Jüdische Kulturtage: Ullmann-Oper am Jakobsplatz

München - Ermordet und vergessen: Das Schicksal der jüdischen Komponisten und Musiker im "Dritten Reich" ist wirksam bis in unsere Tage. Sie werden kaum gekannt, fast nie gespielt, nur selten wiederentdeckt. Das junge Münchner Orchester Jakobsplatz unter Leitung von Dirigent Daniel Grossmann (29) hat sich die Werke genau jener Komponisten zur Aufgabe gesetzt.

Am 15. November eröffnet das Orchester Jakobsplatz die Jüdischen Kulturtage mit einer Aufführung der Oper "Der Kaiser von Atlantis oder Die Todverweigerung" von Viktor Ullmann (1898-1944).

Koproduzent dieser Inszenierung ist die Bayerische Staatsoper. Sie sorgt für Regie und Ausstattung, sie stellt die Sänger. Regisseur Markus Koch betont die Aktualität der 1943 im KZ Theresienstadt entstandenen Oper. Sie sei einmal zu sehen im historischen Kontext, zum anderen enthalte sie Autobiografisches, zudem aber sei "Der Kaiser von Atlantis" von großer Überzeitlichkeit. "Ein ganz starkes Stück Musiktheater." Natürlich ist Atlantis zunächst als Metapher von Nazi-Deutschland zu sehen und der grausame Kaiser, der seine Untertanen in den Krieg treibt, als eine Art Pendant zu Hitler.

Der Schönberg-Schüler Viktor Ullmann hoffte, seine Oper selbst in Theresienstadt uraufzuführen. Doch ehe es dazu kam, wurden er, sein Librettist Peter Kien und ein großer Teil des Ensembles nach Auschwitz deportiert.

Leider sind für die Münchner Produktion - Spielort ist der Hubert-Burda-Saal im Jüdischen Zentrum am Jakobsplatz - nur zwei Vorstellungen (15. und 17. November) vorgesehen. Darüber hinaus aber bieten die Jüdischen Kulturtage München noch einiges andere; darunter zwei große Klezmer-Konzert, die Theatergastspiele "Ruhe?" (Belgien) und "Immerwahr" (Coburg) sowie eine Ausstellung über die jüdische Mädchenschule Wolfratshausen, 1926-1938. 

Infos und Karten:

089/ 22 12 53; 180/ 54 81 818

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