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„Was mir am Theater gefällt, ist das Münchner Publikum“: Juliane Köhler spielt in Georg Kaisers Stationendrama mehrere Rollen, Premiere ist am Samstag.

Juliane Köhler: Feine Dame mit großem Geheimnis

Ihre letzte große Rolle am Bayerischen Staatsschauspiel war die lebensmüde Paula in Thomas Jonigks „Diesseits“. Nun spielt Juliane Köhler eine Dame, die in einer Bank Geld abheben will und damit den Lebensplan des Kassierers über den Haufen wirft.

Am Samstag hat Georg Kaisers „Von morgens bis mitternachts“ im Münchner Residenztheater Premiere, Regie führt Tina Lanik.

-Nach „Diesseits“ spielen Sie nun wieder in einem Stationendrama, wieder steht Ihre Figur in einer Bank und bekommt nicht, was sie möchte. Gibt es mehr Parallelen?

Nein (lacht). Diesmal handelt es sich um ein expressionistisches, abstraktes Stück und eine komplett andere Rolle. Ich spiele mehrere Figuren, darunter diese feine Dame mit viel Geheimnis, die eine große Wirkung ausübt auf alle, vor allem auf den Kassierer. Parallelen ergeben sich allenfalls dadurch, dass Tina Lanik wieder inszeniert.

-Georg Kaiser ist durch seinen Moralismus und sein Sendungsbewusstsein ein schwieriger Autor. Wie findet man einen Zugang zu ihm?

Ich fand das Lesen schon schwierig und habe gar nichts verstanden. Erst durch die Proben und die ganz eigene Fantasie von Lanik ist das Stück bildhaft und plakativ geworden, große, starke, bunte Bilder sind entstanden.

-Die Figuren entspringen Gedanken, einer Ideenhaftigkeit. Wie füllt man sie mit Leben – oder ist das gar nicht nötig?

Eben, es ist nicht nötig. Die Figuren sind sehr klar, Psychologisieren hat da keinen Sinn, das macht Lanik auch nicht gern. Wichtig ist auch hier, ganz wahrhaftig zu sein.

-Im Stück geht es um die Abhängigkeit vom Geld, die Unbeständigkeit seines Wertes, seine Illusionskraft. War das der Grund, es gerade jetzt zu spielen?

Es ist sehr aktuell, nicht nur wegen der Wirtschaftskrise. Zentral darin ist allgemein der Umgang mit Geld, der besonders jetzt vor Weihnachten sichtbar wird. Gerade hier in München, in der Gegend um das Theater herum. Aber erzählt wird auch die Geschichte eines Kassierers, wie er sein Leben umkrempelt und im Kreis gelaufen ist. Das hat etwas Philosophisches, ich finde es sehr berührend.

-Sie sind viel in Filmen zu sehen. Spielen Sie genauso gerne auf der Bühne wie vor der Kamera?

Beides ist mir wichtig, wenngleich es eine logistische Herausforderung bedeutet. Ich bin sehr glücklich darüber, wie es im Moment ist. Was mir am Theater besonders gefällt, ist das Münchner Publikum. Ich spiele hier seit 1993, und ich merke: Das Publikum liebt seine Schauspieler. Ich spüre sogar auf der Bühne, dass mich die Zuschauer kennen und mögen, manche erkenne ich im Foyer oder auf der Straße wieder. Gerade in diesem Jahr fällt mir das auf. Die Zuschauer schätzen unsere Arbeit, selbst wenn sie ihnen mal nicht gefällt, man merkt das am Applaus. Sie sind nie respektlos, sondern wissen, dass wir uns wahnsinnig anstrengen. Und das ist in Bayern anders als in Berlin, wo ich auch spiele, oder in Düsseldorf, wo das Publikum knallhart ist.

-Was mögen Sie an Tina Lanik, mit der Sie zum zweiten Mal arbeiten?

Dass man sich wirklich im engeren Sinn versteht. Ich sehe ihr an, was sie sagen will und was sie denkt, das ist schon 90 Prozent der Arbeit. Und ich mag es, wenn ein Regisseur vorbereitet kommt. Sie hat tolle Ideen und immer schon ein Konzept, eine eigene Fantasie, ein Gerüst, das man auffüllen kann. Und dabei bleibt sie offen für anderes.

-Das klingt nach einer sehr angenehmen Probensituation.

Ja. Ich könnte für den Rest meines Lebens mit ihr arbeiten. Aber ich komme auch mit Amélie Niermeyer, Barbara Frey oder Martin Ku(s)ej wunderbar klar. Häufiger jedoch mit Frauen. Beim Film ist es ähnlich: Gerade habe ich mit Doris Dörrie „Klimawechsel“ gedreht, eine TV-Serie über älter werdende Frauen. Sie hat endlich die Komödiantin in mir entdeckt.

-Auf der Bühne ist die aber unübersehbar!

Es war immer mein Wunsch, auch im Film aus dieser dramatischen Ecke herauszukommen.

Das Gespräch führte Christine Diller.

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