Zum Jubiläum Amadeus total

- Von vielen schlechten Wünschen, so bemerkte Präsidentin Helga Rabl-Stadler süßsauer, sei das Projekt begleitet worden. Umso heftiger fiel gestern am Mönchsberg das gegenseitige Schulterklopfen aus: 2006, zum 250.

<P>Geburtstag des großen Salzburgers, bieten die Festspiele nichts weniger als Amadeus total: alle 22 Opern, Singspiele und Musiktheater-Fragmente, alle innerhalb von sechs Wochen, die meisten szenisch. Also "nicht nur ,the Best of', sondern wirklich den ganzen Mozart", wie Intendant Peter Ruzicka das wichtigste Projekt seiner Amtszeit umschrieb und in dramaturgisch Hehres kleidete: Mozart komplett, das sei doch "gegen den Zeitgeist, gegen die Oberflächlichkeit" gerichtet.</P><P>Angesichts dieser enzyklopädischen Masse kann Salzburg nicht nur mit Neuem wuchern. Zehn Inszenierungen sind Koproduktionen mit anderen Häusern, darunter Venedig, Nürnberg und Klagenfurt, einiges wird wiederaufgenommen oder regelrecht wiederbelebt wie der "Idomeneo" von Ursel und Karl-Ernst Herrmann aus der Ära Mortier.<BR>Zentrale Premiere ist "Le nozze di Figaro" zur Eröffnung des "Hauses für Mozart", des umgebauten Kleinen Festspielhauses. Nikolaus Harnoncourt dirigiert, Martin Kusej, dann schon dort Schauspielchef, gab seine Regie an Claus Guth ab. Anna Netrebko (Susanna), Dorothea Röschmann (Gräfin) und Bo Skovhus (Graf) bilden den Kern der First-Class-Besetzung.</P><P>Zu den Neuheiten zählen auch "Lucio Silla" als Gastspiel vom Teatro La Fenice in Venedig (Dirigent: Marcello Viotti; Regie: Jürgen Flimm), eine "Mozart-Trilogie" von Joachim Schlömer, die unter anderem "La finta semplice" enthält, sowie "La finta giardiniera" (Ivor Bolton/ Doris Dörrie) als Koproduktion mit der Mozartwoche.</P><P>Über Amadeus hinaus weist das Singspiel "Zaide", zu dem Komponistin Chaya Czernowin ihr Opus "Adama" gesellt, alles wiederum von Claus Guth inszeniert. "Bastien und Bastienne" plus "Der Schauspieldirektor" kommt als - live musizierter - Doppelabend im Marionettentheater heraus. Wiederaufnahmen wie die "Entführung", "La clemenza di Tito" oder "Die Zauberflöte" von 2005 komplettieren das Angebot.</P><P>Mit Dirigenten von Harnoncourt über Riccardo Muti, Marcello Viotti, Ivor Bolton bis Philippe Jordan soll die ganze Bandbreite der Mozart-Interpretation vorgeführt werden. Und ganz nebenbei wird noch der 80. Geburtstag eines Mozart-Kollegen gefeiert: Jubilar Hans Werner Henze wird dazu seine Oper "Das verratene Meer" (1989) um 40 Minuten verlängern und als "Gogo no Eiko" neu präsentieren.</P><P>Leidtragender dieser Anstrengungen ist das Schauspiel, das aus dem Stadtzentrum verdrängt wird. Zwar gebe es, wie Ruzicka versicherte, wieder drei große Premieren, allerdings nur eine im Landestheater. Die übrigen Produktionen und Gastspiele verlagerten sich unter anderem auf die Perner Insel.</P><P>Das Direktorium erwartet sich von "Mozart 22" einen Sturm auf Salzburg, ab sofort ist eine Hotline freigeschaltet und können Abos erworben werden. Und für den Durchschnittsgast mit sieben Tage Aufenthalt, dem das meiste entgehen dürfte, hat Helga Rabl-Stadler den schlichten Rat parat: "Wir legen nahe, dann eben 38 Tage zu bleiben." Was indes nur mit dem Gehalt der Präsidentin funktionieren dürfte.</P>

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