelgänger als Musiker. Als Mensch schon eher, obwohl ich Familie habe. Ich muss mich nie ins Getümmel stürzen. Ich war schon immer auch gerne allein.

Sie hatten fünf Geschwister. Ist das als Einzelgänger schwierig?

Denalane: Das war toll! Bei uns war immer viel los. Doch, das kann ich schon ab. Ich mag es auch, wenn jetzt bei uns die ganze Familie mit Anhang vorbeikommt. Aber ich kann auch prima alleine zu Hause sein mit ein paar Büchern. Für mich war es immer eine Möglichkeit, die Welt durch Lesen besser zu verstehen. Prosa hat etwas Zwingendes. Die Figuren sind oft etwas überspitzt, auch die Geschichten, und das hilft oft, die Welt besser zu begreifen. Dazu brauche ich definitiv Rückzug.

Als Musiker erlauben Sie aber dem Publikum schon einen gewissen Einblick …

Denalane: Ich finde es nicht schlecht, die Menschen bis zu einem gewissen Punkt in meine Seele blicken zu lassen. Ich habe ja niemanden umgebracht.

Der Titel vermittelt eine gewisse Schwere, die in Ihren Texten auch immer vorscheint. Wie bewusst ist Ihnen das?

Denalane: Die Schwere ist nun einmal Teil des Lebens. Die ist auch notwendig, um etwa die Leichtigkeit zu spüren. Und umgekehrt. Ich bin aber kein schwermütiger Mensch, ganz im Gegenteil.

Überspitzen Sie Ihre Erlebnisse in Ihren Liedern?

Denalane: Die Sachen, die ich erzähle, sind aus meinem Leben oder aus meinem Umfeld gegriffen. Weniger überspitzt. Aber auch an Stellen fiktional.

Sorgt dann die Musik für die Überspitzung?

Denalane: Ja, manchmal, das wäre dann das Instrument dazu.

A. Seidemann

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