Der jüngste Backstreet Boy als Retter

München - Es gab vorwiegend nostalgische Mittzwanziger zu besichtigen in der eher spärlich gefüllten Münchner Olympiahalle, und das war ein ziemlich merkwürdiger Anblick: junge Menschen, die ihrer verlorenen Jugend gedenken.

Noch merkwürdiger waren freilich auf der Bühne die vier Mannen der Backstreet Boys. Die sind nämlich schon lange keine Boys mehr, sondern gestandene Männer und Familienväter. Dennoch taten sie so, als sei die Zeit Mitte der Neunzigerjahre stehengeblieben und hüpften durch ihre perfekt abgelieferten Nummern von damals.

Natürlich war die Darbietung hochprofessionell und kurzweilig, aber auch ein wenig seelenlos. Die Lieder wurden von der vierköpfigen Begleitgruppe gespielt, wie es auch eine gute Coverband hinbekommen hätte. Und die Backstreet Boys selbst wirkten vor allem zu Beginn ein wenig so, als wären sie in Gedanken schon auf der Aftershow-Party. Dass es dennoch ein recht unterhaltsamer Abend wurde für die Fans, lag am jüngsten Backstreet Boy Nick Carter.

Dem genügte es offenkundig nicht, routiniert eine einstudierte Revival- Show abzuliefern - er brach immer öfter aus der starren Choreographie aus und legte eine gesunde Aggressivität an den Tag. In einer Mischung aus Wut und Verzweiflung puschte er erst sich, dann das Publikum hoch.

Dabei bewies Carter echte Entertainer-Qualitäten und verströmte als Einziger so etwas wie Rockstar-Aura. Selbst mittelprächtige Hits gerieten schließlich zu Abräumern. Am Ende war sogar so etwas wie echte Begeisterung zu erahnen.

Ob die Backstreet Boys zur früh vergreisten Nostalgie-Combo werden oder sich zu einer erwachsenen Musikgruppe entwickeln, liegt ja letztlich an den Band-Mitgliedern selbst. Willige Fans, die ihnen folgen würden, haben sie jedenfalls.

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