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Am Ende umjubelt – traditionell im Bademantel: Udo Jürgens nach der letzten Zugabe in der Olympiahalle.

Udo Jürgens in der Oly: „Ich glaub, ich fliege“

München - Udo Jürgens zeigt sich in München in Topform: In der ausverkauften Olympiahalle beweist er, dass er auch mit 77 noch "Wahnsinn" ist. Lesen Sie hier die Kritik:

Ich war noch niemals in New York, New York. Irgendwann an diesem fabelhaften Abend in der ausverkauften Olympiahalle trifft Udos Bohnerwachs-Ballade auf Frank Sinatras Stadt, die niemals schläft. Die beiden Hymnen auf den Big Apple verschmelzen zu einem einzigen mitreißenden Stück, und beim Zuhören und Staunen denkt man sich: Hochklassiger als mit einem Udo Jürgens in Topform kann Unterhaltung kaum sein. Bloß der Titel seines aktuellen Albums „Der ganz normale Wahnsinn“ ist gelogen. Denn Udo mit 77 ist zwar Wahnsinn – aber alles andere als ganz normal.

Am Ende seines achten Lebensjahrzehnts, in dem für viele der Hüftersatz näher ist als die Steppschuhe, tänzelt Udo Jürgens im perfekt sitzenden schwarzen Seidenanzug mit rotem Einstecktuch über die Bühne, begrüßt seine Verehrer mit einem jugendfrischen Udo Jürgens in Topform. Und wer genau hinschaut, meint tatsächlich zu erkennen: Der Mann, er schwebt! Höchstens 60, älter kann er nicht sein. Wobei: Dann hätte er mit 14 „Merci, Cherie“ gesungen, das geht sich auch nicht aus.

In Sachen Hits hält sich der Otto Rehhagel des Singens (nur mit Erfolg) lange zurück, spielt viel Nachdenkliches von der letzten Platte, viel Schönes, aber eher Unbekanntes. Damit spannt er die Fans zwar gehörig auf die Folter – andererseits wäre eine reine Schlager-Gassenhauerei seiner Klasse als Chansonnier auch nicht angemessen. Und gegen Ende kommen die alten Kracher eh zu ihrem Recht. Der unfassbare Udo lässt das Hitmaschinchen schnurren.

Ein Konzert als Platz an der Sonne, aber bitte mit Sahne. Den vorschriftsmäßigen weißen Bademantel vor den letzten Zugaben überreichen ihm in der Garderobe seine Enkelkinder. Und die wissen genau wie die Fans in der Halle: Opa Udo ist der Größte!

Jörg Heinrich

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